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Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 12. maj 1844

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Dato: 12. maj 1844
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Kopenhagen 12 Mai 1844.

Obschon ich mich mit jedem deutschen Briefe prostituirt, meine Gefühle, in dem fremden Gewandt ganz affectirt oder albern hervortreten, schreibe ich doch, lachen Sie nur immerhin über die Artikeln und die dumgramatikalischen Wendungen, aber zeigen Sie keinen, ohne den lieben Herr Gemahl, den Briefe, denn sonst - ja, ich schäme mich.

Der Frühling ist bei uns jetz eingetreten, mein Herz hat sich so sehr danach gesehnt, ich fühle mich nicht heiter, nicht glücklich, eine kleine Reise kann mich wohl thun; erst dachte ich nach Schweden zu gehen, da habe ich sehr viele Freunde, alle meine Schriften sind uebersetzt und ich habe weit mehr öffentlich Erkennung da gefunden als in Dänemark; in Stockholm lebt die Fräulein Bremer, meine gute Freundinn, in Stockholm singt die Jenny Lind, aber - - er ist noch da, im Anfang Juni kalt, wie bei uns in April, und ich will Sonne und Sommerlust, darum gehe ich nach Deutschland; vielleich bin ich am ersten Juni auf Breitenburg wo ich, möglich verweilt 14 Tage und dann fahre ich ueber Hamburg und Bremen nach Oldenburg, sind Sie und der liebe Herr Gemahl zu Hause, und wie lange bleiben Sie da! 0 ich bitte, daß Sie mir mit der umgehender Post ein Par Zeilen zuschreiben damit ich erfahren kann, wenn ich kommen muß und wie Sie geschrieben ha'ben, 14 Tage zu verweilen.

Thorwaldsen ist gestorben, wie Sie wissen; ich war grade mit ihm den letzten Mittag beim Baron Stampe; ich saß neben ihn rechts, und Öhlenschläger Iings, Thorwaldsen war ungewöhnlich lebhaft, sprach viel mit mir, so heiter, so lebensfroh, sprach ueber seine Reise nach Italien, wollte daß ich auch dahin mitgehen solte, drückte mit seiner warmen Hand die meinige, und - eine halbe Stunde nachher, war er gestorben, gestorben ins Theater, wohin ich nicht gehen wollte, denn man gab Greseldis, und das Stück mag ich gar nicht leiden, das ist ein Anschaun der Tortur. Noch während der Ouvertüre trat Thorwaldsen ins Theater, sprach freundlich mit dem Conferentsrath Collin, druckte seine Hand, nahm Platz und starb, die Ouvertüre war noch nicht beendiget. Erst der Morgen nachher hörte ich es und war sehr ergriffen, halb krank. Beym Begräbnißfeier habe ich für die Studenten ein »Schlafewohl« geschrieben, Hartmann hat dazu eine schöne Musik komponirt, ich bringe dies nach 0ldenburg, so auch mehre »Lieder«. Die Baronesse Stampe die immer wie eine Tochter fühlte für Thorwaldsen hat mir zum Andenken Thorwaldsens silberne Löffel gegeben und eine schöne Handzeignung; die Begräbnißfeier war großartig wie für ein König, mehrere von unsere junge Künstlern haben Zeignungen gemacht für »ilustrirte ZeitUng«, da kommt Alles, die Prosession, die Kerke etc.

Oehlenschläger ist auf Reisen, er ist schon in Berlin und geht dann ueber Dresden, Prag, Wien, München, die Rheinreise ueber Köln und Brüssel nach Paris; er will, glaube ich, daßseine Drama »Dina«, welche er hat ins Deutsch uebertragen, in Berlin gegeben werden soll, die Hagen giebt Dina.

Wenn ich deutsch schreiben muß an die lieben Freunde in Auslande, kommt es mir immer vor, als gabe ich die Lieben etwas Mixtur, und will dann augenblichlich gern ein bischen Sucker oder Frisches bringen, daß man die Mixtur vergessen soll, und darum suche ich immer eine Uebersetzung von meine Gedichte und schreibte diesen hierhin, so auch hier. Verstehen Sie! - 0, wenn Sie doch Dänisch lesen könnte, dann sollte ich schreiben, dann sollte ich mich ausdrücken konnen, sprekken, plaudern, erzehlen, aber jetz - ja! - ich bin prostituirt. Collins sind ganz ängstliich ueber meine deutsche Briefe an Sie.

Abenddämmerung

(nach H. C. Andersen)

Der Abend ist so ruhig, der Himmel ist so rein,

Es schlafen alle Blumen und alle Vögelein,

Sie nicken und sie träumen - 0, stört nicht ihre Lust!

Es regt sich eine Welt ja, selbst in der kleinsten Brust,

Im Traume schwingt die Lerche sich durch die freie Luft,

Was jedes Blümchen fühlet, es athmet aus ein Duft.

Die Welt mit ihren Welten, die ganze weite Welt

Und all' der Himmels Himmel mein Herz umschlossen hält!

Ich fühl' das Auge weinet, doch schwindelt's mir vor Lust;

Ich könnte jedes Wesen froh drücken an die Brust.

Sieh' all' die Sterne schimmern -! Der Abend ist vollbracht!

Laß nur die Stürme wehen, und kleiden schwarz die Nacht!

Schlaft süß und träumt, ihr Vögelein, träumt nur, ihr Blümelein,

Im Herzen ist so ruhig, - da ist der Himmel rein!

Sagen Sie mir wie ist das uebersetz? Aus St Goar habe ich Briefe bekommen, der liebe Dichter Ferdinand Freiligrath und seine Frau haben geschrieben, so warm, so innigt; sie wollen, warscheinlich für immer St Goar verlassen, und werden vor der Hand ein Bad besuchen, aber wißen noch nicht ganz gewiß welches. Frau Freiligrath schreibt: »Ich muß Ihnen noch erzählen, daß Ihre Wirthin hier im Gasthof zu Lillie«, (ich bin da nur 10 Minutten gewesen) - »so fra gewesen ist, Sie zu sehen; sie hat Sie immer im Stillen betrachtet, und allen Leuten erzählt, was Sie für schöne Augen hätten. Sie kannte nämlich alle Ihre Romane und interesirte sich deshalb so für Ihre Augen.« Es klingt mir so kurioses, ich mit die kleinen, todten Augen, ich glaube, die gute Frau Wirthin zur Lilie, hat nicht mich, aber ein ganz andere Person betrachtet, da sie die Leute so was erzählen könnte. -

Grüsen Sie innig und herzlich Ihren lieben Herr Gemahl, so auch der kleine Herr, mein guten Freund, der mich wohl erkennen will wenn ich komme; schreiben Sie doch die Adresse und der Nahme Ihre gnädige Frau Mutter in Bremen, daß ich eine Visitte abstatten könne! Leben Sie gesundt und froh und gedenken Sie Ihren wahren herzlich ergebenen

H. C. Andersen.

N.S.

Der schwedische Dichter Baron Adlersparre hat ein Buch wie des Dichters Bazar »Skizzer och Reseminner« geschrieben und an mir dedicirt, es ist Reise durch Dänemark, Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und Italien.

Die Schneeköniginn

Von H. C. Andersen, (uebersetz von Gähler)

Hell schimmert der Schnee auf Feldern und Flur,

Ein einsames Licht blinkt im Hüttchen dort nur.

Dort harret das Mädchen beim Lampenschein

Des Herzliebsten sein.

Still ist's in der Mühle, das Treibrad steht.

Nun glättet der Knappe sein Haar, und geht;

Drauf hüpfet er lustig, hei, eins, zwei, drei,

Am Mühlteich vorbei.

Froh singet er laut in den schneidenden Wind,

Von dem ihm die Wangen geröthet sind.

Die Schneeköniginn fährt über Wälder und Au

Auf Wolken grau.

»Wie schön bist Du doch bei des Schneelichtes Schein!

»Ich hab' dich erkoren zum Herzliebsten mein,

»Kom, folg mir auf schwimmender Insel von Schnee

»Deber Berge und See!«

Die Schneeflocken fallen so dick und so dicht;

»Mein Blumennetz fängt dich, 0 fliehe mich nicht!

»Dort stehet mein Brautbett, so schimmernd und fein

»Kom, schlumre nur ein!«

Nicht mehr blinkt im Hüttchen des Lichtes Schein,

Weiß wirbeln die Flocken im Ringelreihn.

Ein Sternchen blicht aus Wolchen heraus

Nun löschen sie's aus.

Hell scheinet die Sonne auf Felder und Wald.

Er schlummert im Brautbett, so eisig und kalt.

Dem Mädchen wird bange, zur Mühle sie geht,

Das Treibrad - - es steht! .

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