H.C. Andersen-centret ved Syddansk Universitet. Hjemmesiden er en base for forskning, tekster og information om og af H.C. Andersen. Man kan finde materialer om (nøgleordene) eventyr, forfatter, litteratur, børnelitteratur, børnebøger, undervisning, studie, Victor Borge, HC Andersen, H. C. Andersen, liv, værk, tidstavle og biografi, citater, drømme, FAQ, oversættelse, bibliografi, anmeldelser, quiz, børnetegninger, 2005 og manuskripter
The Hans Christian Andersen Center

Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 4. juli 1843

Hop forbi menu og nyheder

Dato: 4. juli 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Langensöe in Fynen d. 4 Juli 1843.

Endlich kamm Ihr lieber Brief, ich war sehr unruhig, denn ich fürgtede daß meine Schreiben aus Breitenburg war verloren gegangen, und Sie immer ein Brief von mir erwartete. Mein Aufenthalt in Kopenhagen dauerte nur etliche Thage, ich fuhr' nach Sorö und da, bei der Dichter Ingemann im Besuch, bekamm ich Ihre liebe Brief! Die Zeit ging so schnell, Spazirfahrten, Einladung wexelte, ich hatte gar keine Zeit um zu schreiben; drei Thage gingen wie Stunden; - jetz bin ich in Fünen, beym Baron Holsteen, jetz kan ich ungestöhrt an meine Freunden und Fremden denken, jetz kan ich schreiben, aber wie? Ich habe lange nicht Deutsch gesprochen, immer Dänisch, wie wird es gehen mit der Deutsch schreiben; doch Sie will es enträthseln, nicht war? /

Den 13 Juni fuhr ich ab von Breitenburg nach Kiel, der berühmte Pjanist Ernst kam grade den nehmliche Abend auch da hin, er kam aus Kopenhagen; ich möchte ihn kennen lernen, aber wie? Ich fürgtede das der Geiger gar nicht meine Nahmen gehört hätte, und ich mochte nicht, als ein ganz U nbekanter, mich selbst introduciren; darum suchte ich ihm gar nicht, aber nächste Thag da ich schon war im Dampfschif und die Ketten waren los gemacht, das Schiff im Abgehen, kamm ein Fremder gelaufen und rufte mich freundlich an vom Ufer, es war Ernst; das Schiff ging schnell: »gutten Thag und Lebewohl, grüßen Sie zu Hauß!« war unsere ganze Gespräch; wir kennen jetz einander ohne Begegnung auf dem nehmlichen Boden. Es kam mich vor, als ein poetischer Nachgruß des lieben Deutschlands, wo man ist freundlich, und gut den fremden Sänger. Mein Hertz klopfte und still hatt es gesungen Lebewohl mein zweiten Vaterland - jetz geht es gegen Norden, der kalte Norden. Es war sehr stürmisch, die Wellen gingen; ich lag des Nachts krank danieder, ich konnte gar nicht aufstehen früher als am 10 Uhr nächste Morgen, da das Schiff lag vor Kopenhagen. Die Sonne scheint so warmt und milde, die Küste sehen so grün und festlich aus, ein Sohn des Conferentsrath Collin kam ambord und nach eine halbe Stunde war ich zu Hauß beym Collins ! Das war eine Freude, ich fühlte mich wohl in der Heimath, wohl bey meinen warm, herzgeliebten Freunden. /

In der Stadt kam alle Leute so munter und gutmütig und begrüßte mich, der Thag nachher, fuhr ich auf dem Lande um die Frau Drewsen zu besuchen, die inniggeliebte Schwester; wir sprachen sehr viel von Oldenburg, von Sie; ich mußte eine genaue Schilderung geben von Ihnen, Ihren Mann und das ganze Haus im Gartenstrase! Die Drewsen schätz Sie wie eine Schwester versteht das zu schätzen, das war einen geliebten Bruder gut und liebevoll. Nur sex Thage bin ich in Kopenhagen gewesen, dann fuhr ich nach Sorö, das klosterstille Sorö, wo der liebenswürdige Dichter Ingemann lebt. /

Hier im Waldeinsamkeit bekam ich, wie gesagt, Ihre lieben Brief, er trug mich wie ein Schwanenfittig nach das freundliche Oldenburg! mehrmahls habe ich es durchgelesen, Danck, mein innigste Danck für al ihre schwesterliche Gütte für mich. Drücken Sie die Hand ihres Mannes der Herzlichkeit wegen mit der er spricht von mir, ich bin gar nicht so gut, als er und die lieben Menschen da beym ersten Begegnen, mir aufgefast hatten; Sie sagen, daß mein Besuch war zu kurz, ich fühle daß nehmliche, aber dencke dann auch, war ich länger geblieben, Sie und Ihren Gemahl waren warlich müde geworden von mir. Es steht mir wie ein schöner Traum, ein Glanz-Punkt meines Lebens; unsere Bekanntschaft ist mir eine wahre und trostende Beweiß, das ich habe Annerkennung, das ich eine wahre Dichter bin. /

0 Sie kennen nicht was ich habe gelitten wenn harte Critikken, wenn Zweifel in mein Seele entstand, daß ich war nichts, gar nichts, nur ein träumende Thor. 0, ich kann es nicht so in einer fremden Sprache aussprechen! Ihre Huldigung trit neben die, welche die Studenten in Schweden mir darboten, die Serenade Schwedens junge Leute mich darbrachte; - ich fühl es wohl, ich werde überschätz im Auslande, grade so viel, wie ich werde nicht erkannt im Vaterlande. - Im Brief berüren Sie ein Par Saiten des Herzes, Saiten die volltönigen klingen in meinen Gedichten, die ganze Melodie trit hervor in die Vaudeville: Scheiden und Wiedersehen, einmahl werden wohl diese Sachen ins Deutsch uebersetz, dann können Sie lesen; das Capittel in Bazar - nun, dieß Pflanze ist noch so frisch, sie muß versteinert werden, dann kann ich sie presentiren, jets noch nicht.

In Sorö laß ich ein Critik von Heiberg ueber mich, geschrieben da ich war im Auslande, er rühmt alle die dänischen Poeten, nur nicht mich, er sagt ungefähr ich habe keine Erfindung, (ich weis von H. selbst daß er noch nicht meine Romane gelesen hat); meine Lyrik ist falsch, meine Gedanken nicht gebildet nicht klar; Alles fehl mir ein Dichter unsere Zeit zu seyn. Heibergs Wort steht in Dänemarck wie ein Stimme des Gottes, das Wort von Heiberg ist ein Siegel der Wahrheit, Sie sehen dann wie es bey ein großen Poeten stehen kann mit meinen Sachen; ich muß bös auf Ihm sein, ich kann nicht anders, denn sonst wollen alle Leute glauben das ich fürgte ihn, das ich bin ein Kind; ich fürchte im nicht, aber es ist mir peinlich das ich ihm böß sein muß, er ist für mich ein wahre Dichter, ich schetze Ihm.! Aber im Himmel, hoffe ich, wollen wir ueber unsere jetzige Zangen lachen, aber bis da -? Er ist kalt, eiskalt, - nicht Dichter mit Herz!

Doch nicht mehr davon, ich muß frieren wenn ich darann dencke, und jetz haben wir Sommer, schönen Sommer hier im Lande! Langensöe, wo ich jetz verweile, ist ein herliehe Ort; das Schloß liegt im Walde bei einen stillen Binnensee! Die Buchen und Eichen hängen mit ihren Ästen ins Waserspiegel wo ein Menge Schwänen schwimmen. Apropos, das Märchen »Swanenjungen« ist jetz beendiget, ich schicke es nächsten an Weddersöe, er hat vieleich jetz den letzte Band der Märchen; das Buch ist so gar gekommen mit der Briefpost; sagen Sie doch ihm wie das ist zugegangen. Vorgestern fuhr ich ein Spazierfahrt nach Snoghöi in Jütland, ich nahm die Paquet mit, aber das Posthaus war verschlossen, ich kam wieder hieher und gab das Buch gestern an einen Bauer, mit Ordre das er nach Odense fahren sollte und dieses auf dem Post ablievern; der dumme Kerl gab die'Paquete mit die Märchen auf den Briefpost, es kostede sehr viel, aber nun ist es einmahl so und ich hoffe nur das Hr Weddersöe noch keine Ausgabe haben soll. Grüsen Sie ihm freundlich und bitten daß er so bald wie möglich gibt die drei erste Erzahlungen (ins Deutsch) an den Hern Speckter in Hamburg der wie Sie wissen macht Bilder für diese Ausgabe. Diese drei neusten Märchen sind: Das kleine Meerweib, der Schwanenjunge und die Störche. Sagen Sie dem Kammerhern das er für Sie und Ihre Gemahl lesen soll: die wilde Schwänen, Gänseblümchen und Paradisgarten, ich hoffe diese wollen Sie ansprechen.

Grüsen Sie auch der liebenswürdige J erndorff und sagen Sie ihm, daß ich mit Sehnsucht erwarte das Bild des Hauses im Gartenstraße, die Bewohnern da ihm Hause stehen wohllebendig in meinen Herz, aber ich mag auch gern ein körperlich Bild besitzen. Mayer, Kobbe, Stahr alle meine Freunde bitte.

ich sehr zu grüßen, vergessen Sie doch nicht die beide Damen, die war bei uns am letzten Abend in Oldenburg. - Der allerkleinste Herr im Hause, er der hat mich gut verstanden obschon ich sprach: »ganz sonderbar«, grüße ich manchmal, aber am meisten den lieben, lieben Herrn Hofrath, ich kann mich nicht recht so ins Deutsch aussprechen, aber mein Gedancke ist in diesem Augenblich bei ihm, ich drücke seiner Hand, ich schaue ihm Auge im Auge - und wir verstehen uns! 0 grusen Sie, grüsen Sie!

Sonabend gehe ich mit die Familie Holsteen nach ihre zweite Gutt: Holsteenshaus und von da nach Glorup wo der alte Graf Moltke lebt, hier habe ich Ruhe, und kan vierte Act des Ahasverus beendigen. Unser König und die Königinn gehen bald nach Bregentwed im Besuch beym Finantsminister Moltke und dan nach die Seebäder auf Föhr; ich bin auch eingeladet nach Bregentwed, aber ich komme erst später, wenn der König und die Königinn sind abgereist, dann verweile ich auf Bregentwed bis Mitte August &und kommt wieder nach Kopenhagen; aber Sie schreiben mir bald wieder, das Brief geht wie das letzte nach Kopenhagen an Collin. Sagen Sie Ihre Frau Mutter in Bremen wie ich sehr bedaure daß ich so kurz da warr, das ich hoffe einmal wiederkommen können und ein langen Besuch abstaten. - Ich dancke sehr für die zwei gedruckte Aufsätze aus die Zeitungen, aber das war so viel, doch, es soll mich nicht verderben.

Lebewohl! gedenken Sie meiner! Der gute Gott im Himmel, er will es vergelten an Sie und an die Kinder, das Sie mir so gütig ist, mir so viel Sonnenschein ins Herz hineingegossen hat, Sie representirt die gute Stimmung für mich in das liebe Deutschland! Gott segne Sie mit wahre brüderliche Sinn und Gedancke

Ihr

H. C. Andersen.

Tekst fra: Se tilknyttet bibliografipost