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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 9. januar 1853

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Dato: 9. januar 1853
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Am 9.Januar 1853

Mein theuerster Herr Andersen!

Es ist mir immer ein Festtag,erscheint ein Brief von Ihnen und ich halte die teuren Schriftzüge in meinen Händen, gedenke der lieben Herzensworte und bin den ganzen Tag froh. Wie können Sie glauben, daß ich Ihnen grämen könnte, wenn Umstände verhindern,daß Sie Ihr Versprechen nicht halten konnten uns zu besuchen? Schon daß Sie den Gedanken fassen, den Wunsch hegten fähig waren, eine Zeit bei uns verbringen, beglückte uns. Sie kamen nicht und wir trauerten, aber betrübten uns noch mehr, daß unsere Gedanken den Ort nicht wußten, wo Sie aufsuchen und kein liebes schriftliches Wort erschien!

Sie fühlen, daß Ihre Freundschaft eine schöne Blume meines Lebens ist, an welcher ich mich erfreue, erquicke - für die ich Gott im Stillen danke. Doch nur als freiwillige Gabe hat sie Wert, frei auch muß sie in ihrem Tun und Handeln sein, sonst wird sie eine Plage. Sie kennen mich nicht - wenn Sie mich des Egoismus fähig halten.p>

Ach, Ihr liebes kleines Buch! Welch frommer, geistlicher Sinn spricht sich darin aus - welches tiefe und warme Gemüt. Sie haben eine trauernde Familie kürzlich damit in das Herz gegriffen und ich muß etwas erzählen! -

Mein Hereinziehen in die Stadt war traurig. Ich fand tötliches Nervenfieber, die jüngste schöne Tochter von Carus erkrankt, es war der Stern der Familie! Sie starb -und die armen Eltern und Geschwister folgten ihrem Sarge, standen auf ihrer Gruft und legten Palmenzweige über die kalte Hülle, leise sang ein Männerchor dabei das schöne Lied von Mendelssohn - "Es ist bestimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat - muß scheiden". Es war eine herzzerreißende Szene, die ich mit durchlebte! - Jenny (Carus) war auch durch ihr herrliches musikalisches Talent das belebende Prinzip im Hause - jetzt schweigt die Musik im stillen Hause dort: - Da sagte mir Carus: Denken Sie! Der liebe Andersen hat auch meiner gedacht - ich fand am Neujahrstag sein Buch auf meinem Tisch und lese nun abends nach 8 Uhr den Meinen daraus vor. Er sagte: Wir weinten bei der Erzählung "Unter dem Weidenbaum" und alle Abende hole ich es und das zuerst zog unseren Schmerz hinüber in seine Gemütswelt! Ich will ihm das Alles schreiben - vielleicht haben Sie schon seinen Brief.

Die Familie Moltke sehe ich weniger oft als ich wünschte. Die Gräfin beschäftigt sich viel mit Zeichnen und Malen und liebt keine Störungen am Tage. Dann haben sie mehrere vornehme Russische und polnische Fami1ien, deren Umgang sie Andern schon wegen der französischen Sprache vorziehen - und Sie wissen, daß die Gräfin ihre kleinen Launen hat - nicht für uns einfache Deutsche recht paßt, sich auch nicht hier gefällt deshalb - und besonders unsre Sprache und Literatur nicht kennt und kennen lernen will! -

Die Erziehung und Natur der Russen hat eine zu verschiedene Richtung mit der Ahnfrau. Der Graf ist oft krank. Man sagt, er leidet an denselben übel, woran sein Bruder gestorben! - Doch sind es edle Menschen.

Dahl kränkelt sehr und der Arzt fürchtet einmal und in Kurzem vielleicht - einen schnellen Tod! -

Moltkes wollen ihren Festtag im Juli still verleben, wünschen kein Freundesbesuch, daher wird nichts aus meiner Reise nach Dänemark!

Auch meine liebste Geschichte ist "Unter dem Weidenbaum" - Wie wehe, wie traurig, doch sie erlebte es nicht mehr. Morgen Abend werden Lüttichaus bei uns sein. Hätte ich nur die Freude, ein Stück von Ihnen oder Opern mit Ihrem Text hier aufgeführt zu sehen. Warum schicken Sie nicht her? Wann nicht sofort, reicht es doch für die Blume ein.

Gott mit Ihnen! In treuer Verehrung

Ihre Fr.Serre

[Randnotiz:] Alle die, welche Sie in Ihrem Briefe genannt und grüßen ließen, waren sehr erfreut darüber, besonders Minna und entgegnen freund1ichst.

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