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Brev fra H.C. Andersen til W. Sturm 2. september 1846

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Dato: 2. september 1846
Fra: H.C. Andersen   Til: W. Sturm
Sprog: tysk.

2 September 1846

Weimar

Lieber hr Sturm!

Ich bin wieder in Weimar! ich habe ihren freundlichen Brief und den herzlichen Aufsatz ueber mich empfangen und eile Ihnen meinen Dank, meinen Handdruck, durch die Feder zu geben. Wie gut, wie mild haben Sie mich beurtheilt, und das Edelste bei mir hervorzuheben. Ich danke Ihnen daß Sie es nach Weimar abgeschickt haben, aber es geschah so lange nach meine Abreise, daß ich schon in Italien war; das Briefpaquet ist nicht den lange Weg mir nach gesandt; ich habe in Rom, in die verschiedenen deutschen Zeitungen, die mir da in die Hände gekommen sind, nach ihrem Aufsatz gesucht, keinen gefunden und dann geglaubt Sie hätten es aufgeschoben und zuletzt aufgegeben; erst jetzt, auf der Rückreise da ich nach Frankfurt komme, traf ich einen jungen holländischen Litteraten, er erzählte mir er hatte für einen holländischen Zeitung einen Artikkel aus Berlin über mich ins Holländische übersetzt, nach dem was er erzählte, dachte ich wohl Sie hätten es geschrieben, fragte nach dem Nahmen der Zeitung suchte diese im Kasino, und war ganz voll von Ihren Liebe für mich und beschloss aus Weimar oder Leipzig Ihnen einen Brief zu schreiben. Ich kam nach Weimar, ging gleich nach Ettersburg, [utydeligt: wo der Erbgroß]herzog mich eingeladen hatte jetz wieder in Weimar / [bekam ich] ihre Breif mit Beilage, und darum kommt jetzt dieser Brief; Sie sehen ein, ich konnte nicht früher mein Dank abstatten, erst, wie gesagt, hier weider im Deutschland weis ich davon, daß Sie so schön ihr Versprechen erfüllt haben.

Jetzt aber etwas vom Reiseleben!

In Rom bin ich einem Monat geblieben, und jetzt erst ist die Wunderwelt, der Marmorstatuen mir aufgegagen; ich habe alle Bilder vergessen, über dem Göttlichen in den gehauenen Steinen; hier tritt doch die Kunst am lebendigsten und dauerhaftesten hervor; Leider fand ich nicht wie beim ersten Mal in Rom, das Volksleben, die innerlichen Glauben, den man im Pabstlichen sonst wüßte nicht wo, erwarten muß. selbst daß Knien am Ostertag be sich eigenlig nur auf die Soldaten. Die Sonne, die eigenen [verwennungs?]greiffende Luft verschenckte mich nach einem Monat von dem unvergeslichen Rom; ich ging nach Neapel, flatterte herum auf den Inseln, in der Kampagne, aber der Sommer kam mit Feuer und Glut, der Scirocco wehte; dieser letzten Sommer ist auch überall schrecklig gewesen, ich habe ihn kennen gelernt nie zihe ich wieder in der Jahrzeit nach Süden. Ich bin zwei Monaten in Neapel [gewesen] [utydeligt:] hat so gelitten, daß der [utydeligt:] und die nachfolgende Reise [utydeligt:] wie ein Marter gewesen ist. / zu letzt konnte ich in Neapel kaum gehen, so angegriffen waren meine Glieder; immer dachte ich doch, ein fester Wille vermag wohl die Sonnen Gluth zu bekämpfen,ich wollte, ich mußte nach Spanien: mit einem Dampschif ging ich nach Marseille und da ich da kein anders nach Barzelona in den erste 8 bis 10 Tagen finden konnte, nahm ich Plaz in der Diligence und erreichte auch Perpignan, aber so elend, so leidend, daß ich für dieses Mal die Reise nach Spanien völig aufgab und suchte die Pyrenæen. Da in [overstr: Wer] Vernet, Ibrahim Pascha ist lange da gewesen bin ich 14 Tagen geblieben, nur um Luft zu athmen, und so viele Kräfte zu gewinnen daß ich wieder Deutschland erreichen könnte. So wie Moses stand ich auf dem Berge und sah das gelobte Land, ohne es zu betreten aber ich hoffe, nach einem, oder zwei Wintern, werde ich es wohl wieder versuchen. Noch sehr nerweus und mat bin ich hieher gekommen. Der Erbgroßherzog ist mir so innig und herzlich, ich habe ihn so lieb! Der Aufenthalt in Ettersburg so waldig schön. - Meine Biographie ist [overstr: so] beendiget in die Pyrenæen, und in diesem Augenblick, als Manuscript bei Herrn Reuscher in Berlin. Grüßen Sie die herzensgute Frau Zimmermann, geben Sie dem Töchterlein / einen Kuß von mir, und bringen Sie mich in freundliche Erinnerung bei Reuscher und Frau, und bei unser gemeinschaftlichen jungen Freundinnen und Freunden.

Künftige Woche bin ich in Leipzig und von da geht es über Oldenburg (Briefe suchen mir post restante) nach Kopenhagen.

Ihr innig ergebener Freund

H. C. Andersen

Tekst fra: Solveig Brunholm (microfilmscanning 12, 168-69)