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Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 28. oktober 1843

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Dato: 28. oktober 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: dansk.

Kopenhagen 28 October 1843

Endlich kam ein Brief! Wie froh bin ich! - aber Sie sind krank gewesen, so was habe ich gar nicht gedacht! Sind Sie jetzt wieder wohl! Schreiben Sie doch bald! ich glaubte Sie war auf Reisen, am wenigsten nach Bremen gegangen, und sehr beschäftiget so daß Sie nicht schreiben konnte! - Ich habe so gesehnt, aber nie gezweifelt an Ihre wahre Freundschaft für mich! Ich war nie, wie Sie schreiben: »rechte böse«. Ich glaube an Ihnen und an ihren lieben Gemahl! Sie sind beide täglich in /

meinen Gedanken, und so bleiben Sie immer! 0, wenn ich in Dänisch schreiben könnte, ich sollte mich weit besser ausdrücken! es geht so schlecht mit das Deutsche, ich schäme mich! ja Sie sehen mein Zutrauen an Ihnen, daß ich so, grade aus, eine deutschen Brief schreibe; Gott, wie wollen Fremden lachen, wenn sie so was lesen konnte, doch ich schreibe nur so, an Ihnen! Ihren lieben Brief habe ich mehr mahls durchgelesen und dann war ich immer in Oldenburg, in das weiß Haus im Grünen, es war Sonnenschein, ich kenne es nur so. /

Bei uns ist jetz naß und neblich, jeden Tag das nehmliche Einerlei, doch September hat Märchentage in meinem Leben gebracht und später neue Märchen für die Lesewelt. Freulein Jenny Lind, die erste Sängerinn in Schweden war bei uns in Kopenhagen; sie trat auf als Alice in Robert der Teufel, und machte Furore; bei uns ist es etwas neues das Hervorruffen, das Werfen mit Blumen, aber hier mußte es so sein! Grisi und Malibran stehen jeder, als Sängerinn, etwas höher als Jenny Lind, obschon sie gehört die nehmliche Reihe, aber als Schauspielerinn steht sie ueber alle beide; sie ist 22 Jahr, nicht hübsch, aber wenn sie singt kommt Geist und Seele ins Gesicht, sie wird weit mehr als schön; sie ist Natur, die wahre, heilige Natur, ein Kind das nicht seine Stärke kennt. Sie hat auch eine Konzert gegeben, und schwedische Volkslieder gesungen, aber so, daß man jubiliren und weinen mußte! nein, so was habe ich nie gehört, sie war nicht mehr die Sängerinnn, sie war die Muse des Gesanges, ein Kind, schön und liebevol. /

Der letzte Abend, sie war in Kopenhagen, kam 3 bis 400 Studenten mit Fackeln und gab die große Künstlerinn eine Serenade, sie war wie eine ideale Cenerentola, sie weinte wie ein Kind; der Morgen nachher, schon um 4 Uhr, nahm sie ganz allein das Dampschiff und ging wieder nach Schweden. Ich war des Abends bei die Lind, ich war des Morgens auf das Dampschiff, und brachte das letzte Lebewohl. Sie wissen, ich bin in Schweden ein von die Lieblings Schriftstellern, und grade, am meisten geschätzt von Jenny Lind, mit offenen kindlichen Herz trat sie mir entgegen, ja es klingt sonderbar zusagen, aber sie, die Gefeierte, schaute mich an, wie etwas Großes, und meine Huldigung machte sie heiter und froh! wir waren jeden Tag zusammen! Sie war mich so gut, - und habe ich gedacht das ich wieder lieben konnte, aber es war beinahe das ich liebte, ich der arme, der alte - 0 Gott! - aber, ich habe es nicht heraus gesprochen, es konnte nicht recht sein und ich liebte nicht!

Sie ist weg, sie ist mein - Freundinn und - versprochen, ich weis es, ich habe es aus Schweden gehört! Das war ein Traum, ein Märchen, und darum habe ich sex neue Märchen geschrieben, und ich glaube, volle von Duft und Leben; vier sind schon gedruckt, das Büchlein kommt heraus nächste Woche, es ist: Der Engel, - die Nachtigall, - Die Geliebte und - der häsliche Ente-junge! (ja wie heis das ins Deutsch, es ist das Kind eine Ente, aber maskulinum) - die Märchen sind gar nicht sentimentale, nein, in keiner von die Märchen die ich geschrieben hat, ist mehr Laune und lustiger Sinn als grade in diese drei letzte. »Der häsliche Ente-Junge«, ist schon nach Hamburg gegangen und wird ins Deutsch uebersetz, das Märchen wird aufgenommen in ein Auswahl von Märchen das kommt heraus, vieleicht zu Weihnachten, meine Biographie, mit Portrait nach ein Daguerrotyp kommt auch, ich schicke Alles an Ihnen. JennyLind ist wieder in Stockholm, und beliebt von Hoff und Stadt, sie hat Blumen bekommen - ich, bin einsam in der Heimath, giebt Märchen, der bald von Heiberg und Konsorten recensirt wird. Wie gesagt 4 Märchen sind schon gedruckt aber noch habe ich ins Manuscript zwei neue: Der Spiegel des Teufels undHollunder-Mütterchen, es ist eine Volksglaube in Dänemark, daß in Hollunder-Baum, wohnt eine alte Mütterchen, so eine Dryade. In »Der Spiegel« wird erzählt, daß der Teuffel war sehr froh, er hatte eine neue Erfindung gemacht, ein Spiegel, Alles was sich darin abspiegelte, stand als Karicatur, oder so, daß das Schöne kroch zusammen, wie gar nichts, und das Häsliche, oder Fehlhaftige, trat recht leb endigt hervor! Ging eine gute Gedanke durch das Brust des Menschen, da kamm ein Lachen ueber das Spiegel, so es zitterte; der Spiegel kam in der ganze Wellt herum, jetz wollte der Teuffel er sollte auch nach der Himmel gebracht werden, aber wie er kamm höher und höher, lacht er so, das er sprang der Teuffel auf die Hände, stürtzte herunter und zerbrach in Millionen kleinen Körner, welche sprangen die Menschen in die Augen oder in das Herz, wo es kamm ins Herzen, da stand Alles lächerlich für die Leute, aber wo es kam ins Auge, ging das Schöne verloren und mann hatte nur Sinn für die Fehler, für das Mangelhaftige. Dies Märchen blüht hervor mit Laub und Blumen, und jede Blume gieb Beispielen; verstehen Sie daß? Ich kann es nicht so ins Deutsch ausmahlen und erklären.

Im Verlag von M. Semion in Berlin, hat Gustav Nieritz ein Buch: Naomi und Christian oder der arme Geiger, herausgegeben, besonders abgedruckt aus der Jugend-Bibliothek; aber es ist mein Roman: Nur ein Geiger, erste Theil giebt es Wort für Wort, die zwei letzte Theile abgekürtz und den Beschluß verändert, ganz hager und abesmacht; es thut mir leid, aber so was muß man erdulden, doch daß er mich als der Verfasser gar nicht nennt, ist Unrecht, und ich bitte Sie, daß Ihre Gemahl, erzählte es an Kobbe, er schreibt dann vieleich etwas darüber; Hr. Nieritz hat das Buch herausgegeben als ob er war der Verfasser, ueber mich, oder »nur ein Geiger«, steht kein Wort.

Danken Sie der liebe Kobbe, er hat mich ein Buch gegeben, schreibt aus Hamburg der Dr: Lenz; aber das Buch ist noch nicht arivirt nach Kopenhagen, so bald es geschiet schreibe ich an Kobbe und will einen Danckabstaten. An Wederkopp hab ich ein Packet mit Büchern expedirt, ich dencke die sind alle angekommen, und ich hoffe er hat bald zwei von die Märchen übersetz, sagen Sie Ihm doch freundlichst, daß er das Manuschript nach Düsseldorff absende, an den Hernn Buddeus, (die große Kunsthandlung in Düsseldorff).

Oehlenschläger hat ein Lustspiel Garrik geschrieben und auch ein Tragödie: Erik Glipping. Hauch giebt eine neue Romane heraus, der Scene ist in Kopenhagen. Christian Winther hat uns vier neue Erzählungen geschenkt und Holst: Novellen aus Sicilien. Bournonville componirt eine neue Ballet: Rafael d'Urbino, und Hartmann »neue Lieder«; den Text habe ich geschrieben. /

Mein Freund der Komponist Gade, ist nach Leipzig gegangen wo er lebt und componirt mit Mendelssohn, der lieb ihn sehr; eine Musik für mein Drama: Agnete und der Meermann, wird jetz gedruckt, ich schicke diese, und noch mehre Musik, an Ihnen. Die Mdms: Bremer, ein Schriftstellerinn in Stockholm, hat mir neulich eine lange Brief geschrieben, Sie gibt bald heraus eine neue Buch: »Tagebuch« genannt; Sie wünscht daß ich Sie nächste Sommer besuchen soll, Gott weis! Ich glaube nicht es geht gen Norden! /

Die alte Frau Collin war die letzte Jahren taub und blind, bedenken Sie nur, wie schrecklich! sie ist jetz operirt und die Operation ist gelungen, sie ist heiter und glücklich, wie Sie denken können; die Frau Drewsen liegt immer krank von Gesichts Schmerzen, aber sie bleibt bei guter Laune und sagt sehr vieles Spaßhaftiges.

Grüsen Sie Ihren lieben Gemal, sagen Sie Ihm das ich bin jetz im vierten Abtheilung des Ahasverus: America ist grade jetz entdeckt! - Gieb der kleine Herr ein Kuß und sagen Sie . Ihm ich komme auch einmal nach Oldenhurg auf dem Pferd mit die Flügeln.

In Dresden ist erster Band: das Album der Tiedge-Stiftung herausgekommen, ich bin der einzige Fremde der hat Beitrag gegeben und ich bin stolz auf die Ehr, nur wolte ich gerne das man geschrieben hatte, ich war ein Däne und nicht wie es da steht, ein Schwede, der wird genannt H. L. Andersen. Ich glaube mein Gedicht, das auch ins Dänisch abgedruckt ist, ist gut wiedergegeben: Sternau hat es uebersetz: so klingt es.

Des Dichters letztes Lied

1.

Du starker Tod führ mich hinan

Zum Geisterlande droben!

Die mir von Gott gewies'ne Bahn

Zog ich, die Stirn erhoben;

Was ich gegeben, Gott, war dein,

Mein Reichthum war mein Träumen,

Nur wenig that ich, - sang darein,

Wie Vöglein auf den Bäumen.

2.

Leb wohl, du Rose frisch und roth,

Leb wohl, ihr meine Lieben,

Führ' mich hinan, du starker Tod,

Obgleich ich gern geblieben.

Hab Dank, 0 Gott! Für all dein Gut,

Für alle künft'gen Zeiten,

Nun stürme Tod durch Zeitenfluth

Zu ew' gen Sommerfreuden!

Etwas ist doch nicht recht, ich singe nicht: »Mein Reichthum ist mein Träumen«, aber »Mein Reichthum hab ich nicht gewußt« - daß glaube ich ist besser. - Grüsen Sie so innig und herzlich den lieben Hofrath! er konnte auch, so freundlich sein, ein Par Zeilen in Ihren lieben Brief hineinzuschreiben! Grüsen Sie auch die Mutter in Bremen, ich hoffe wohl ich sehe Sie wieder, spreche mit Sie! Alle die Damen in Oldenburg, das war bei Ihnen des Sommers, und auch die Herren grüsen Sie; wie geht es mit die kleine Skizze Jerndorff hat mir versprochen? /

Vorige Woche war für 21 Mahl auf unsere Bühne meine kleine Vaudeville: »Der Unsichtbare auf der Insel Sprogö« gegeben, das dumme Zeug spricht noch an. Mit Thorwaldsen bin ich sehr zusammen, er arbeitet jetz auf zwei colosalen Statuen: Herkules und Aeskulap, beide für das Schloß Christiansburg. - Das Museum naht sich seiner Volendung! - Aber nun lebe wohl; gedenken Sie meiner! - Nur an Sie schreibe ich so wie ich schreibe, es muß doch garstigt klingen für ein gebildete Deutscher, solche Wendungen, solche Schreibart, doch, laß sein, wenn Sie es nur enträtzlen können! Gott segne und [unleserlichJ, immer Ihre treu er, hingegebener Freund:

H. C. Andersen.

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