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Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 15. august 1844

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Dato: 15. august 1844
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

[Glorup auf Fühnen] ([ca. 15.8.]-5.9.1844)

Lieber Frau von Eisendecher!

Jetz bin ich wieder zuhause, wieder in der Heimath; ich bin auf Glorup, das Gut des Grafen Moltke in Fühnen; aus dem Geiger kennen Sie das Sloß, der arme Christian guckt durch die Fensterscheiben in die prägtigen Zimmern hinein. Drei Wochen, ohngefähr, bin ich in Dresden und seiner Umgebung gewesen, interessante Bekantschaften habe ich gemacht, mit Kohl, der hat die Reise nach Krim, und durch England, geschrieben, Gräfinn Hahn-Hahn, Brunow & habe ich gesehn. Die Hahn-Hahn hat mich nicht in Ihren Schriften recht angesprochen, ja sie war mich sogar unliebenswürdig, unweiblich, adelstolz und anmassend, aber jetz, da ich sie habe kennen lernen, ist sie mich lieb geworden; sie ist gar nicht so in die Wirklichkeit wie sie stand für mich in ihren Schriften, sie scheinen edel, weiblich, so wie sie auch bestirnt und geistreich ist; ich habe gesehen, da ich erzählte das Märchen von den häslichen Entelein, daß die Thränen rollte ueber ihren Wangen; sie war mich so freundlich und gut, sprach so innig und theilnehmend mit mir; für meine Album hat sie geschrieben, mit Anspielung auf die Märchen, und der Geiger welchen Roman sie stelt sehr hoch: »Der arme Geiger!« sagte sie, »dieser Mann in Norden, mit die Wolchen über sich!«; hier ist das Gedicht:

Andersen

Solch ein Gewimmel von Elfen und Feen,

Blumen und Genien im fröhlichen Scherz;

Aber darüber - viel geistige Wehen,

Aber darunter - ein trauriges Herz.

Die Hahn-Hahn ist jetz in Kiel bey Ihrer Bruder der Graf Hahn, sie hat mich gebetet daß ich ein Brief an sie schreiben sollte, und das, ohne weiter, in das nehmliche Kauderwelsche was ich schreibe an die Frau von Eisendecher, aber ich fürchte mich, es geht gar nicht. - Von allen Bekanntschaften in Dresden sprach mich am meisten an die mit Hahn-Hahn - Frau von Serre - und die alte Baroninn Decken, diese letzte alte Dame liebte mich wirklicht, wie eine Mutter, ich sahe Thränen in ihren Augen beym Abschied; 0, Sie können gar nicht glauben, wie gut das thut mich im Herzen, wie innig und dankbar ich biege mich an Gott, wann er mich so guten Menschen begegnen lassen, wie tief ich fühle, daß ich höre, zu die glücklichen auf Erden!

Ich kam aus Dresden nach Leipzig, am interessantesten da, war des Abends beym Robert Schumann, er arangirte Alles so schön für mich, die Frau von Freghe, früher die berümte Sängerinn, war eingeladen, sie sang meine Romanzen componirt von Schumann, die Klara (die geborene Wiek) spielte, nachher hörte ich mehrere Stellen aus Schumanns letzte Komposition »Paradies und Peri«; die Champagner sprudelte, es war ein Künstler-Abend. Schon in Dresden hatte ich Brief bekommen von Prutz der Dichter, er lebt in Halle und ist beschäftiget mit die Gesammt Ausgabe Holbergs Lustspiel, ueber diese wollte er mit mir sprechen und ich ging nach Halle und verlebte zwei schöne Tage da. /

Nach Berlin kam ich grade der Tag vor dem abscheuliche Attentat gegen den König; er reiste ab, ich sah ihm nicht, aber Tieck, der Dichter erzählte mich, daß der König und die Königinn, neulich sehr lange mit ihm ueber mich und »der Geiger« gesprochen hatte, sie sollen mich sehr freundlich gesinnt seyn. Im Hause beym Minister Savigny habe ich Bekanntschaft gemacht mit die Bettine, sie ist die Schwester Frau von Savignys. Schon der erste Abend in Berlin war ich da eingeladen, die Töchtern Bettines, drei bildschöne Mädchens, meine innige Verehrerinnen, flogen mir entgegen, »die Mama, kommt heut Abend!« sagte sie; »meine Schwester hat es versprochen« sagte die Frau von Savigny, »aber sie ist etwas eigen, sie kommt selten bey uns, der Gesellschafts wegen«.

Endlich kam die Bettine - aber nur vor dem Thüre, sie wollte nich hinauf, da so viele Leute da war, und fuhr wieder zuhauß aber der künftige Abend, versprach sie, sie wollte wiederkommen; ich war eingeladen. Die Bettine kam, sie ist klein, etwas dich, kurze abgesnittene Haaren, ganz eigenthümlich, aber ein geistiges Auge, die Töchtern führte uns zusammen, und sprach gar so starke Lobreden ueber mich, und machte immer Fragen: »Mutter, was sagst du, nicht wahr, er spricht Dich an, wie findest du ihn! « - Die Bettine schaute mich an: »0 passabelt!« war ihr einzige Wort; sie nahm Platz in die Ecke, weit von uns, endlich nickte sie mich freundlich an: Andersen erzähle mich ein Märchen, und ich erzählte, drei, vier, sex, immer mehr, daß ganze Geselschafft hörte zu, der Prinds von Würtemberg war auch da, es ging wirklich gar nicht so schlecht mit das Erzählen, da hatte ich auch mehre Uebung erworben; der Abend war so schön, wir gingen zuhauß, die Bettine mit dem Prinds von Würtemberg, ich mit die jüngste Tochter, die Linden blüheten und dufteten, man dachte gar nicht daran, daß wir gingen in der Stadt der Sandwüste Brandenburgs; beyrn Abschied war ich von Bettine eingeladen, sie nannte mich freundlich: Kammerat. /

So eigen sie war beym erste Zusammentref, so geistreich, hochgenial stand sie für mich in ihren eigene Haus; wir sprachen vieleich drey Stunden, sie sprach muß ich sagen; es war Geist und Blitz, sie sprach beredsam und keck wie eine Kasandra, sprach ueber Poesie und Malerei, ueber die armen Leuten in Schlesien, die vornehme Leute in Berlin; sie gehört, wie sie wissen, zu die lieberale Frauen. Meine Märchen rühmte sie, sagte, ich thuete weit mehr gutes damit als ich glaubte, da guckt die Wahrheiten hervor und werden nicht verjagt. Sie beschenkte mich mit ihre letzte Buch: »Brentanos Jugendkranz«und schrieb voran darin, »Da haben Sie, lieber Andersen mein letzte Buch«, Bettina.

Der berühmte Humboldt, Meyerbeer und mehr beehrte mich mit ihren Besuch, ich war so herum, so viel eingeladen, das die acht Tage in Berlin verswanden wie ein Traum.

Der Uebersetzer: »Das Bilderbuch ohne Bilder«, hat meine neue Märchen sehr schön Uebertragen, ich habe die Uebersetzung schon in Korrekturbogen gelesen, das Buch muß jetz in die Buchhandlung sein, (uebersetz von Reuscher) schreiben Sie mir doch, wie die Märchen Ihnen gefählt, nicht war, die Nachtigall ist gar nicht schlecht. Der Mulatt ist jetzt von Petit in Hamburg im Deutschen uebersetzt, ich habe an ihm geschrieben er sollte ein Manuschript an Hrrn von Eisendecher in Oldenburg abschicken, ich bin ueberzeugt, daß wenn das Drama anspricht den Herrn Intendant es auf der dortigen Bühne erscheinen möchte. - Meine neue dramatische Märchen: die Glücks Blume, ist beendiget, es hengt von Heiberg ab ob es gegeben werden sollen, jetz wollen wir ansehen.

Am 4ten Semptem bin ich wieder in Kopenhagen, nach meine Versprechen habe ich eine neue Roman angefangen, dies Plan trug ich schon lange herum, die ersten Kapitlen sind jetzt geangirt, sie spielen auf das Meer zwischen Kopenhagen und Fühnen, so wie auf Fühnen selbst, der Geiger hat noch nach alle Bilder von der Geburts Insel aufgenommen, wird das Märchen für der Bühne - angenommen, dann schreibe ich fort auf diese Romane, denn da habe ich Geld genug für der künftige Sommer, eine Romane giebt nur - Ehre, und selbst diese muß ich im Auslande abholen.

Föhr den 2ten September.

Kein Mensch kennt seiner Schicksal, das Oberne im Brief habe ich im Fühnen geschrieben, so weit war ich, da kamm Brief hier aus Föhr, von dem Excellens Graf Rantzau, ich war von Königinn eingeladen hierher zu kommen, ich reiste augen-& blicklich ab und bin schon hier acht Tage, der König und die' Königinn sipd mir im höchsten Grade gnädig, jeden Mittag bin ich zur Taffel und auch jeden Abend bei die Herschaften, es kommt mir vor wie ein Traum; ich will diese kurze Sonnestunden genießen, die gehen wohl bald ueber; künftige Montag, wenn der König reist, gehe ich nach Augustenburg, eingeladen von die Herzoginn, wo ich verweile eine Woche; Alle sind mir freundlich und gut, meine Märchen interisiren dem guten König und die liebenswürdige Königinn, ich fühle mich schon ganz heimisch da, aber das bleibt nur ein kurzes Leben;wenn ich nicht nach Augustenburg gehen sollte und ich wüste Sie war auf Helgoland, da ging ich da hin; 0 schreiben Sie doch, es konnte schon sein wenn ich ein Brief kriegen konnte auf Augustenburg (Alsen die Insel).

Nun leben sie wohl und heiter, grüßen Sie Ihrer lieben Gemal und die Kleinen. Bringen Sie mir freundlich in Erinnerung bey die Damen zu Hause. - Wie freundlich Sie und Hr von Eisendecher gegen mir gewesen sind habe ich unsre Königinn erzählt und Sie freute sich darüber

Ihre wahre Freund und innig ergebener

H. C. Andersen

Heute der 5te September ist grade 25 Jahre, da ich als armer Knabe kam nach Kopenhagen, und heute saß ich vis avis am Taffel mein König und Königinn! Mein Herz ist weich dabey.

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