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Brev fra H.C. Andersen til Carolina, Lina von Eisendecher 20. december 1847

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Dato: 20. december 1847
Fra: H.C. Andersen   Til: Carolina, Lina von Eisendecher
Sprog: tysk.

Kopenhagen 20 December 1847.

Liebe Frau von Eisendecher!

Ach, wie lange habe ich nicht geschrieben! es ist gar zu eigen, es ist unrecht, denn ich weiß ich darf an Sie in allen meinen Stimmungen schreiben. - In die letzten zwei Monaten ist mein Humeur so kränglich gewesen wie nicht in vielen Jahren, einen Reizbarkeit und Unruhe trieb mich fort, ich konnte nicht arbeiten und mochte gern selbst die Freunden vermeiden, an Schreiben war gar nicht zu denken.

Alles lag im Körperliche, mein Herz ist wieder leichter, und in den letzten vierzehn Tagen habe ich ein ganz neues Buch für England geschrieben, abgesandt und erwarte schon Neujahr derselbe. Es sind fünf neue Mährchen, Dickens dedicirt. A christmas greeting to my english friends. Sie, liebe Frau v. Eisendecher und die Ihrigen sind mir immer fest im Herzen geblieben, jeden Tag habe ich darann gedacht an Sie zu schreiben, ich habe mir selbst immer wegen meines Aufschiebens Vorwürfe gemacht, und doch nicht geschrieben; Jerndorffs Tod hat mich gerührt, ich dachte auch ein Brieflein an die Witwe zu schreiben; hier in Kopenhagen hat sein Tod sehr viel Theilnahme erregt.

Wie gehts Alexander? ich habe kein Worth von ihm, weiß nicht wie er lebt und treibt, der liebe gute Junge. Schreiben Sie recht baldt, bitte, bitte, straffen Sie nicht! ich habe so eine Sehnsuch nach Brief aus Oldenburg, ich habe lange lange Wochen gar nichts gehört, ich weiß wohl, ich bin selbst Schuld daran. /

Jetzt haben Sie die letzten Bände der gesammt Ausgabe meiner Schriften erhalten, dramatische Wercke und lyrische Gedichte, sagen Sie mir etwas darüber. Der Mulatte ist, glaube ich gut übertragen, nehmen Sie dieses Drama an, und wenn sie Ihnen anspricht dann empfele ich den Mulatten für die aIdenburgische Bühne. Die zwei letzten Bände, der gesammt Ausgabe bringen Ahasverus, leider kann diese Dichtung in seiner Form und Farbe nicht wiedergegeben werden, die Uebersetzung ist wie die RückSeite die Tapeten; Sie bekommen keinen rechten Begriff davon; ich stelle dieser Dichtung in Originalitet neben die Mährchen, und in Fülle über alle meine Schriften, wie aber die Welt sie aufnehmen wird davon habe ich noch keine Vorstellung. /

Den lieben Herrn Hoffrath bitte ich sehr, daß er bringt, mit den letzten Bänden, an Seine Königliche Hoheit der Großherzog, meinen innigsten Danck daß er so gnädig meine Schriften aufgenommen habe; ich kann ihm nicht, durch mein kleines Geschenk, mein Dank und Ergebenheit für seine hohe Güte und Freundlichkeit, genug aussprechen. Bringen Sie mir in gnädig Erinnerung bei der Erbgroßherzoginn, und spenden Sie meine Grüßen an alle die Freunde in Oldenburg und Brehmen. /

Morgen gehe ich auf dem Lande, und verweilt, wie gewöhnlich, Weinachten bei unserm Finanzminister Moltke auf Bregentwed; Neujahr bin ich wieder in Kopenhagen. Grüßen Sie Kar! und Gustave, erzäWen Sie die Kinder, daß zu Neujahr kommt in London »klein Tuk« im Englischen heraus; Charles Bonner gieb eine neue Ausgabe meiner Mährchen heraus, und in der Vorrede, steht etwas über die Mährchen, wie und wo sie sind entsprungen, und da steht auch daß der kleine Tuk und Gustave sind eigenüch Oldenburger Kinder, liebe gute Kinder.

Der Improvisator ist jetzt für zweite Mal im Französischen übersetzt, und in England hat man diesen Roman in die Ausgabe ausländischer Klassiker aufgenommen! es ist Alles schön, und doch - ich muß eine Freude haben, eine große Freude, ich weiß nicht wie und wo, ich fühle mich nicht zufrieden, nicht glücklich, ich muß etwas auserordenlich leisten oder ich glaube ich sterbe! doch dieses Alles auszusprechen ist kindisch, kränklich! ach schreiben Sie bald und sagen Sie mir auch etwas über den lieben guten Edmund. Und nun ein glückliches Neujahr im Hauß und Herzen!

Ihre innig ergebener Freund

H. C. Andersen.

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