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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 11. januar 1862

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Dato: 11. januar 1862
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden Am 11.Januar 1862

Teuerster verehrter Freund!

Ihr lieber und interessanter Brief ist in meinen Händen, und ich freue mich, daß Sie den Weihnachtsabend so heiter und strahlend verlebten! Bei uns war es sehr still, Serre fühlte sich zu angegriffen,um den Lärm der kleinen 3 Jungen vertragen zu können und so waren Carls nicht hier.

Am 4ten J. ist endlich Geisenheimer abgegangen, - in den Rechnungsbüchern haben sie nicht nur eine schlechte Verwaltung ... durch Vernachlässigung der Termine,aus Absicht oder ohne große Verluste erwachsen, sondern selbst unterschlagene Rechnungen, Serre konnte ihn nicht öffentlich am Pranger stellen, erst hatte er ihm eine zu unbegrenzte Macht eingeräumt, zu wenig die Jahresabschlüsse revidiert und vor Allem, weil Minna darauf besteht, ihn zu heiraten. Sie läuft in ihr Unglück, denn er spielt und trinkt nebenbei!

Sie ist in F1atow und jeder Zusammenhang dadurch abgebrochen. Die arme Frau von Hann habe ich seit dem Tode von Herrmanns, wo ich die Tage bis nach dem Begräbnis bei ihr viel war, nicht wiedergesehen. Sie nimmt Niemand an, außer unserm piedistischen Oberhofprediger Liebner, und den katholischen Geistlichen ihres Sohnes - betet oder liest in frommen Büchern und geht auf Kirchhof und in die Kirchen. Wenn ihr das Trost gewährt, muß es ja gut sein, aber alles über triebene taugt nicht! -

Der alte Papa ist ganz kindisch,körperlich und geistig! - Frau von Berge aber, die Minnas Geschäfte übernommen, findet Zerstreuung in nützlicher Tätigkeit - und dies ist ja das Wahre! Vor Allem aber Dank, tausend Dank für die interessanten Sterioskopen, ich suche mir von allen Ihr Haus, was ich leider nicht bezeichnet finde, Thorva1dsens Museum auf, und jede Ansicht der Stadt, wo so teure Menschen wohnen, ist mir lieb. - Gewiß sehen Sie auch Graf Moltke oft - seine Frau ist trostlos, daß er in den Ferien sie hier nicht besucht, da er sie veranlaßte nach Dresden zu ziehen, wo er sie eher als in Paris aufsuchen könnte. Gestern kaufte ich eine Fotographie wo der König mit Gräfin Donner Schach spielt. Man sagt allgemein, Wanda Zartmann heiratete den jüngsten Bruder der Gräfin Hohenthal, pr.Offizier, der natürlich dann seinen Abschied nähme. Die Hohenthal ist leider nicht in Dresden sie zu fragen.

Der Gr.Herzog von Weimar hat Ziegler für seine literarischen Arbeiten, und den Eifer für die Schillerlotterie den Hofrat-Titel gegeben, natürlich haben wir das Unsrige getan, den Gr. Herz. auf ihn aufmerksam zu machen! - Er verdient die Auszeichnung - leider ist er sehr krank, leidet an Magengeschwüren, der Arzt fürchtet die Folgen, wenn die jetzige Kur ihm nicht anschlägt. Sie können denken, welchen Neid dies erregt! - Dingelstedt bemüht sich im Stillen um die hiesige Theaterintendantenstelle! Denken Sie, neulich hat Lüttichau der Schlag gerührt, die rechte Seite, selbst das Auge, die Sprache gelähmt. - Er ist auf der Straße, als er aus der Kirche ging hingefallen. Doch es geht; wieder ganz gut; er wird sich erholen, wenn nur kein neuer Anfall kommt. Doch wird nur jemand von hohem Namen und Rang, nicht Dingelstedt die Stelle bekommen! Dieser schrieb an Serre, es wäre nun Zeit, der Generalversammlung Rechnung abzulegen - wie es eigentlich stünde -schrieb, als sähe er ihn nur als Werkzeug zu seinen Verwaltungszwecken! Natürlich hat er eine Antwort; bekommen, aus welcher er wohl die Sache von der rechten Seite ansehhen lassen wird! - Doch hat er den Gr.Herzog gegen Serre eingenommen, leider sitzt er dort jetzt auf Liszts Thron, und alle klagen über den grenzenlosen Einfluß, welchen er auf den Herzog ausübt! -

Clara Heinke schrieb mir aus Berlin - noch fand ich nicht Muse ihr zu antworten. Die Glückliche, die Ihre Schriften im Original lesen kann. Ich habe diese Weihnachten 4 Bände Ihrer Schriften in 1 Teil verschenkt. An die Enkelin der Generalin, an meine Nichte Antonie, an den ältesten Sohn von Elise, und noch an eine Ihnen unbekannte junge Dame. Es ist so hübsch Ihr Porträt darin zu finden. Das letzte mir überschickte ist wieder vortrefflich und hat mir große, große Freude gemacht! ich habe nirgends Visite gemacht; und gehe nicht in Runts diesen Winter. Täglich Abends spiele ich mit Serre Passiencen nach dem Tee, und wenigstens einen Tag um den anderen gehe ich zur Gräfin, die glückselig ist; wenn ich komme, da immer Unwohlsein sie selbst am Ausgehen verhindert. Auch sieht sie nur die russische Gesandtin außer einer Freundin aus Florenz, der Tochter der Cataloni. Das sind m eine Sommerpläne! Leider trifft es sich schlimm, daß gerade Frau von Goethe zum Juni durch Dresden kommt; um nach Weimar zu gehen. Wie glücklich hätte mich dies Wiedersehen gemacht; - zumal da sie einige Zeit nach Maxen kommen wollte -doch kann ich meine Pflicht darüber nicht versäumen! - Neulich las ich in den Zeitungen den Tod des Dichters Ingemann, ich fühlte es müßte Ihnen Schmerz bereitet haben und dachte recht innig Ihrer dabei. - Der arme Graf von Lüttichau kann sich nach seinem Gehirnschlaganfall nicht wieder erholen. Körperlich geht es leidlich, er steht auf, geht in der Stube hin und her - aber sein Geist, sein Gedächtnis, seine Urteilskraft, ist geschwächt, und antwortet oft unpassend. Er hat keinen klaren Begriff von Zeit und Ort; - ob er ein Buch rechts oder verkehrt hält - er hat natürlich seinen Posten aufgeben müssen. Obgleich Dingelstedt viele Schritte getan ihn zu erhalten, so soll der König nur aus der höheren Aristokratie den Intendanten wählen. Man glaubt, den Appelationsrat; von Könneritz, welcher die Tochter des Prinzen von Dessau, eine Gräfin Reinar zur Frau hat! - Noch sind die Unannehmlichkeiten des Abgangs Geisenheimers nachhaltig. Er hat abscheulich gehandelt - betrogen, Reste von rückständigen Geldern verfallen lassen, so daß Serre viele Tausende eingebüßt hat. Nun will er 3 000 Taler haben,um sich zu etablieren und Minna zu heiraten, die schon seit Oktober bei ihrem Bruder lebt. Da wir nun weder ein Glück für Minna in dieser Partie sehen, denn er spielt und trinkt, und ist höchst gichtig krank, noch eine Ehre in irgend eine nähere Beziehung zu einem Menschen zu kommen, welcher so gehandelt, so erhält er das Geld nicht. Wie es mit der Heirat noch wird, kann man sich denken, warum hörte Minna nicht auf unsere Vorstellungen - es war solch Ende zu erwarten. Leider sitzt er noch in Dresden ohne Beschäftigung.

Gräfin Moltke lebt still in Dresden, sieht nur mich und Sigwald und die russische Gesandtin Frau von Kokoschky, die Tochter der Catalani, mit welcher sie schon in Florenz befreundet war. Sie braucht eine wunderbare Kur, Terpentinpillen und Arsenikbäder, welche ihr ein Arzt in Paris geraten, Carus schüttelt den Kopf darüber. Im Mai und Mitte September geht sie nach Wiesbaden, im Sommer vielleicht nach Glorup! - Sie ist und bleibt wie eine liebende Schwester für mich! - - Neulich besuchten uns Davisons welche nach Petersburg auf eine Zirkus-Gastvorstellungen gereist ist. Er trug mir Grüße für Sie auf! - Alle Donnerstage hält Dr.Kühne bei sich, im kleinen Kreis, Vorträge über die älteste Literaturgeschichte. Neulich über das Nibelungenlied - über Gudrun das Gedicht, was vor 40 Jahren auf Schloß Ambras aufgefunden, und heute über die Gralssage! Sehr interessant!

Wieder ist mein Blatt zu Ende, warme treue Grüße vom Serreschen Hause.

[Randnotizen: ]Grüßen Sie mir auch vor Allem den lieben Jonas Drewsen und denken in Liebe Ihrer Fr.Serre

Serre will Ihnen herzlich empfohlen sein. Lange hörte ich nichts von der Baronesse Stampe. Grüßen Sie den lieben Jonas Collin, bitte! -

[Brieffragment wahrscheinlich zum Brief vom 11.Januar 1862]

... Von dem lieben Großherzog von Weimar habe ich, wieder Grüße durch Emil Devrient erhalten, leider keinen Brief. Im Auftrag von Dr.Kühne, Redakteur der Europa, soll ich Ihnen sagen, ob Sie nicht ein neues Märchen oder Historie für sein Blatt schicken wollten - Denken Sie, die Gräfin Golde, verwitwete Croßmann, kommt Anfang März oder schon Ende nächsten Monats nach Dresden für einige Wochen, über Wien und Triest, wo sie ihres Sohnes Alfons Frau in Wochen pflegt. Budbergs führen in Rom ein himmliches Leben. ich hätte mit ihnen dort sein können ebenso mit Frau von Schwanenfeld in Vevay den Winter zubringen, aber je älter man wird, je weniger muß man sich trennen voneinander in der Ehe, und obgleich mein Mann in Maxen meist und ich hier, so kann man sich doch in 2 Stunden erreichen! -

Wie schön, wenn Sie uns wieder Vorrat zum übersetzen brächten. Haben Sie nicht Ihre Perlenschnur verlängert, nicht etwa eine 2te Reihe angeknüpft? - Verzeihen Sie nochmals meinen ungeschickten Schuhmacher, der die Pantoffeln zu groß gemacht. Sie haben ihren Zweck erfüllt, wenn sie auf der Reise gedient, in welcher Art es auch sei. - Beschütze Sie Gott und uns erhalte er Ihr treues Wohlwollen! - Fr.Serre

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