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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 12. oktober 1859

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Dato: 12. oktober 1859
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden den 12.0ktober 1859

Theurer, verehrter Freund!

Lange, lange beglückte mich kein Brief von Ihnen, und hätte mir nicht Clara Heinke Ihren ausführlichen Bericht über Ihre Triumpfreise mitgeteilt, wo wir dann gemeinschaftlich die Karte zur Hand nahmen, und Ihre Tour verfolgten, ich hätte mich beunruhigt, anstatt zu freuen, mit welcher Anerkennung Sie bis zu der äußersten Grenze Ihrer heimatlichen Erde des Nordens - begrüßt worden waren. Ja,reiche herrliche Erinnerungen und das Bewußtsein, so mächtig auf das Volk zu wirken, gibt Ihnen abermals diese Reise! Wer sollte aber auch den nordischen Schwan nicht bewundern und lieben? -

Wir haben Sie schmerzlich vermißt - öde und still erschien mir die gewohnte Zeit Ihres Aufenthalts in Maxen und fühlbarer würde es mir noch gewesen sein, wenn nicht gerade zur selbigen Zeit Frau von Goethe hier war, und mich nach der Stadt gezogen - und nicht zufrieden war, wenn ich einen Abend nicht erschien. Auch die Bekanntschaft der liebenswürdigen Wu.Janusen machte ich bei ihr, einer englischen Schriftstellerin,die voll Herzensgüte war, und 10 Tage in Maxen zubrachte, und nicht aufhörte auszusprechen - wie wohl sie sich dort und in unserem einfachen Haus und mit mir gefühlt - denn wir blieben beinahe ganz allein. Sie hatte dadurch Muse zur Arbeit, was ihr besonders wohltat! Solch Wohlwollen beglückt unendlich! -

Wieder bin ich darm viel in der Stadt, wohin mich mein Mann gerufen. Es versammelte sich hier der Kongreß über den Schillerverein. Von den 15 verschiedenen Zweigen waren Abgeordnete hergesendet - die die Statuten p.pp. ordnen und feststellen sollten. Von Wien, Baden, Hamburg, Frankfurt, München, Stuttgart, Leipzig pp. pp. und - Weimar. Der Herzog hatte Dingelstedt, Graf Kalkreuth und Vogt geschickt! Dingelstedt mit dem besonderen Auftrag mir mündlich seine Grüße zu bringen, ein Beweis, daß er mir nicht zürnt! Es war eine Versammlung geistreicher Männer, welchen mein Mann im Saale der Gesellschaft der Harmonie ein Diner gab, bestehend aus 40 Personen. Welche Toasts, Reden, in Prosa und Poesie wurden ausgebracht - in Witz und Laune, Dingelstedt mit Geist und Energie sprach wunderschön - und ich bewundere ihn so sehr es möglich sein mag, ihn auch fürchten zu müssen. Als er schied, sagte er mir, ich habe in diesen Tagen Ihres Mannes hochherzige Gesinnungen, seine Aufopferungsfähigkeit - seine Einsichten - Energie, kurz seine großen Eigenschaften kennen gelernt, ich werde es höheren 0rts zu rühmen wissen, ebenso seine Bestrebungn - für Weimar zu wirken, leider gingen sie nicht durch - man hat den Großherzog nicht zum Protektor gewollt - was mir leid tut - nun vielleicht bringt die Zeit was die Gegenwart versagt.

Was übrigens die Lotterie anbelangt, so segelt das Schiff jetzt im offenen Meere! - Genehmigungen zum Verkauf der Lose, fast in den meisten Staaten, noch nicht Rußland/Kompositionen und Beiträge von den 1sten Dichtern, und mehreren Fürsten, als eigenhändige Gedichte vom König von Bayern, Prinzessin Amalie, Herzog von Coburg - mancherlei Geschenke -/ die aber noch reich haltiger eingehen müssen, geben Serre Hoffnungen zum G1ück. Erfolg seiner unendlichen Mühen!

Es ist ein Büro auf der Schloßgasse errichtet - wo alle Geschäfte geleitet und abgemacht werden - und bereits während 14 Tagen sind gegen 13 000 Lose verkauft. Gebe Gott weiter seinen Segen! Post und Eisenbahn sind Serre für diesen Zweck gewährt, und hofft sie für andere staaten auch zu erhalten.

[Weitere Brieffragmente:]

... Nun ist doch Sigwalds Auktion von Gemälden und Kupferstichen vorüber.

Freilich hat sie kaum die Hälfte eingebracht von dem taxierten Wert der Gegenstände und doch ist sie im Allgemeinen gut zu nennen.

Mo1tkes haben 14 der besten Originale gekauft - seines Vaters Skizzen und Bilder wird er später einmal ganz separat in Norwegen veräußern. Ich habe, da ich leider nicht große Ausgaben machen kann, nur mir das Basrelief von Thorva1dsens Rebecca am Brunnen erstanden, was die Stampe auf Veranlassung Thorvaldsens dem alten Dahl geschickt und es in dem Billard einstweilen aufgehängt. Sigwald, welcher von Wiesbaden, wo die Gräfin Moltke die Kur braucht, dazu herkam, ist wieder zu ihr hin, um sie Ende Oktober nach Dresden zu begleiten, wo sie ihre große schöne Wohnung beziehen wird -, welche der Graf für ein Jahr gemietet. Die Einrichtung wird viel kosten, doch sie hat wieder einen neuen Arzt konsultiert, zu welchem sie für den Augenblick unbegrenztes Vertrauen hat - es ist der Hofrat Walther! - Glorup, sagt sie, hätte wegen seiner feuchten Lage höchst nachteilig auf ihre Gicht gewirkt, und dies große Schloß mag wohl einsam und erdrückend wirken, wenn so wenig heitere Bewohner es beleben! -

Mein Mann läßt nun Sie ersuchen, an Dickens zu schreiben, um ihn zu bewegen, in England Propaganda für die Lotterie zu machen,daß die Deutschen dort dafür erwärmt werden und die Engländer,damit sie Lose kaufen, Geschenke zufließen lassen und es in öffentlichen Blättern verbreitet werde - Alles wie die beiliegenden Programme das Nähere besagen. Nun bittet Sie mein Mann, noch nicht sichere Erkundigungen einzuziehen, ob in Dänemark der Verkauf dieser Lose namentlich auch für die deutschen Provinzen erlaubt werden könnte und welche Schritte dafür zu tun sind? - Ob vielleicht vom König selbst ein Geschenk zu erwarten sei, da es ja dem großen Dichter, nicht den Deutschen im Allgemeinen gilt. Was Frau von Goethe anbelangt, so liegt sie jetzt krank in Berlin. Sobald sie sich erholt, geht sie für den Winter nach Wien. Clara Heinke hat mir eine große Freude gemacht und eine reizende Bleistiftzeichnung, Ihr Märchen &Der Engel', welche das tote Kind hinauf zu den himmlichen Scharen trägt, geschenkt. Sie denkt, nächsten Sommer wieder zu kommen zur Baronin Finks, und mit Ihnen einige Tage - Wochen in Maxen zu verbringen! -

Bei den Toasten, bei dem Diner, welches mein Mann den Herren gab - kam am Schluß eine Mittei1ung, die alle rührte: Professor Förster aus München erhob sich und sagte, er hätte eine kleine Geschichte mitzuteilen! l8l3, als er ein Knabe von 13 Jahren gewesen, vor der Schlacht von Lützen, hätten sich vor seinen Fenstern in Altenburg die preußischen freiwilligen Jäger unter Glockengeläut aufgestellt. Da hätte der Eine ihn zu sich gewinkt und ihm ein kleines ... [Ende des Briefes]

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