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Brev fra H.C. Andersen til Gustav Adolf Amberger 2. april 1861

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Dato: 2. april 1861
Fra: H.C. Andersen   Til: Gustav Adolf Amberger
Sprog: tysk.

Copenhagen, 2ten April 1861.

Wohlgeboren

Herrn Amberger, Maler,

Adresse: Herrn Amberger Buchhändler

in Basel

,

Lieber, theurer Freund!

Eben den zweiten April; meinen Geburtstag, habe ich Ihren lieben Brief erha1ten. Sie und die vortrefliche Frau Doctorin sind geistig zur Geburtstagsvisite, ach wie lieb und gut sind Sie beyde, und bald sehen wir uns, ja, viel habe ich zusagen, zu schreiben, aber eben heute gar keine Zeit dazu, darum bekommt die liebe gute Frau Doctorin keinen Brief heute. Ich habe Besuch jede Minute und Morgen reise ich ab! Leider muß ich gleich sagen, die- Plane nach Spanien zu reisen sind aufgegeben, ich kann nicht künftigen Winter. Ich habe Etwas für die Bühne und noch mehrere Bände; die mich festhalten. Aber hinaus diesen Frühling muß ich! Ein künftiges Jahr geht es vielleicht nach Spanien, jetzt ist es nur ein kleiner Sprung nach Rom. Ich konnte es diesen Winter gar nicht verschmerzen, daß ich nicht nach Italien kam. Ich war in Sehnsucht krank und leidend, bis ich den Entschluß - nahm: gleich nach meinem Geburtstag fliege ich dahin! Aber weil ich die Hitze nicht vertragen kann und nicht früher als am Ende April in Rom eintreffe, bleibe ich dort nur bis Ende Mai und kehre zurück nach der Schweitz, erst nach Montreux am Genfersee (dort ist wunderschön und auch wohlfeil das Leben so wie in Brunnen). Von dort gehe ich nach dem Vierwaldstättersee. Können wir uns nicht dort begegnen, einige Tage miteinander zubringen? Für dieses und künftiges Jahr kann ich nicht an Spanien denken. Ich reise so schnell als moglich aus Copenhagen nach Rom. Aber damit ich Sie, theurer Freund, sehen und, sprechen . könnte (auch die liebe Frau Doctorin, Gemal und Kinder), gehe ich über Basel; aber nur einen einzigen Tag erlaubt die Zeit mir, daß ich dort verweile. Dann gehe ich über Neufchatel nach Lyon , und Marseille, Nizza und Genua, nach Rom. Ich reise nicht alein, es ist mir gar zu einsam. Ich nehme einen jungen Freund mit, nur zwanzig Jahren ist er, der Sohn meines Freundes Etatsrath Collin, die Familie, wo ich bin wie Kind im Hause. Ich habe den jungen Freund eingeladen mit mir nach Rom zu gehen. Er ist glücklich, jung; gut, unverdorben, lieb und tüchtig. Er war es, der als Kind weinte, wann er aus der Zeitung hörte von neuen Entdeckungen. Alles wird entdeckt in der Zeit ich ein Kind bin! Er will Ihnen ansprechen! Auf der Rückreise aus Italien bleibe ich in der Schweitz bis Mitte Juli. Da hängt es ab von den Zeitbewegungen. Wenn Friede und Ruhe lebt, gehe ich über Deutschland zurück. Haben wir Dänen Krieg, dann gehe ich über Paris und Dunkerque mit einem Dampfschiff nach Copenhagen. Den 9ten oder 10ten April, wenn Gott es will, komme ich aus Frankfurth nach Basel des Abends und steige ab in «den Drey Königen», wenn ich und mein junger Freund Collin ein Zimmer nach dem Rhein erhalten können. Das müssen wir. Gleich schicke ich dann Brief an Sie, theurer Freund, und den Tag darauf, leider nur den einzigen Tag, sehen wir uns, besuchen wir dann Herrn Doctor Brenner und Frau Gemahlin, machen Abrede, wo wir uns wiedersehen müssen. Die Reise nach Spanien ist aufgeschoben, nicht aufgehoben, wenn der Herr Gott es erlaubt! Ich schicke Ihnen mein Copenhagener Photographie, wie er bei uns überall verkauft wird, und die man noch ähnlicher findet als die aus Genf. - Nun Gott segne und füre Sie mein edler, tüchtiger, lieber Freund! Bald umarme ich Sie.

Ihr treuer H. C. Andersen.

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