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Brev fra H.C. Andersen til Ludwig Tieck 8. april 1835

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Dato: 8. april 1835
Fra: H.C. Andersen   Til: Ludwig Tieck
Sprog: tysk.

Kopenhagen 8 April 1835

Lieber Herr Hofrath

Ob Sie noch meiner Gedenken? Ob Sie noch einer jungen dänischen Dichter gedenken, der nur einigen Sommer mit einem Brief von Ingemann bei Ihnen war, und ein Kleiner Heftchen seiner eigenen Gedichte: Phantasier og Skizzer, überbrachte. Ich hörte Sie 2 Stücke von Schackspear vorlesen, Sie erzeigte mir eine Freundlichkeit und Gute, die meine Herz an Sie band. Dies war mein erste Ausflucht in die Welt. Nachher habe ich eine grösere Reise gemacht. Unser König gab mir anfangs 1833 ein Stiependium um Deutchland, Frankreich, Schweiz und Italien zu bereisen. Diese Reise ist jetzt vollbracht und ich bin wieder in Dänemark. Als ich vorigen Sommer über Dresden zurürck reiste, war mein erster Besuch bei Ihnen, allein Sie waren im Bade. Ich sprach Ihre jüngste Tochter, und bat Ihnen meinen Gruss zu überbringen. Ich sollte das Ausland besuchen, um mein poetisches Talent weiter zu entwickeln; ob das Ziel erreicht ist, wird die Zeit lehren; für mich war die Reise jedensfalls besonders anziehend. In Paris wohnte ich dem Julifeste bei; und sah die Napoleons-Statue entschleiern. In der Schweitz war ich bei der Weinlese, ich bereiste die schöne Küste von Genua nach Livorno, erreichte Rom eben als Raphael zum zweiten Mal begraben wurde, sah das Karneval und Girandola und endlich einen glänenzden Ausbruch des Vesuvs; ich kann wohl sagen, das bunte Leben in Italien, die grossartigen Schönheiten der Natur ergriffen meine Sellen, und den Eindruck davon habe ich in meinem Roman "Improvisatoren" veranschaulicht, der bekante Novellendichter Kruse, hat ihn schon deutsch übersetzt, und ich schick Ihnen ein Exemplar seiner Übersetzung. Möchte es mir einen vorteilhaftigen Begriff von meiner poetischen Natur in Ihnen erwecken. Ein liebvoller Handdruck Ihrerseis wird meine grösste Aufmunterung sein.

Ihr herzlich ergebener

H. C. Andersen

ich wohne in Kopenhagen Nyhavn No 280

Dem Dichter Ludwig Tieck in Dresden

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