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Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 20. december 1845

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Dato: 20. december 1845
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Berlin 20 December 1845

Liebe Frau von Eisendecher!

Sie und den lieben Herrn Hofrath meine innigsten, herzlichsten Dank für die schönen Tage in Oldenburg! sie sind mir beyden so gut, so liebevollen gewesen; bei meiner Abreise war ich ganz wemuthig, als sollte ich aus der Heimath gehen; ich warja wie zu Hause! grüßen Sie Gustava und Tuck, die süßen Kinder, grüßen Sie den Hern Gemahl; jetz kriegen Sie ein ganz roher Brief, wollen Sie es korrigiren, ich bitte die Freundinn Frau von Eisendecher, die Frau Hofräthinn, konnte Sie über das Geschriebene lustig machen, und das mag ich nicht gern. Wie freundlich von Ihnen, daß Sie bei meiner frühe Abreise aufgestanden war; es war sehr viel, und etwas sehr Schönes von Ihnen. Auch der gute, gute Alexander Beaulieu, sah ich noch des Morgens, er kam nach d. Posthaus! Grüßen Sie ihm, die Eltern und meinen lieben Edmond Beaulieu, ich schreibe an ihn aus Weimar. /

Gestern gab ich schon Brief auf d. Post an d. Großherzog; ich hoffe daß der Hr Hofrath auch meinen Danck, meinen innigen Ergebenheit vorbringt, und Sie, grüßen die Hofdamen, die Freunde und Freundinnen. Hr von Gall war gar nicht in Hanover, das Brief an ihm habe ich dem Portier, in britisch Hotel gegeben. Gestern war ich bei Savignys, wir sprachen über Oldenburg; »kennen Sie den Baron von Gall?« fragte mich die Frau von Savigny: »er ist noch hier und wohnt in Hotel de Russie; sprecken Sie mit ihm, da fragen Sie, ob er nicht mit Ihnen hier die Sonnaben zubringen wollte!« Ich ging augenblichlich nach Hotel de Russie, aber schon für zwei Tagen war er abgereist! es thut mir sehr leid, grüßen Sie ihm, doch am meisten die Frau. /

Ich wohne unter den Linden in britisch Hotel, und bin schon eingeladen für Mittag und Abend die ganze Woche, heute höre ich Jenny in Sonambula, ich habe durch die Prinzessinn von Preußen und durch Jenny zwei Billetten schon, ich konnte jetz so gar ein Freund mitbringen. Die Luft ist naß, die Straßen schrecklich, und die Taschendiebe wie Fliegen im August. Neulich, erzählte mich unsere Gesant, ist ein großartiges Betrügerei begangen. Ein Officeer kam bei einem Juweleer und wollte für sein Braut zwei kostbaren Schmücken; wie er da stand, kam ein anderer Officeer: »Ach, bist du da? Was machst du ? - Deine Braut muß selbst die Smücken wählen! « »Ich habe hier ein Wexel auf 200 Thaler, nehmen Sie diese, Hr Juweleer, und, du mein Freund bleibe hier auch als Sicherheit, bis ich komme wieder. er ging mit die Juwelen. Nach ein Paar Minutten trat ein Mann herein: »ich bin Polezeicomisair, von Polizei hierher gesant Sie zu warnen für die Betrügereien, es giebt viele falschen Wexeln!« - »Ich habe nur dieses einziges Wexel!« sagte der Juweleer. »Aber die ist falsch!« - »Wie!« ruft der Offiteer, »daß dürfen Sie sagen! Die Wexel hat meinen Freund gegeben!« - Jetz war gezanckt und gestritten. »Mein Herr«, sagte der Polezeicommisair, »Sie müßen mir folgen nach d. Polezei, aber wir wollen keinen Skandale machen, wir nehmen eine Drosche!« - Sie fuhren fort - aber der Juweleer hörte entweder von Juwelen noch von Poleceicomisair und Officeer, Alles war Betrügerei!

Haben Sie verstanden? Mein Gott, die ganze Geschichte steht geschrieben, fürchte ich, wie ein Nest von gramaticalischen Fehlern! - Aber ich hoffe daran, daß keine Fremden sehen d. Brief, sonst stehe ich ausgelacht für meinen Schreiben. - Der Ring habe ich Heinrich gegeben für den Hern Hofrath, ich hoffe er ist so freundlich daß er für mich diese kostbare Gabe aufbewaren will bis wir uns wiedersehen; ich kam so früe auf den Posthause, bei meiner Abreise, daß ich d. Kuffert öffnen könnte und d. Ring herausnehmen! sagen Sie mir doch etwas davon; wenn Sie mir recht freuen wollte, dann schreiben Sie nach Berlin, ich wohne in britisch Hotel unter den Linden, und bis 3 Januar, bin ich noch ganz sicher in Berlin, später, bitte ich, gehen die Briefe am sickersten nach Weimar an Beaulieu. /

Gestern hörte ich schon zweite Mahl die Lind als Sonambula, ich saß neben die Fräulein Frohmann, (E. Beaulieu kennt sie) und es passierte mich wieder etwas mährchenhaftiches: zwei Fremde Mann und Frau saßen hinter uns, die Dame war entzückt über Jenny und da ich sprach, fragte Sie mir, ob ich nicht war ein Landsmann von die Lind; »nein, ich bin ein Däne! « - »Ach, da sind Sie Landsmann mit - ja sie sagte es der berühmte Dichter Andersen! Kennen Sie ihn!« - »0 ja, etwas!« antwortete ich; die Frohmann lachte recht da bey, und die fremde Dame, sagte: »0 ich liebe Andersen, sein Geiger« - - Ich fühlte mich blutheis und schamhaft. »Gott, Sie sind vieleich selbst Hr Andersen!« ruf te sie nachher, »Denn Sie werden ganz verändert! «

Heute habe ich Vesitten von Mann und Frau bekommen, die sind aus Minden; er ist Ober-Regierungs Rath. Alexander Humboldt hat schon meine Vesitte vergeltet und ich habe von ihm zwei Briefe, der König weiß, ich bin hier, und bald soll ich ihm vorgestellt werden. Morgen Mittag bin ich bei Professor Weiz und des Abends bei.Graf Bismar-Bohlen, uebermorgen Mittag bey Rauch und des Abends bei Olfers, Sonabend bey Savignys, schon geht es fort, aber ich fühle mich nich heimisch wie in Oldenburg, es ist mir, ich weiß nicht wie, als gingen alten Wunden auf und ich verbluthen sollte; bisweilen gehen mir wie Wolcken durchs Herz -Genug davon! /

Bettina habe ich gesehen. Sie ist auf dem Lande, sagte man, auch die Frau Savigny, da ich da war, sagte, sie ist abgereist, und da ging auf einmal die Thüre auf und die alte Dame trat herein, gab mir ein Finger! »Ich bin auf dem Lande«, sagte sie, aber ich muß Sie doch ein Finger geben. Sie sah so gut aus! weit beßer als früher. Ich verschwinde! - und sie verschwandeo Die Gisola hatte mich schon des Abends vorher gekannt, angelacht und gegrüßt, ich wußte gar nich wer die junge Gazelle war, der mich so freundlicht grüßte. /

Jetz sagen Sie der lieben Hr Hofrath und die süßen Kinder viele herzliche Worte, und dann grüßen Sie innig Beaulieus, Meyers, Mosens, auch der kleine Erick, Frau und Fräulein Lützow, die Fräulein Finck &c und schreiben Sie bald, und nicht so kurz, Sie können es, denn Sie schreiben in Ihre Muttersprache, ich muß Jonglir-Künste machen mit die fremden Artikelen, Endungen und Redensarten, so ich wurde kopfschwer dabei und der Verstand verdringt daß Herz!

Ihren inniger ergebener danckbarer Freund

H. C. Andersen.

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