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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 25. november 1861

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Dato: 25. november 1861
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 25.November 1861

Theuerster Freund!

Ihr letzter lieber Brief war mir eine wahre Erquickung. Es gab und gibt viel Trauriges in meinem Hause. Frau von Berge ist still und in sich gekehrt seit dem Tode Herrmanns, und der Tod unsrer Nichte Elise, die ein Nervenfieber in 3 Tagen von Mann und 3 Kindern rief,hat einen schmerzlichen Nachklang. Jetzt ist Marie, die von ihrem Mann getrennte arme Frau bei ihm, welche ein Töchterchen hat im gleichen Alter mit Gerkamens Tochter und führt ihm das Hauswesen. Auch Minnas gräuliche Heiratsgeschichte macht uns viel Sorge und Kummer. Es hat sich herausgestellt, was wir längst vermuteten und wußten und Serre nie glauben wollte, durch das Revidieren der Jahresabschlüsse, daß diese immer falsch waren, daß er mit unsicheren Leuten nur Geschäfte gemacht, die Zahlungstermine ob mit Absicht oder bloß aus Nachlässigkeit versäumt - sich eine Herrschaft angemaßt, die die anderen Beamten zum Schweigen gebracht - und so viele Tausende von Talern Serre Schaden gemacht. -Sie können denken, der Mann, welcher seine Rechnungen und Belege revidiert, sagt, jähr1ich 2 000 Taler käme zum Rechnen, die er an schlechte Geschäfte Serre Schaden gebracht! - Dazu ist er krank, durch eine Ausdehnung der Flachse ist sein gesunder Fuß angegriffen und er unfähig zu gehen - und muß meist auf dem Sofa liegen. Er verliert natürlich durch alle diese Erfahrungen seine Stelle - und Neujahr tritt ein Anderer seine Stelle an. Alles dies hält Minna nicht ab, auf die Heirat zu bestehen - und da ich endlich nach Dresden ziehen will, Frau von Berge auch nicht hier bleibt und sie nicht allein im Hause unter diesen Verhältnissen bleiben kann, reist sie morgen zu ihrem Bruder nach Flatow ab. Sie will, er solle nachkommen und sich mit ihr trauen lassen. Wenn er Wort hält, wenn er entweder ein Gut gekauft mit dem hier zurückgelegten Gelde oder ein Gut pachten! - Natürlich geben wir Minna ein jährliches Nadelgeld. Diese Veränderung, die Trennung von Jemand, welcher 15 Jahre wie Schwester im Hause lebte und die kleinen Besorgen anführte, welches mir für den Augenblick eine Last auflegt. Aber dies ist nicht erheiternd und fesselte mich bis jetzt hier.

Die Gräfin Moltke ist trostlos, daß ich noch nicht in der Stadt sein kann. Sie findet sich noch nicht hier in die engeren Verhältnisse zurecht nach Paris - und klagt wie immer! Doch ist sie die liebevolle, treueste Frau, Freundin, die für mich! -

Wie oft denke ich, wie glücklich wäre es für uns, wären Sie diesen Winter hier geblieben, welche schöne Stunden würde Ihre Gegenwart uns bereitet haben in unsrer Zurückgezogenheit und das Gefühl, geliebt und angebetet von Freunden zu sein, die sich so gern ... Ihnen Angenehmes zu bereiten, würde Ihnen wohl lieb sein, zumal da der Tod Ihres väterlichen Freundes doch eine große Lücke Ihnen gegeben.

Baronesse Stampe hat mir noch ihr und des Barons und Jeanines Photografien mit einem Lebewohl geschickt. - Der Schmerz folgt ihr, zieht sie auch noch so weit weg! ... Mein Mann läßt Ihnen sagen, er hätte Ihnen wie allen Teilnehmern des Albums direkte Adresse ein Exemplar schon vor 6 Monaten geschickt, doch sollten Sie nur sagen, ob er Ihnen wieder Eins, vielleicht durch eine Buchhandlung oder andere Gelegenheit zuschicken solle? - Schade, daß Sie keins von hier selbst mitgenommen, was hätte es geschadet, hätten Sie auch 2 Exemplare gehabt und Eins verschenkt! Jetzt ist ein Franzose hier, hat eine Bude am Postplatz. Darin zeigt er Sterioskopie. Auf einer langer Tafel drehen 24 Maschinen,davor sitzt man und dreht dieselben. So sieht darin man nach der Reihe 24 Bilder - Rings an den Wänden sind Gucklöcher, worin man bunte Bilder sieht. Alles mit Gas schön beleuchtet. Man kann stundenlang so schauen. Wie würde es Sie amüsiert haben. Wie freue ich mich von Ihnen alles Verheißene! In der Bude sieht man Bilder aus Java, Gegenden und Menschen darstellend - es soll etwas Neues sein, meist aber sind es Bilder auf Glas. Graf Sauermas lief täglich hin.

Schreiben Sie, was ich Ihnen wohl schicken könnte, was Ihnen noch fehlt? Kennen Sie die erleuchteten Zimmer und die Silbergefäße? - Professor Mundt, welcher mich mit seiner Frau L.Mühlbach besuchte, ist in Wiesbaden. Er hatte einen Schlaganfall. Sie schickte mir als Gastgeschenk ihr neustes Buch &Erzherzog Johann'! - Auch mit Gräfin Hohenthal, die noch in tiefer Trauer um ihren Gemahl, sehe ich mich oft. Sie ist die Schwester Prinz Christians. Heute gab ich dem Eichbaum eine höhere Stütze. Er ist über Hälfte gewachsen. Der Efeu an der Urne scheint sich zu erholen und eine grüne Ranke zu bekommen. Ich deckte ihn mit Laub zu vor der Kälte zu schützen. Sie haben eine gesegnete Hand. - Therese ist noch immer hier und bleibt bei Frau von Berge, der eine Gesellschaft in ihrer trüben Stimmung nötig. - Die Kleine gedeiht körperlich und geistig - sie hat Privatstunden. Ihr Mann will ihr den Paß für Amerika, Brasilien nicht ausstellen und willigt in keine so weite Entfernung mit dem Kinde. So bleibt ihr Geschick sorgenvoll und mühselig und doch benimmt sie sich brav. -

Zu Weihnachten kommen meine Kinder mit den 3 Jungens Dach Dresden und ist meine Freud.

Frau von Hann verreist dann und Frau von Berge, Fräulein von Mühlenfels ist noch immer in Dresden,hat aber ihr Waisenhaus-Unternehmen aufgegeben, weil keine Teilnahme dahin und von französischer Seite schon dafür gesorgt!-

Noch habe ich den Auftrag, Ihnen von der Generalin ihr Bild zu schicken. Sie möchten die Stubennachbarin nicht vergessen - und ihr ja Ihr Bild (Visitenkarte) dafür schicken.

ich füge die Ansicht unsres Hauses bei, welche Sie vielleicht noch nicht haben!Aber noch habe ich Ihnen von Alexander Ziegler, dem Bürgermeister, Serre, Margaret Grüße zu bringen und den letzten von Minna!

Ich fürchte, ihr wird Reue ankommen.

Alle grüßen auch Herrn Collin herzlich, so wie ich auch.

In trauter Ergebenheit und Verehrung

Ihre Fr. Serre und Therese

[Randnotiz:] Madam Helms schreibt aus Konstantinopel, unsre nächste Gasse sei ein Paradies gegen Konstantinopels Schmutz - sie versteht nicht!

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