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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 16. februar 1861

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Dato: 16. februar 1861
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden am 16.Feb.1861

Teurer,verehrter Freund

Längst schon mahnte mich mein Herz,mich Ihnen schriftlich zu nahen, aber die Unruhe die mich umgab, durch die Gegenwart meiner Kinder und 3 Enkelchen, welche 2 Monate hier waren, und die, da noch immer Serres Büro in meinem Eß-und Wohnzimmer ist, sich in meinem kleinen Vorderstübchen aufhalten mußten, wo mein Schreibtisch steht - und mir jedes ruhige einsame Stündchen nahmen - ist die Ursache meines längeren Schweigens!

Meine Gedanken voll Liebe, Verehrung und Treue oft flüchteten zu Ihnen und teilten Ihrem teilnehenden Herzen so manches mit, was mich beschäftigt hat! - Auch machte mir meines Pflegesohnes Zustand Sorge. Er sieht wohl aus, aber oft kommt plötzlich eine Ohnmacht über ihn - und der Arzt meint, es gehe vom Gehirn aus und das ist immer ein schlimmes Zeichen.

Gestern erhielt ich von Gräfin Moltke aus Paris einen Brief. Sie ist glücklich, daß Sigwald wieder bei ihr ist, und wird mit ihm nach Florenz gehen,um ihrer Bertha Kinder zu sehen. So unangenehm ihr anfangs der Ankauf von den Herzog von Augustenburgs Gütern war, so sagt man doch sie seien Millionen Taler wert und Gr.M. hätte kaum die Hälfte dafür bezahlt - ein Zug von Patriotismus ist es doch. Die arme Clara schreibt traurige Briefe über das Blindsein der Mutter, ich tröste sie immer mit Frau von Berge, die ja jetzt wieder schreibt und liest. Das Studium der dänischen Sprache - (ich sagte vorhin, ein Zug von Patriotismus, jetzt sage ich hier, ein Zug von Liebe und Freundschaft) - macht ihr viel Freude und Zerstreuung! Frau von Berge ist noch in Magdeburg - täglich erwarte ich Sie zurück - da den armen Baron Allbright wieder ein leichter Schlaganfall getroffen.

In N.6 der Leipziger Modezeitung steht ein Artikel "Ein Haus in Dresden" [se: 17407 ] - er ist voller Wahrheit im rosigsten Lichte über uns dargestellt - wüßte ich, es wäre Ihnen lieb - ich schickte Ihnen eine Nummer! -

Vom Gr.Herzog von Weimar erhielt ich kürzlich einen langen, liebenswürdigen Brief! Welche für mich so angenehmen Folgen, hat doch unser zufälliges Begegnen auf dem Rhein gehabt!

Ich hätte die größte Lust, die Villa zu haben, und zu kaufen, aber der Müller, der glückliche Besitzer, wartet auf einen reichen Lord - der ihm anstatt 3 000 Taler, wie sie kaum wert - 20-25 000 Taler, wie er zu Serre sagte, dafür geben soll. - Ihr Los hat nach der Berechnung einen Verlagsartikel gewonnen, immer so Verlagsartikel als Schiller, Weberalbum, Apotheose von Genelli, Wilhelm Tell mit Zeichnungen von Kaulbach, die Mzd.Zellisto von Sttimlz{?) rekonstruiert pp ... Schillers Leben und Demetrius - der 11.Gewinn ist ein Größerer, Geschenk oder angekaufter Gegenstand. Endlich sind die Gewinnlisten, zu welchen gleichsam zur Veröffentlichung das Publikum Serre gezwungen, beendet. Sobald sie fertig gedruckt sind, wird das Gewinnausteilen beginnen, vielleicht Ende März! Haben Sie nicht gehört, daß man die Berechnung gemacht legt man jedes Los über einander, erreichten sie eine Höhe wie unsere Kreuzkirche bis zur Kuppel - legt man sie einzeln neben einander - bilden sie 16 M(eilen) soweit von hier bis Leipzig. über 1 000 sind gestohlen und verloren. -

So zurückgezogen ich von der Gesellschaft lebe, da ich in meiner zerstörten Wohnung keine gröBeren Soireen geben kann, ent¬schädige ich mich mit einem Kursus der Kunst-und Malereigeschichte, welche ich auf dem Kupferstichkabinett durchgehe und welchen der Herr Direktor Gruner mit größter Liebenswürdigkeit leitet. Auch höre ich die Vorträge über Goethe von Professor Hettner, der mit Wärme und Begeisterung für ihn vorträgt. Seine englische und französische Literaturgeschichte, jetzt schreibt er die Deutsche des lB.Jahrhunderts, wird allgemein als vorzüglich anerkannt. Ich lese sie mit Albertine, die zu Besuch in der Stadt ist...

[Briefende]

[Randnotiz:] Ich habe einen Verlust gehabt, man hat mir den Brief Thorvaldsens von der Stange genommen.

[2. Teil des Briefes:]

...interessante Abende habe ich im engsten Kreise bei Carus - Alle Frauenschaft und näherer Verkehr, welche er auf die edle Frau von Lüttichau übertragen - welche ihm der Tod entrissen - von all dieser Teilnahme bringt er ein schönes Teil auf mich über, die Einzige beinahe, die aus dieser Zeit ihm Übrig geblieben. Oft bin ich dort - dann liest er Aufsätze, Beobachtungen aus seinem Leben vor oder zeigt Kohlezeichnungen oder andere erworbene Schätze! Ich bin Gott so dankbar, mir das Glück zu gewähren, einem solchen Manne nahe zu stehen. Man schöpft immer Neues und Herrliches aus diesem unerschöpflichen Born von Geist und Wissen! -

Für unsere Secretaria - wie die Italiener sagen - ist aber Fräulein von Mühlenfels diesen Winter für uns. Immer in Streit und Widerspruch mit Serre,immer wieder unternehmungs eifrig, hat sie ewig neue Vorschläge, obgleich sie immer ein edles Ziel der Wohltätigkeit haben.

Daß Auerbach Vorleser der neuen Königin von PreuBen geworden, haben Sie gehört. Ob ihre Wahl bei seiner Richtung eine glückliche,mag dahingestellt sein. Verschwände nur erst in Ihrem lieben Gesicht der Hauch des Ernstes fast möchte ich ihn Hypochodrie nennen! Wer so produktiv-erfindungsreich tätig - wird nicht alt. Ihn schmückt die ewige Jugend. Wie freue ich mich, wieder von Ihnen Neues zu lesen! Ich hoffe, ich verlange nach dem Glück, Sie wieder in Maxen zu besitzen. Italien ist nicht für Sie verschlossen. Wie still und sorglos soll man in Florenz leben und Roms Pforten werden sich nach dem Fall Gaetus (?) wieder öffnen, wenn in anderer Gestalt! Und wiegt es auf und ab dort nicht seit Jahrhunderten? - ist sie auch dem steten Wechsel untertan - die ewige Stadt bleibt doch in ihrer Hoheit.

[Randnotiz:] Wieder ist das Blatt zu Ende. Nur noch von Serre, Minna, Margaret einen Herzensgruß.

Treu . . . die Ihrige Fr.

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