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Brev fra H.C. Andersen til Clara Heinke 14. oktober 1862

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Dato: 14. oktober 1862
Fra: H.C. Andersen   Til: Clara Heinke
Sprog: tysk.

Uddrag gengivet i Das Magazin für die Literatur des In- und Auslandes. 1881. pp 219-221. Ungedruckte Reisebriefe Andersens an Eine Deutsche Freundin

Granada den 14 Oct 1862

Theueres Fräulein!

Hier in Granada habe ich Ihren lieben Brief erhalten, wie viel habe ich zu erzählen! Spanien ist ein höchst interessantes Land, der Volk intelligent und liebenswürdig; wenn nach 10 Jahren die Eisenbahnen sind alle beendigt, wird dieses Land recht bewundert und besungen werden, dann fliegen Fremde hierher wie früher nach Italien, aber viel von das Eigentümliche ist dann auch verweht. Eine national Vergnügung, welche die gebildeten Spanier schon jetzt benennen als rauh und barbarisch, das Stiergefecht, ist da verschwunden. Wie ich in Malaga ein solches gesehen habe, vergesse ich diese nie. Vier Pferde sah ich von einem Stier lebendig zerrissen werden, die Eingeweide hangen an den Hörnern des Stieres, das Blut bespritzte die Schranken – und dann dabei dieser wilde Jubel, dieser Volkshumor, ich konnte es kaum aushalten. – In der Poesie aber geht eine neue Zeit auf, die jungen Poeten fangen an nationale Scenen zu geben, das Volksthümliche tritt hervor ins Gedicht und Drama.
Schon wohne ich 8 Tage hier in Granada, Alles ist fest und feierlich, da die Königin ist für erstemal hier in der Stadt. Alle Balkonen sind mit Teppich und Blumen geschmückt, die engeren Strassen sehen aus wie unendliche Ballsalons. Schleier von Flohr hangen flatternd von oben herab und Lichtkronen, mehr als tausend neben daran. Wie eine Wolke von flatternde Kolibri schweben bunte Lampen über die Strassen – Castanietten klingen – Kirchenglocken läuten, die Zigeuner tanzen in die Strassen, es ist ein Summen und ein Brausen von Tönen.
Morgen ziehe ich hinein in das Gasthaus oben bei Alhambra, das alte maurenschloss ist wahrhaftig wie ein Mährchen im Stein eingehauen! dort ist Schatten, das Wasser kühl und klar. Sierra Nevada liegt schon mit Schnee, aber unten glühen die Orangen, blühen die Rosen und die Cactus wachsen wie die grossen, elphantenartige Bäume. In Sevilla, adressiert an dem dänischen Consul, erwarte ich Breif von Ihnen, dort bleibe ich gewiss drei Wochen, aber jetzt muss ich erst die afrikanische Küste besuchen, einen kleinen Sprung nur. – Mit meiner Gesundheit ging es bisher vortrefflich, hier in Grananda greift die Luft mich an. Einige kleine Gedichte habe ich geschrieben, zwei in Cartagena, drei in Granada, dies ist Alles. - - Bis zum neuen Jahr hinein bleibe ich in Spanien - - wenn ich nur ein recht wahres, schönes Bild von das Land geben kann!
Ihr innig ergebener
H: C. Andersen

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