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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 22. maj 1858

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Dato: 22. maj 1858
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Ems,Hotel de Paris am 22.Mai 1858

Theuerster, verehrter Freund!

Seit 3 Tagen bin ich hier, aber so unwohl, daß ich die Kur noch nicht beginnen konnte. Vielleicht war eine Erkältung auf dem Dampfschiff Schuld, wo wir unaufhörlich Sturm und Regen hatten, vielleicht der Schirokko hier denn ein heißer Wind brauste, und hüllt in Nebel die Luft - die Abende und Morgen sind bitter kalt, 10 Gr.Kälte - alle Badegäste klagen. Überhaupt ist Ems noch nicht aufgeräumt, Kasten und Kisten liegen vor den verschlossenen Läden, man stolpert über Sandhaufen, die zur Verbesserung der Wege angefahren - die Türen und Fenster, der noch leeren Häuser, werden mit Ölfarbe gestrichen. Die neuen Bäder sind noch nicht eröffnet - kurz, man fühlt - noch ist es hier zu früh! Morgen ist das Pfingstfest. In Maxen höre ich, sind Verwandte angekommen, um mit den Kindern die Frühlingsluft zu genießen - nur ich bin fern, und in den langen schlaflosen Nächten machte ich mir die schwärzesten Bilder.

Meine Nichte Marie von Buchardi hat mich hierher beg1eitet.Da wegen meines Unwohlseins mein Aufenthalt sich verlängert, werde ich wohl nicht den 24.Juni zum Gr.Herz. von Weimar Geburtstag, dem Festspiel beiwohnen können. Ich vermute Sie dort! Frau von Goethe,we1che Dresden im Juni ver1äßt,bis September nach Weimar zieht, hat mich liebevoll für einige Tage zu sich eingeladen. Welch schmerzlicher Verlust ihr Scheiden von Dresden ist, können Sie sich vorstellen. Täglich sah ich sie, täglich gab sie mir irgend ein Liebeszeichen. Leer wird mir die Stadt ohne sie sein. Auch Moltkes wollen nächsten Winter in Paris wieder zubringen!

Fräulein Heinke war traurig, Sie nicht in Dresden im Juni sehen zu können, will es aber einrichten, daß sie früher mit ihrer Tante von Teplitz geht, und von Mitte oder Ende Juli länger in Dresden bleiben zu können! - Aber wollen Sie denn einmal auf der Reise nicht den schönen Rhein befahren und einen Abstecher nach Ems machen !Heute ist die Eisenbahn von Lahnstein hierher eröffnet worden, ebenso der Telegraf kommt hierher und tun Sie es! Denken Sie, die Gräfin Fritsch ist den Tag vor ihrer Abreise mit ihrer Hohheit nach Franzensbad gefal1en, hat sich eine Rippe gebrochen - und man zweifelt an ihrer Herstellung. Wie vermisse ich die würdige Dame hier! Der Tod der Herzogin von Orleans wird den Hof zu Weimar schmerzlich berühren wd tiefe Trauer dort herrschen. Die armen verwaisten, heimatlosen Söhne, wie traurig. Man munkelt, daß sie, ein gefürchtetes Haupt der Conspirationen, nicht eines ganz natürlichen Todes gestorben! -

Sehen Sie den jungen Andersen Bräutigam - so teilen Sie ihm einiges aus meinem Briefe mit, ich weiß es, er nimmt Teil! Gräfin Yoldi trennte sich von mir in Mainz! Wir besuchten dort noch das Kloster der Gräfin Hahn. Ich wollte sie gern wiedersehen, doch sie war auf einer Wallfahrt begriffen. Desto mehr erstaunten wir über die Spuren der Verwüstung der Explosion, so nahe dem Kloster, ebenso wie an dem emsigen Aufbau der verschütteten Häuser!

Unsere Wohnung ist schön, ein Eckhaus-Parterre, ein Salon mit 5 Fenstern, 2 mit der Aussicht auf das Tal - 3 gegenüber der Promenade, des Musikpavillons und des Kurhauses Frau von Schwanenfe1s, 2 Tage früher angekommen, erweist uns Liebe und Freund1ichkeit, schickte mir Blumen und Bücher und sorgt sich,mich sehr wohl zu sehen.Sie kam aus Vivey, wo sie den Winter verbrachte! - Ach, wie freue ich mich auf die Zeit, wenn ich Ihr liebes Antlitz wieder sehe, Ihre liebe Stimme wieder höre,und Sie mir die dänischen Märchen übersetzen werden! Möchte ich nur gesünder dann sein, dieser böse Husten weichen, und meine traurige Stimmung! - So behüte Sie Gott, grüßen Sie Andersen, und schreiben Sie mir womöglich hierher über Ihre Reisepläne.

Fr.Serre

[Randnotizen:] Ich hoffe im Stillen, im Herbst nach Kopenhagen zu kommen, wäre ich nur erst wohl! Sehen Sie Frau von Scavenius, so danke ich ihr für die Reiser, die gleich gepfropft wurden.

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