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Brev fra H.C. Andersen til Gustav Adolf Amberger 7. januar 1862

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Dato: 7. januar 1862
Fra: H.C. Andersen   Til: Gustav Adolf Amberger
Sprog: tysk.

Copenhagen, 7. Januar 1862.

Dem Maler

Herrn Amberger in Basel

Lieber, theurer Freund!

Was denken Sie von mir! Ja, es ist ein Unrecht, daß ich, so lange gar nicht an Sie geschrieben habe, aber es ist mir Sovieles durcn Herz und Gedanken gegangen, und das Briefschreiben wurde aufgeschoben und wieder aufgeschoben, obschon ich warm und innig an Sie dachte. Bisweilen sind Sie mir so lebhaft in den Gedanken gewesen, ich habe mit Ihnen recht gesprochen, sodaß ich beinahe glaubte, die Brieftaube wäre schon abgegangen. Aber Sie können davon nichts wissen. Man muß es mit Schwarz auf Weiß haben, wie Sie es jetzt heute haben sollen. Ich kam eben vorgestern nach der Stadt. Ich bin Weihnachten vierzehn Tagen auf dem Lande bei lieben Freunden gewesen, bei dem Grafen Holstein auf Holsteinburg, ein altes schönes Schloß am Meeresuffer. Beim Rückkehr fand ich in meiner Stube schöne Blumen, Weihnachtsgaben und Briefe von theuren Freunden, den Ihrigen mit Ihrem lieben Bild, auch eines für Collin, war darunter. Wie sind die Blumen hübsch arrangiert, ein schönes Blatt für mein Album. Aber am schönsten, am liebsten ist ihr herzlicher treuer Neujahrsgruß und des Freundes Ueberzeugung, daB mein Schweigen darin liegt, daß ich arbeite. Ja, ein neues Buch ist beendiget und schon in einem Monat heraus, 5000 Exemplare beinahe verkauft. Es ist das Märchen «Die Eisjungfrau». Ich erzähl1te Inhnen in Brunnen davon. Es ist das größte Märchen, [das] ich je geschriehen habe und die Kritik stellt es in die Reihe meiner besten.

Aus der Schweiz ging ich mit unserm jungen Freund über München nach Dresden und dort hei meinen Freunden in Maxen verweilten wir beinahe einen Monath. Dort habe ich das erwähnte Märchen durchgearbeitet und für den Druck fertig gemacht. Am Ende August kam Collin und ich nach Dänemark. Er ging nach Copenhagen, ich blieb auf dem Lande bei meinem alten Freund dem Dichter Ingemann, und dort, schon den vierten Tag nach meiner Ankunft, erhielt ich Nachrieht aus Copenhagen, daß mein alter, edler Freund und Wohltäter G[eh]eimerat Collin (Großvater des jungen Collin) war gestorben. Ich reiste augenblicklich nach der Stadt, kam am 1ten September an und den zweiten wurde der Leichnam ins Grab gelegt: als er noch lebte, kam ich alle Tage gewöhnlich zweimal des Tags hei ihm. Er war der Zusammenhaltspunkt der Familie;, der Kern, die Axe. Jetzt steht das große Haus leer. Es ist verkauft, wird abgebrochen und ein neues steigt empor, nur die Erinnerungen im Ganzen bleiben.

Ich habe schon vor anderthalb Monaten meinem deutschen Buchhändler das Manuskript der neuesten Märchen gegeben und geglaubt, daß die Freunde im Auslande das Büchlein zu Weihnachten lesen sollten. Aber Herr Wiedemann hat gar nichts gethan. Er wartet, bis er ein starkeres Band herausgeben kann. Er muß lange warten. Jetzt denke ich an andere Sachen. Unsere Weihnacht ist sonst in literarischer Beziehung sehr reich gewesen. Beinahe alle unsere am meisten bedeutendeste Poeten haben ein Werk herausgegeben. Besonders schön sind die lyrischen Gedichte von, Ploug und dem achtzigjährigen alten Hauch.

Grüßen Sie herzlich und innig die Frau Mutter, so auch Dr. Brenner und seine Frau Gemahlin, die Kinder, meinen Freund Carl den Großen dürfen Sie nicht vergessen. Mit den Plänen fur den künftigen Sommer, dem Reisen dorthin oder dorthin, ist noch unbestimmt. Aber wenn ich gesund bleibe, muß ich wieder heraus. Will es Gott, sehen wir uns. Ich weiß, Sie sind mir treu und gut. Glauben Sie auch daran, daß Sie fest in meinen Gedanken sind, daß ich mich immer und herzlich freue, wann ich höre, wie Sie in Ihrer Kunst fortschreiten und erkannt werden. Gott gebe Ihnen Segen, er führe und bewahre Sie. Ein neues Jahr ist aufgegangen. Ich hoffe auch ein glückliches.

Ihr treu ergebener

H. C. Andersen.

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