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Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 21. marts 1843

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Dato: 21. marts 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Paris 21 Marts 1843.

Verehrte Frau von Eisendecher!

Es war liebreich und schön von Ihnen, daß Sie an mich schreiben wollten; nicht Jeder folgt so dem guten Triebe des Gefühles; nehmen Sie meinen innigsten Dank dafür; Sie haben mich sehr beglückt. Leider habe ich gar kein Talent für fremde Sprachen, keine Übung im Deutsch schreiben, wie Sie schon selbst erkennen werden; ich bin wie ein Vöglein ohne Flügel wenn ich in einer fremden Sprache auftreten muß. Sie verstehen aber nicht das Dänische, ich muß also Deutsch schreiben.

Ich saß am Morgen ganz allein auf meiner Stube hier in Paris, und dachte an meine Freunde in der Heimath; ich sehnte mich nach Briefen, da kam der Ihrige, und ich war überrascht und froh. Die Milde, mit welcher Sie mich beurtheilen, die Gluth in Ihren Worten verdiene ich gar nicht, ich muß ein groses Subtractionsstück machen, und dennoch wirft der Brief einen Sonnenschein in mein Herz; Anerkennung macht mich sonderbar weich und demüthig, erweckt in mir Angst, indem ich befürchte, daß ich die Stufe nie erreichen werden, die als die Aufgabe meines Lebens vor mir dasteht; unbillige Strenge und Mangel an Anerkennung machen mich stolz und übermuthig.

Wie froh würde ich gewesen, wenn ich Sie in Bremen getroffen und kennen gelernt hätte; wie gerne währe ich von da nach Oldenburg gefahren; jetz fürchte ich aber, daß meine Rückreise mich gar nicht in die Nähe von Oldenburg führt. Von Straßburg gehe ich grade nach Berlin, aber, so der liebe Gott will, und ich hoffe, er wird' es wohl, gehe ich bald wieder auf Reisen, und dann werde ich gewiß nach Oldenburg kommen um Sie und Ihren verehrten Mann zu begrüßen. Ihren Brief habe ich mehrere Male durchgelesen; könnte ich Ihnen nur Dänisch schreiben, ich würde Ihnen eine weit beßere und längere Antwort geben.

Ich bitte mir im voraus, die Erlaubniß aus, Ihnen, sobald mein letztes Werk: »Des Dichters Bazar«, im Deutschen erschienen ist, ein Exemplar zustellen zu dürfen; das Buch, glaube ich, ist meine beste Arbeit. Ich schreibe jetz ein großes dramatisches Gedicht: »Ahaswerus, der ewige Jude«, aber nicht für die Bühne. Victor Hugo, Marmie, Alexander Dumas sind hier in Paris mich sehr freundliche und gute [Menschen], heute Abend wird ich von Dumas eingeführt bei Rachel, ich freue mich!

Grüßen Sie Ihre Mutter und Ihren Gatten, und schreiben Sie noch einmal. Ich bleibe in Paris bis zum Sten Mai. Leben Sie wohl und heiter!

Ihr ganz ergebener

H. C. Andersen

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