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Brev fra H.C. Andersen til Gustav Adolf Amberger 23. maj 1861

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Dato: 23. maj 1861
Fra: H.C. Andersen   Til: Gustav Adolf Amberger
Sprog: tysk.

Rom, 23. Mai 1861.

Monsieur

le Peintre Amberger Bàle en Suisse.

Lieber, theurer Amberger!

Schon bin ich beinahe einen Monat in Rom; die Zeit vergeht gar zu schnell. Alles muß ich wiedersehen. Alles ist schön und herlich, beinahe habe ich mich uberangestrengt bei Laufen und Fahren, aber der liebe Gott weiß, ob ich mehr nach Rom komme, ich glaube es kaum. Die Peterskirche wird beinahe größer bei jedem neuen Besuch, aber das Colosseum, dieser versteinerte Thorso einer Weltgeschichte, hat etwas so überwältigendes, etwas so großartiges, daß ich immer dorthin gehe, denke und träume. Eine kleine Historie «eine Psyche» habe ich schon auf diesen Wanderungen gedichtet und niedergeschrieben. Der alte Peppo, wie er lebt in «Der Improvisator» liegt noch immer auf die spanische Treppe. Auf der Kaiserburg, in das Franziskaner Kloster «Bonaventura», habe ich einen alten Freund, einen Landsmann, den Maler Kückler (jetzt Bruder Pjetro) als Mönch gefunden. Er war so glücklich, heiter und gesund wie in Jugendjahren. Er hatte eben ein Bild nach Perugino vollendet; es geht nach Copenhagen. Die Aussicht von seinem Fenster ist wundervoll, ganz Rom, Collosseum und die Umgebung bis St. Peter liegt unten. Die Campagna dehnt sich bis dem Meere hinaus, und die dunkelblauen Gebirge, mit Schnee bedeckt, begrenzen den Horizont. Ich bleibe noch bis Corpus Domini (den 30. Mai) und gehe dann über Florentz nach Nord-Italien und in die Schweitz hinein; wills Gott sehen wir uns Anfang Juli in Brunnen, doch darüber schreibe ich bestimmter etwas spater. Jetzt muß ich Ihnen erzählen die Reise von Basel hieher. Aber erst Gruß und Dank an Sie und die vortreffliche Frau Doctorin für den herzlichen Empfang, die schönen Stunden und die Begleitung nach der Eisenbahn. Grüßen Sie den Herrn Doctor und die Kinder (am meisten Carl der Große). Aus Basel kam ich mit meinem jungen Reisegefährten Collin nach Neuchatel. Meine Freunde, Jörgensen, - Vater und Sohn, kamen aus Locle und verweilten einen ganzen Tag bei uns.

Ueber Genf kamen wir in Frankreich hinein. Dort war schon Sommer. Wir gingen über Lyon und Avignon. Die Rosen blüheten am Bahnweg, die Akazien dufteten. Es war uns gar zu heiß, aber in Nizza wehten kühlere Lüfte. Orangen und Zitronen glühten, die Natur dort ist ganz und gar wie bei Neapel. Drey Tagen verweilten wir in Nizza und trafen mehrere Landsleute dort. Und jetzt, von hierab, fing der schönste Teil unserer Reise an, der wundervollen Via della Corniche, in die Felsen hineingehauen, dem Meer entlang bis Genua. Die Wellen schlugen in Brandung hoch hinauf. Die Felsen prangten mit Aloen und Cacteen wie auf Sizilien. Zitronen und Rosen hangen über die weisen Mauern. Das kleine Fürstenthum Monaco lag so einladend schön auf freiem Felsenblock, Segel und Dampfschiffe flogen vorbei. Es war ein unvergeßlicher Anblick. Genua mit seinen Palazzi, aufeinander gedrängt und gestellt, hielt uns drei Tagen und dann gingen wir mit dem Dampfschiff nach Livorno und später nach Rom, wo der dänische Generalkonsul uns in seinem Haus vier kleine, hübsche Zimmer verschafft hat. Von unserm Balkon sehen wir die französische Akademie auf Monte de Trinita. Schreiben Sie mir bald, aber nach Milano poste-restante. Dort, verweile ich eihen Tag auf der Rückreise. Ich denke dort nach drey Wochen zu sein. Mein junger Freund Collin grüßt Sie und die Doctors. Er ist sehr glücklich in Rom, und holt immer neue Schnecken, ja Skorpionen und Kröten aus der Campagna. Leben Sie wohl, leben Sie glücklich in der Kunst und in dem Alltagsleben. Grüßen Sie die Frau Mutter.

Ihr Freund

H. C. Andersen.

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