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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 22. april 1845

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Dato: 22. april 1845
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

am 22 sten April 1845

[Poststempel Dresden 7. Mai und Titelseite mit zerstörter Elbbrücke Dresden durch Eisgang am 31. März 1845]

Mein bester Herr Andersen!

Ein Brief von Ihnen ist immer wie Gebirgsluft,so frisch und erquicklich !Unser lieber Hofrat Falkenstein brachte mir den Ihrigen mit Thorvaldsens Biographie.Ich konnte Sie sehen; denn man schickt mir sogleich alles, was von Ihnen erscheint, aber Sie hatten dabei meiner gedacht - ich sah die lieben Züge Ihrer Hand darauf und freute mich und danke Ihnen von Herzen dafür! - Sie ist einfach und wahr,nur vermißt man darin, daß Sie der Familie Pult in Rom nicht erwähnt, welche so viel für Thorvaldsen getan-und zu denen Mitglied er sich dort zählen müßte!-

Hier oben sehen Sie unsere arme zerstörte Brücke!So versank der Anbau mit dem Kruzifix in der Flut. Seit 2 Tagen ist der 3te Pfeiler von dem Zerstörten aus so stark beschädigt, daß er jeden Augenblick unterzusinken droht. Keine Passage ist mehr erlaubt. Man fährt mit Gondeln,Kähnen und dem Dampfschiff über und hat eine Schiffbrücke gebaut. Die Reparatur der Brücke wird den ganzen Sommer dauern, da von dem Eisgang beinahe alle Pfeiler beschädigt sind. Es ist ein trauriger Anblick,wie eine stumme Leiche,diese einsame, verödete Brücke!- Entsetzen erregend hat die überschwemmung auf den Kirchhöfen gewühlt,in den Grüften die Särge zerweicht, so daß die Leichen darinnen herumschwimmen. Gestern war zum Besten der überschwemmten ein Konzert,worinnen die jungen Damen der Haute volée spielten,16 Personen auf 8 Klavieren eine Piece von Cerny.

Die Gräfin Hahn wohnt in Dresden seit 3 Wochen, bleibt hier und hat für 6 Jahre ein Quartier genommen. Ich las ihr einige Stellen aus Ihrem Brief vor. Sie freut sich ungemein der Idee, daß Sie nächsten Winter hier einige Zeit zubringen wollen! - Sie werden sich gefallen, treue Anhänger und Verehrer finden, kleine Kreise von interessanten Männern und Frauen und Hof und Haute volle,was Sie wollen zu Ihrer Unterhaltung, Soireen und Bauts im Überfluß!

Könnten Sie mir nicht ein Exemplar IhrestMulattenl schicken? - Ich möchte es selbst Lüttichaus mitteilen. Hofrat Winkler hat es zurückgeschickt, ohne daß Lüttichaus es kennen gelernt. Ich lese es einen Abend dort vor: - Vielleicht macht es sich doch mit der Aufführung!

"Tina" von Ohlenschläger - wird so bald noch nicht gegeben. Die besten Schauspieler sind auf Urlaub, vor Herbst ist kaum daran zu denken.

Denken Sie, ich habe Patenstelle getan bei der Hofrätin Falkenstein kleinen Sohn, am 1sten März geboren und soll es wieder bei Madam Siegels kleinen Sohn, der am 28 sten April zu meinem Geburtstag getauft wird. Sie grüßt Sie herzlichst. Herr von Ramberg ist am Weihnachten nach Prag gereist. - Seitdem hat er kein Lebenszeichen wieder von sich gegeben. Kohl wohnt in Kreischa und kommt alle Sonntage zur Stadt, wo bei uns mit verteilten Rollen Schauspiele von Calderon und Shakespeare gelesen werden. Kohl schreibt jetzt über die Bauern und Landleute von Kreischa, der Umgegend und überhaupt Sachsens! -und arbei tet an einem größeren literarischen Werke "Psyche".

Die Gräfin Hahn sagte mir, sie hätte gestern einen Brief von Frieda Bremer erhalten, mit der Nachricht, sie verreise nächstens nach Amerika. Könnten Sie mir wohl eine Handschrift von ihr verschaffen?

Unsere Pläne für den Sommer sind folgende: Im Juli gehe ich nach Marienbad, Serre nach Aachen, dann hole ich ihn in Begleitung Frau von Bardelebens, die Sie bei Savignys sahen, ab und wir besuchen Belgien,gehen nach Paris, vielleicht nach London und im November zurück. Doch was sind des Menschen Pläne? - Wie eine Seifenblase zerstört durch den kleinsten Hauch! - Auf Ihr Stück "Die Glücksblume" bin ich sehr gespannt! - Noch habe ich Hofrat Winkler nicht darüber gesprochen: Wir alle freuen uns auf Ihre neuen Märchen! Wohl trägt viel die Erzählungsart bei,solch großes Interesse einzuflößen,doch der Sinn darinnen ist so tief und herrlich! und das Gewand ist nur die Rinde ihres Kerns!

Sehen Sie meine Moltkes zuweilen, die Italienischen? Ich grüße die Baronesse Stampe und ihre Familie und werde nächstens schreiben!

Randnotizen: Ich weiß, daß ein Stück nicht mitgeteilt werden darf, bevor es in Szene gesetzt und richtete mich danach! Das neue Buch der Gräfin Hahn Die beiden Frauen gefällt nicht allgemein. Allgemeines Aufsehen in der neueren Literatur machen jetzt "Schwarzwälder Dorfgeschichten" von Berthold Auerbach. Den 26ten ziehe ich nach Maxen! Mein Mann trägt mir viel Herzliches an Sie auf. In dem Kranze meiner Lebensblüten gehört Ihre liebe Erscheinung!

Fr.Serre

Ich sende Ihnen ein kleines Sonnett, meine Empfindungen beim Erwachen des Frühlings!

Sonnett im Frühjahr,

22.April 1845

Nicht länger hält ich meiner Sehnsucht Augel,

Es zieht mich hin, wo meine Heimat ist,

Hin zur Natur - der sich mein Herz erschließt

Zum stillen Dorf,zu Euch Ihr grünen Hügel

Umfächelt von des Frühlings sanften Flügel

Erreicht vom Licht, das zarte Knospen küßt -

Sah ich das Veilchen blühn,das in der meinen Flur

Sah in der Quelle ich des Himmels klaren Spiegel.

Schon trinken Blütenhauch die heitren Lüfte

Laut zwitschert, flötet, jubelt neues Leben

Und meine Brust durchklärt Wonnebeben.

Ach Mancher weint an seiner Lieben Grüfte

denn jegliches Gefühl wird regen in dem Herzen

der Frühling ruft die Lust, - er weckt die Schmerzen!


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