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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 11. januar 1864

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Dato: 11. januar 1864
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 11.Januar 1864

Mein theurer,verehrter Freund!

Was werden Sie von mir denken - daß ich so lange verzögerte Ihnen zu schreiben, nachdem unsere Briefe sich zuletzt begegneten? Ich weiß gewiß, Sie zweifeln keinen Augenblick an meinen alten, treuen Gesinnungen, die bis ich meine Augen schließen werde, dieselben bleiben. Zuerst Dank, tausend Dank, für den Genuß, welchen Sie mir und uns Allen durch Ihr Buch &In Spanien' bereitet. Sie soll ten uns in den langen Winterabenden am Teetisch versammelt sehen, und Carl, der uns dasselbe vorliest, mit gespannter Aufmerksamkeit zuhören! Mit Jugendfrische sind die Schilderungen gezeichnet - von der üppigen südlichen Natur, es wird Einem ordentlich warm mitten im Winter dabei, von der Menschen Sitten - über Altertümer, über Kunst, und immer interessante Momente der Geschichte dabei angeführt. Recht lehrreich und interessant, auch amüsant ist dieses Buch durch den Humor mit welchem es geschrieben, und sind begeistert und erfreut, von schönen Augen,und den reizenden Andalusierinnen, das Bild auf Bild - Vers auf Vers entsteht! -

Welcher Kontrast mit Madame Helmkes Klagen! Aber ich kann nicht aufhören zu bewundern, wo Sie in der Heimat so empfindlich, die Strapazen, Entbehrungen und Fährlichkeit, einer solchen Reise ertragen! Graf Moltke sagte mir, Sie hätten die Absicht nach Dalmatien im Frühling zu gehen! Sie können nicht besser tun als so all den Wirren der Politik zu entgehen! Welcher Schmerz Ihnen der Tod so uns erwartet, des hochseligen Königs von Dänemark gebracht - habe ich ganz mit Ihnen gefühlt. Er war Ihr Gönner ja Freund - Er hat viel getan für die Kunst und Wissenschaft in seinem Lande! -

Als Graf Moltke hier war,mußten wir ihm versprechen mit Hand und Mund, meinen Geburtstag in Glorup zuzubringen, auch Margaret. Die Gräfin, die mit treuer Liebe an mir hängt, alle ihre gemütlichsten, trostreichsten Stunden, nur bei mir, auch bei ihrem letzten Aufenthalt hier, fand - erfreute dieser Gedanke unaussprechlich. Auch Sigwald sollte dabei sein, und Sie dazu eingeladen werden! - Jetzt hat die dumme Politik alles zerstört, die Gemüter aufgeregt, und in aller Herzen Furcht vor einem allgemeinen Krieg herausgestellt. Deshalb kann ich auch Maxen nicht jetzt verkaufen ohne den größten Nachteil. Gottlob, lichten sich auch meine Verhältnisse. Mir fehlt es nicht an einem ausgezeichneten Ökonom, der von Zeit zu Zeit helfend und durchschauend eintritt, zu meiner und Carls Beruhigung, der mir zur Seite, bis jetzt geblieben - und mit seiner Familie mein sonst ödes Winterhaus belebt. - Meine Stimmung denn bald naht meines Mannes Todestag, der 3te März, - und alle schmerzensvollen Erinnerungen werden wach - die Notwendigkeit selbst meine Wirtschaft an Ort und Stelle zu führen, 3tens die Ersparnisse, Sie können die unerhörten Ausgaben berechnen, die nach solchen Todesfalle folgen - fesseln mich diesen Winter in Maxen. Ich kann fast gar nicht zur Stadt - wo mir die Räume, wo ich so viel gelitten, alle Qualen von Neuem wieder vor die Seele führen. Der Winter ist hart - große Kälte - viel Schnee, vor Weihnachten entsetzliche Stürme und unaufhörlicher Regen - doch habe ich ernste Arbeiten, und Tag und Nacht füllen meine Gedanken, wie kannst du hier eine Verbesserung machen, hier Mißbräuche einstellen, Einschränkungen treffen - die Reverenz wieder zu erhöhen, und Maxen in einen lobenswerten Zustand - wie einst es war, die Wirtschaft zu einer Musterhaften zu erheben! Und Gott wird meinen besten Willen unterstützen - mir Kräfte und Fähigkeiten dazu verleihen. -

Der Gr.Herzog hat Bürgermeister Rertel dezidiert und mir wiederholt sein Beklagen ausgesprochen - Serre so ohne Anerkennung hinscheiden zu lassen - zu spät -zu spät! - Die Tiedgestiftung hat Serres Büste von Donndorf machen lassen -künstlerisch, edel aufgefaßt - mir aber erscheint sie fremd, und rührt mich nicht. Ob in Marmor,ob in Bronze ausgeführt - war noch unentschieden. Denken Sie einen großen Kummer hatte ich noch! Sie wissen, daß der jüngste meiner Pflegesöhne Heinrich der erst Konzertmeister in Köln, dann Professor in Uppingham wurde, sich mit einer Engländerin verheiratete, nach Paris übersiedelte, wo er abermals einen Künstlerruf gewann und zureichendes Auskommen. Nun hatte seine angebetete junge Frau eine sehr schwere zu frühe Entbindung - der er beiwohnte. Das ergreift ihn so, daß er in Wahnsinn verfällt - schreit - ich bin ihr Mörder - und spurlos verschwindet! Wie er sich das Leben genommen, ist noch nicht bekannt geworden-Sofort hat die gute Gräfin in Paris, deren geliebter Lehrer er war, sich ihrer angenommen, eine Kollekte gesammelt - und sie selbst der armen Frau gebracht, welcher man gesagt, er sei zu einem kranken Bruder gerufen worden. -

Therese Strenz hat mit ihrer Tochter mein Haus verlassen, und schifft sich den 22sten dieses, in Bordeaux ein, um über Rio Janeiro, zu ihrem Bruder nach Porto Grande zu übersiedeln. Gott gebe ihr eine glückliche Überfahrt gute Menschen als Reisegesellschaft und lasse sie den Schritt nicht bereuen.

Sigwald hat wieder 3 herrliche Bilder in Arbeit - nachdem er eine große Landschaft mit Staffage an den König verkauft! - Die Ruhe und Einsamkeit läßt ihn etwas schaffen was ihm Ruf und Geld bringt! - Clara hat sich in Breslau ein kleines Atelier eingerichtet, sie hat wunderbare Fortschritte in der Ölmalerei gemacht - und würde Ihr Porträt gewiß herrlich auffassen. Mit unserm jetzigen Nachfolger Lüttichaus ist man weniger zufrieden - zwar läßt er viel Neues und auch klassische Stücke geben, doch fehlt ihm die Menschenfreundlichkeit und Gefälligkeit des Letztern. -

In seiner Loge sieht man nie einen Fremden. Alle meine Umgebungen, Carls, Margarets rufen mir tausend Grüße für Sie zu. Frau von Berge wird recht alt und nach dem Tode Baron Allbedylls kränkelt Frau von Hann fortwährend.

Immer und ewig Ihre treu ergebene Freundin Fr.Serre

Grüßen Sie auch Collin, Ihren Reisegefährten.

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