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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 18. december 1857

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Dato: 18. december 1857
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Am 18.Dezember 1857

Gestern, verehrter theurer Freund erhielt ich Ihren lieben Brief und schon sitze ich zur Anwort!

Ich freue mich, Sie unter so liebenswürdigen und wohlwollenden Menschen an dem Heiligen Abend auf dem Lande zu wissen - und weiß, Sie verleben froh den Tag. Wie überraschte mich die Sendung herrlicher Äpel durch Fr.v. Scavenius. Sofort schickte ich welche an Eliza Moltke, an Frau von Goethe, an Carus und Alle rühmten die nach Ananas duften - den und so zarten Apfel, die hier gänzlich unbekannt. Elise schrieb sofort an den Grafen, er solle ihr welche mitbringen. Sie waren so schön eingepackt, daß nicht ein einziger verdorben war, und alle wie in Wachs. Tausend, tausend Dank. - Ich habe selbst Frau von Scavenius geantwortet und gedankt. Zuerst sende ich Ihnen ein Stück New Yorker Zeitung, die mir in einem Briefe Kohls eingelegt und geschickt wurde! Wie bekannt sind Sie auch dort!

Dann,zürnen Sie nicht. Ein Jeder denkt doch bei diesem Fest an seine Lieben,und so drängte es mich, eine kleine Arbeit auch für Sie zu machen = wenn Sie die warmen weichen Morgenschuhe finden, die leider der Schuhmacher zu groß gemacht, weil er zu viel Raum auf den Pelz rechnete, wenn Sie sie vor Ihrem Bette finden! In der Nacht, oder im Wagen als überschuhe wenn es kalt ist - können Sie sie doch vielleicht benutzen! Ich konnte arbeiten, denn seit 14 Tagen bin ich aus dem Bette und in die Stube gebannt, leider an heftiger Grippe mit Fieber,und rosenartigen Entzündungen im Gesicht! Ach, wie ungeduldig bin ich - kam nicht heraus - und nichts besorgen zum Fest! - Die gute Gräfin Moltke besuchte mich fleißig, sitzt ganz allein ganze Abende bei mir. Wenn sie so mit Herz und Munde mich 'liebe Fritzl' nennt, 'bei Ihnen fühle ich mich am wohlsten', - dann erkenne ich ihr treues schönes Herz und ihre unveränderte Freundschaft für mich. Sie lebt wie eine Einsiedlerin, sieht außer der jungen Comtesse O'Donell fast Niemand "öfters. Sie steht 6 Uhr früh auf, übt Musik bis 8 Uhr noch bei Licht - frühstückt, läßt sich magnetisieren - zeichnet dann 2 Stunden - geht 1 Stunde spazieren, nimmt den Lunch - läßt zum 2ten Mal sich magnetisieren - nimmt Musikunterricht, diniert 5 Uhr und wieder läßt sie sich magnetisieren (täglich 4 mal) - nimmt den Tee zu Hause oder bei mir - oder der O'Donell, aber dort seltener. - So vergeht ein Tag wie der andere.

Doch hat sie in Paris ihre Wohnung für 1 Jahr aufgegeben, will zum April nach Glorup - bis Spätherbst dort bleiben und wieder hierher zum Winter. Ich fürchte, der unruhige Graf wird ihr monotones Leben sehr stören!

Sonst, eingesperrt in meinem Krankenzimmer,weiß ich nichts von der Welt. Ich habe vor 4 Wochen durch den Tod der Prinzessin Caroline Prinzessin Reuß eine unendlich teilnehmende, liebevolle Freundin verloren. Mich schmerzt ihr Tod beinahe so tief wie der Verlust der unvergessenen Lüttichau.

Bei Deckens geht alles gut - Sigwald ist der tägliche Gesellschafter der Moltke, ein andrer Sohn von ihr, so liebt sie ihn, und er lebt für sie. Constanze kommt selten zu ihr, allerdings hat sie Veranlassung gegeben zu sehr schlimmen Gerüchten über sie.

Mein Mann ist sehr beschäftigt mit einem Etablissement einer Kartoffelmehlfabrik und Einrichten eines neuen Brauers. Das fesselt ihn an Maxen. Charles Meyer ist hier nicht geliebt - trocken wie eine Spieluhr ist sein Spiel und er selbst. Er komponiert aber hübsch und mit Glück! Frau v.Lüttichau verglich ihn immer mit einer Gartenschnecke! - Liszt wird sehr unzufrieden mit Dresden sein und sein Schwiegersohn Bühlow hat sich mehr wie derb über Dresden und seine Kritiker beklagt.

Wir bilden uns ein und hoffen, daß Sie nächsten Sommer nach Deutschland kommen -und Hochzeit machen. Machen Sie glücklich und werden Sie glücklich. Dann kommen wir bis Breslau entgegen! Die kleine Frau [Clara Heinke?] wird jedermann gefallen - und es muß doch schön sein - sich so anbeten zu lassen, von einem guten, klugen und hübschen jungen Mädchen! - Es wäre herrlich! - Unser Pastor ließe sich dies Trauen nicht nehmen und wie wollten wir unsere liebe stille Kirche ausschmücken. Also Glück zum Neujahr, und die Erfüllung der liebsten geheimsten Wünsche!

Von Allen tausend Grüße

Ihre getreue Fr.Serre

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