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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 3. januar 1867

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Dato: 3. januar 1867
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden am 3.Januar 1867

Mein verehrter,theurer Freund!

Lange, lange haben Sie mich diesmal auf einen Brief warten lassen, und ich glaubte Sie deshalb auf Reisen. Jahre vergingen und wir sahen uns nicht, und ernster und älter geworden an Körper und Geist, werden wir uns gegenübertreten. Solche Jahre,wie das Durchlebte, ältern den Menschen!

Dresden,unser schönes Dresden ist eine Bundesfestung geworden, Königstein von den Preußen besetzt - keine Gesandten mehr werden Fremde herbeiziehen und unser König ist preußischer Stadthalter geworden, stehend unter dem preußischen Gouvernement, welchem hier die höchste Macht eingeräumt ist! - Die Geselligkeit ist zerstört wo Preußen eingeladen sind, oder auf den Bällen, kommen keine sächsischen Offiziere und umgekehrt! -

Wie habe ich Ihnen gezürnt, als Sie selbst, alte bewährte Freundschaft aufgeben aus Patriotismus, wie oft habe ich im Geiste es Ihnen abgebeten, denn auch mein Herz blutet - beim Anblick des teuren Königs, - Das sechzehnte Jahrhundert ist wie der gekommen - weggefegt werden die gekrönten Häupter von ihren Thronen und nur die Macht regiert und nimmt sich das Recht! -

Daß nach dem Tode Herrn Lüttichaus Graf von Könneritz Theaterintendant war - vor 4 Wochen plötzlich ein Gehirnschlag getroffen starb - und interministisch Hofrat Pabst die Verwaltung hat, hörten Sie wohl. Unser Theater ist unter des Herrn von Könneritz Regierung zurückgekommen, hat seine Größen verloren, und wird sich hoffentlich nun wieder erholen. Gibt man denn in Kopenhagen die Afrikanerin? - Haben Sie schon Gräfin Yoldi-Coopmann begegnet? die sich ganz in Kopenhagen etabliert und ganz entzückt von dem dortigen Aufenthalt schreibt? Mir scheint ihr eigentliches Terrain ist nur Paris! -

Ich vermisse schmerzlich diesen Winter Sigwald Dahl der in Christiania bei seiner Schwester lebt. -

Gestern war Carus Geburtstag und wie immer verbrachten wir diesen Abend in interessanter Unterhaltung - mit Musik und Lektüre. Er ist ein Greis geworden, auch ihm haben die Verhältnisse seines Jahres zu Boden gedrückt.

Frau von Goethe bringt mit ihren Söhnen den Winter in Weimar zu, was der Großherzog so sehr wünschte und versammelt jeden Abend einen interessanten Kreis um sich. Sie hat mich dringend eingeladen, einige Zeit zu ihr nach Weimar zu kommen. Der Großherzog,mit welchem ich in fortwährendem Briefwechsel stehe, fordert mich auch wahrhaft herzlich dazu auf - wenn es meine Gesundheit erlaubt, welche leider im Winter schlecht bestellt ist, da mich Tag und Nacht der böse Husten quält, denke ich Anfang März - nach dem Karneval, auf 14 Tage dahin zu reisen, und werde alle Aufträge von Ihnen an den lieben Großherzog der in dieser schweren politischen Zeit stets würdevoll dagestanden hat - bestellen.

Wie freue ich mich, nach so langer, langer Zeit, einmal wieder ein Buch von Ihnen zu erblicken. Ein Dichter sollte sich durch nichts abhalten lassen, mit dem Publikum zu verkehren, sich demselben nicht entfremden. Die arme Clara wird wohl die Krankheit ihrer Tante geerbt haben und contract für die Lebenszeit bleiben, fürchtet den Arzt, sie kann zum Glück dabei arbeiten und trägt mit bewundernswürdiger Ergebung ihr Geschick! -

Die arme Hofrätin Falkenstein hat ihre Tochter Hedwig,die so glücklich verheiratet war,verloren.Auch meiner Clementine Schwester früher Hofdame der Prinzessin Auguste, starb vor 4 Wochen am Gehirnschlag.

In Treue mit unvergeßlicher Erinnerung für alle schönen Stunden, die Sie mir schufen, grüßt Sie Ihre Fr.Serre

[Randnotiz:] Ach, wie traurig, daß ein Blatt nach dem andern von dem Baum unsers Zuhause fällt und immer einsamer unser Weg wird.- Gott schütze und erhalte Sie. Lockwitz ist verkauft an einen Russen-Kappherr genannt.

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