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Brev fra Karl August Mayer til H.C. Andersen 20. april 1847

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Dato: 20. april 1847
Fra: Karl August Mayer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg den 20 April 1847.

Mein innig geliebter Freund.

Was werden Sie von mir sagen, daß ich so lange auf Ihren Brief u die theure Gabe, die ich aus Ihrer Hand erhalten habe, geschwiegen? Und doch war es kein undankbares Herz, das mich Sie vergessen ließ; vielmehr bin ich in dieser Zeit oft, recht oft mit der Seele bei Ihnen gewesen u habe mit Vereh rung, Dank u treuster Liebe Ihrer gedacht. Aber ich wollte Ihnen nicht schreiben, bevor ich nicht Ihre Biographie, Ihr »Lebens-Mährchen« gelesen. »Wie«, rufen Sie, »soll das eine Entschuldigung sein? Statt daß Sie sich reinwaschen, werden Sie nur immer schwärzer in meinen Augen«. Das hoffe ich nicht, erwiedre ich; hören Sie mich nur weiter an. Wenn ein Kind mehrere Speisen auf dem Teller hat, willkommene u unwillkommene, die alle gegessen sein sollen: so hebt es wohl das Lieblingsgericht bis zuletzt auf, um frei dem Genusse sich hinzugeben. So hab' ich auch wohl als Knabe, wenn ich, in den Schulferien der lieben Heimat im einsamen Waldgebirge mich nahend, nun endlich in das letzte ThaI hinabstieg, die Schritte verzögert, um das Vorgefühl der Freude des Wiedersehens auszukosten. So hab' ich auch später als Jüngling u Mann einen Brief von lieber Hand halbeTage lang auf der Brust herumgetragen, eh ich ihn öffnete. Die Stunde, da ich ihn erbrach, mußte möglichst ruhig, der Ort, wo ich ihn las, möglichst fern von allem Getümmel der Welt sein. Zu einem Briefe findet sich aber eher freie Zeit, als zu einem Buche. Es hat diesen Winter eine Last von Arbeiten auf mir gelegen. Neben meinen Berufspflichten hatte ich mehrere literarische Arbeiten unternommen, die bis zu bestimmten Teminen, die eine im Februar, die andere jetzt beendigt sein mußten u mir wirklich jeden freien Athemzug raubten. /

Erst jetzt konnte ich, abgelöst von den alten schweren Ketten, ihr liebes Geschenk mit ruhigem Behagen kosten, u kann nun meinen Dank im Bewußtsein seines Werthes aussprechen. Wie schön spiegelt sich Ihr liebes Bild in Ihrem Buche! (ich sage: in dem Buche, nicht vor demselben; denn das Portrait ist wenig gelungen) wie freuen mich die freundlichen Zeilen auf dem Umschlage, die mir Freund Jerndorff verdeutscht hat! Ja, Ihr Leben ist wirklich ein Mährchen; die Wege, die Sie Gott geführt hat, sind seltsam u wunderbar, fast so wunderbar, wie die jener Prinzen, die durch bösen Zauberspruch Jahre lang in niedrige Gestalt gebannt waren, bis sie endlich in ihrer Schönheit u Hoheit zu Tage treten dürfen. /

Und Sie sind wirklich nun zu Tage getreten u von den Besten im Vaterlande u Auslande anerkannt; Ihr Name nimmt unter den Dichtern Dänemarks, unter allen Dichtern unserer Zeit einen ganz eigenthümlichen ehrenvollen Platz ein, u wenn ein Krittler krittelt, wenn ein Neider Sie herabdrücken will, wenn nichtiges Kliquen-Geschwätz nach Ihren schwachen Stellen spürt u, sie aufdeckend, ruft: »Hier ist der ganze Andersen!« so lassen Sie die Meute kläffen, antworten Sie gar nicht darauf, sprechen Sie sich in Ihren Schriften nicht über sie aus, oder, wenn Sie antworten wollen, antworten Sie mit einem neuen Kunstwerke. Dergleichen Eintagsfliegen hat jeder bedeutende Mann um sich. Heute summen sie, morgen sind sie vergessen, während Ihr Name dauert. Sie werden auch jetzt kommen, diese lästigen Insekten, u namentlich um den zweiten Band Ihrer Selbstbiographie schwärmen. Sie werden sagen: »Was soll uns die ausführliche Aufzählung der hohen u Allerhöchsten Visiten, die Andersen gemacht, der Ringe, Albums u Orden, die er bekommen? Ist das nicht Alles wieder eitle Selbstspiegelung?« Das werden sie sagen, lieber Andersen, u Sie stehen jetzt fest genug, um ihnen ein Schnippchen zu schlagen u nicht darnach zu fragen. Denken Sie, Sie liegen in einem italienischen Bette; ohne Flöhe gehts da nicht ab; dafür ist man aber auch in Italien. Freilich hätt' ich gewünscht - eben; um jenen Kläffern keine Beute vor die Füße zu werfen - Sie hätten jenen Theil Ihrer Selbstbiographie, der von der Anerkennung handelt, die Sie daheim u auf Ihren Reisen bei hohen Personen, Schriftstellern, Künstlern u.s.w. gefunden, lieber nicht ins große Publikum gegeben. Wenn ein anderer Dichter in seiner Lebensbeschreibung dasselbe thäte, würden auch Sie wahrscheinlich einen kleinen Anstoß daran nehmen; aber ich bin weit entfernt, lieber Andersen, Sie hier mißzuverstehen. Ihr edles liebendes Herz wollte seinen Dank aussprechen, nicht allein privatim, also etwa in Briefen, sondern auch öffentlich; Ihr überwallendes Gefühl, von so viel Beweisen freundschaftlicher Anerkennung aufgeregt, wollte sich Luft machen; Sie mußten gleichsam ein Circularschreiben an alle Ihre Lieben erlassen, mußten sie der Welt darstellen, so wie man eilt, eine geliebte Braut den Freunden u Bekannten vorzuführen; mußten rufen: Seht, wie bin ich geliebt, wie schön ist die Welt, wie gut ist Gott! /

Dieser Theil Ihrer Selbstbiographie, dieser Gruß aus der Ferne an Ihre Lieben, hat nur für sie, für die Gegenwart Bedeutung. Die meisten der hier aufgezählten Namen werden, wenn sie auch jetzt durch ihre Stellung einen hellen Schimmer erhalten, gar bald vergessen sein; u wenn auch Sie dahin sind (d. h. leiblich, denn Ihr edelster Theil bleibt der Welt): wird vielleicht die Hand eines Literaten, der die werthvollsten Ihrer Schriften zu einer neuen Gesammtausgabe zusammenstellt, diesen Theil Ihres »Mährehens« wegschneiden oder eng zusammenpressen, weil die nicht mehr sind, für die er allein gegolten.

Auf diejenigen Ihrer Werke, die ich durch die Gesammtausgabe noch soll kennenlernen, so wie auf das Neue, was Sie produciren, freu' ich mich sehr. Ich werde wohl mit der Zeit einen Nachtrag meiner Beurtheilung Ihrer Schriften in den Tübinger Jahrbüchern der Gegenwart geben müssen, um die Lücken, die ich gelassen, auszufüllen u den Nachwuchs anzufügen. Ich thue das umso lieber, weil diese meine Arbeit über Sie, so weit ich hin hören habe können, allgemeine Anerkennung in Deutscland gefunden u, wie ich hoffe, ein wenig dazu beigetragen hat, Ihre Werke noch immer mehr bei uns einzubürgern.

Zu Ihrer Reise nach England wünsch' ich Ihnen alles Glück. England ist, wenn mich nicht Alles trügt, ein guter Boden für Ihre Mährchen u Ihre Produktionen überhaupt. Es ist das Land der schönen Kinder u wird Ihnen gewiß manch neues Mährchen zuführen. Bemächtigen Sie sich nur, so weit es Ihnen möglich ist, der Sprache, damit Ihnen die Vermittlung mit dieser tüchtigen Nation möglich ist.

Und nun noch ein paar Nachrichten von hier, wo Sie recht viel gute Freunde haben. Eisendechers befinden sich, wie Sie gewiß aus brieflicher Mittheilung wissen, wohl; Mosen dagegen schleppt sich leider mit einer unheilbaren Krankheit; die Lähmung der linken Seite nimmt immer mehr zu u nimmt ihm auch die geistige Frische u Produktivität. Auch Jerndorff fängt an zu kränkeln; hoffentlich wird die Badekur, die er diesen Sommer vornehmen will, sein Leiden heben. Beaulieus befinden sich wohl. Alexander hat in diesen Tagen das hiesige Gymnasium verlassen, um die schöne Universität Heidelberg zu besuchen, wo er ohne Zweifel manchem Mädchen den Kopf i verdrehen wird. Karl (der Kammerherr in Weimar) ist Bräutigam mit einem,wie man sagt, hochadeligen Fräulein von sehr vornehmem u, wie er sagt, von wahrhaft edlem Wesen. Man ist, hier begierig, sie in Augenschein zu nehmen u wünscht dem liebenswürdigen Manne, der so lang nach einer Frau gesucht, daß er eine gute Wahl getroffen haben möge. --

Was mein kleines Haus angeht, so haben wir uns diesen Winter viel mit Kinderkranheiten, mit Scharlach u Masern, herumgeschlagen u just auf Ostern u Weihnachten mußten 1 meine Kleinen das Bett hüten. Dafür beschert uns, wie ich 1;0 hoffe, der Himmel einen schönen Frühling u einen noch schöneren Sommer; denn dieser Sommer führt uns sammt u sonders in die Heimat: an den Rhein u nach dem schönen Heidelberg, wo wir den beiderseitigen Eltern, wie auch den Bergen, u Burgen u Rebengeländen wieder einmal ein: Guten Tag! zurufen wollen. /

Unser kleiner Adolf, den Sie so freundlich im gedächtnisset bewahrt haben, ist heute zuerst wieder von seinem Maser-Krankenlager aufgestanden; er taumelt noch, wie betrunken, wird aber gewiß bald wieder auf den stämmigen Beinchen fest aufstehen. »Onkel Andersen« u seine Mährchen sind bei beiden Kindern im besten Angedenken, u auch meine Frau, die Sie herzlich grüßt, ist Ihnen freundschaftlich zugethan. Wer, der Sie kennt, sollte Sie nichtlieb haben u verehren? .

Unveränderlich in innigster Liebe Ihr

K. A. Mayer.

Wann sehen wir Sie wieder? Wollen Sie nicht von England über Deutschland zurückkehren? Man ist so schnell von London aus am Rhein u der Rhein ist so schön. Auf dem Rückwege gingen Sie über Oldenburg u brächten uns neue Mährchen. Oder haben Sie uns bis zur spanischen Reise aufgehoben? Lassen Sie es nicht zu lange dauern, u jedenfalls behalten Sie uns lieb. Ob ich einmal nach Kopenhagen kommen werde, weiß der Himmel. Mein Sinn steht dahin. Ich möchte Thorwaldsens Stätte, möchte ein Stück vom Norden sehen; aber der Süden, meine Heimat, der Sitz der vier Großeltern unserer Kinder will auch sein Recht; u die kleinen Kobolde, die das Gold u das Silber tief in der Erde graben u es den Sterblichen zutragen, haben mich nicht reichlich genug bedacht, um Vieles zu unternehmen. Indessen geb' ich die Hoffnung nicht auf; ihre grüne Fahne soll uns immer wehen.

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