Lausanne, 29. Juni 1861.
Lieber, theurer Freundl!
Gestern abend kam ich und mein junger Reisebegleiter Collin hieher, und heute morgen haben wir eine Menge Briefe erhalten, der Ihrige nach Mailand war darunter. Ich danke Ihnen herzlich und hatte gerne heute einen langen Brief und Vieles über Rom und die Rückreise geschrieben. Aber, eben heute habe ich aus Copenhagen traurige Nachricht erhalten. Mein ältester Freund, die edle alte, Excellenz Collin ist vielleicht in diesem Augenblick nicht mehr. Die Aerzte hatten ihn aufgegeben. Er ist 85 Jahre. Dieses hat mich sehr ergriffen und benommen. Ich kann darum nicht schreiben an Sie, theurer Freund, wie ich es wollte, aber einige Zeilen nur. Ich komme künftigen Donnerstag oder Freitag nach Brunnen. Ich bleibe dort 8 Tage, nicht länger. Wir sehen uns, nicht wahr? Gott segne und für Sie, lieber, theurer Freund. - Grüßen Sie herzlich und innig die Frau Doctorin, ihren Gemal und die Kinder.
Herzlichst
H. C. Andersen.