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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 27. november 1862

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Dato: 27. november 1862
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden 27.November 1862

Teurer,verehrter Freund!

Dank, tausend Dank, für Ihr teures Andenken auch in der Ferne, im fremden Weltteile. Dank für die interessanten Briefe von dorther. Ich suchte mir sofort Tanger in Marokko, auf der Karte, begleitete Sie mit Auge und Gedanken über Gibraltar nach Cadiz, verfolgte Ihren Weg bis Madrid. Dort also weilen Sie länger und sollen meinen Brief finden, den Clara Ihnen bereits nach Sevilla geschrieben. Wir wechseln so mit Nachricht geben.

Gott sei Dank,ich kann Ihnen Gutes von hier sagen. Serre ist von seiner Krankheit hergestellt, zwar hustet er viel, klagt über Gichtschmerzen und verläßt sein Zimmer nicht, doch soll keine Gefahr sein, und er nimmt geistigen Anteil an allem. Auch mir geht es besser, und ich erholte mich etwas von der Mattigkeit und dem Angegriffensein, Folge der Sorgen und der vielen Nachtwachen bei seiner Krankheit! -

Die armen Heinkes haben einen stilleren Winter, als sie sich wohl hier erwartet-mit eigentlich wenig geselligen Bekanntschaften. Clara malt dafür in Otto Müllers Atelier und lernt das Ölmalen - was ihr schöne Früchte tragen wird und einen bleibenden Gewinn. Ihre Schwester Ottilie findet weniger Gelegenheit Musik zu treiben, sie ist weniger liebenswürdig als Clara und die gute Mama blind. Sie besuchen Lektüren und Konzerte finden aber Dresden weniger gesellig und animiert als Berlin, wo ihre Schwester sich besser amüsiert. Vergebens hofften sie auf Ihr Kommen im Sommer, sei es auch nur für Tage gewesen, und Frau von Goethe war unendlich böse auf Sie, daß Sie es nicht möglich machten. Jetzt hoffen sie auf Ihre Durchreise im April, wo Sie doch gewiß Dresden bei Ihrer Rückreise berühren, welche Freude Ihnen dann zuhören zu können! -

Eine angenehme Erscheinung war hier Birnabon (?), Verfasser der 3 kleinen Novellen - Arne, frischer Bursch, Sinörne?, sein ganzes Wesen ist wie seine Schriften ursprünglich, reizvoll. Er war täglich im Theater, wo er in der Loge von Hofrat Pabst mit welchem er sich sehr befreundet - einen Platz erhielt. Er studierte die Galerie, Museen, besonders das Theater, weil 0le Bull in Christiania ein norwegisches Theater einrichten wird, wo er Intendant sein soll, und da er eigentlich norwegischer Theaterdichter und jetzt eine Trilogie geschrieben, die er übersetzen lassen will - sammelt er Stoff und Erfahrung. Er war öfter bei uns, lieb und gut - ich führte ihn bei Carus ein, doch wollte er in keine Gesellschaft, die ihm Zeit raubte. Jetzt ist er in Berlin, von da nach Kopenhagen, will das Weihnachten dort mit Frau und Kind zubringen - und im Januar nach Frankreich und Paris reisen! -

Alexander Ziegler welcher zuerst hier seine kleinen Vovellen eingeführt - war öfter mit ihm, und führte ihn in der Albina ein, leider fand er dort politische Gebräuche, die ihm unangenehm waren.

Es sind mehrere interessante Persönlichkeiten hier. Ein Brasilianer, welcher Goethe und Schiller in seine Sprache übersetzt - und große Entdeckungsreisen ins Innere seines Landes gemacht - auf Kosten des Staates - ein russischer Dichter Graf Tolstoi, von welchem die Paveloff &Don Juan' eine großartige Dichtung übersetzt - für Hofrat Schleiden aus Jena, welcher durch sein Leben der Pflanzen sich einen populären Ruf verschafft und Vorlesungen über das Leben der Nerven gibt. - Sie Alle waren eines Nachmittags bei mir vereinigt mit der Paveloff, die sie veranlaßte, Eigenes zum Besten zu geben.

Obgleich die Lotterieangelegenheit beendet, der Hauptverein der sie durch Serre geleitet, aufgelöst, so hört Gutzkow und Dingelstedt nicht auf, Serre auf die abscheulichste Weise in vielen Blättern anzufeinden, aus Wut, daß die Regierung die Summe nicht außer Landes nach Weimar gegeben - nur die ...

Obgleich nun von vielen Seiten Proteste gegeben, so hat der Verwaltungsrat der Stiftung doch Gutzkow zum immerwährenden Generalsekretär ernannt, mit 600 Taler Gehalt, wäre dies möglich gewesen ohne den Lotteriezuschuß? - Dafür hatte Serre die Freude, daß die hiesige Zweigstiftung an der Spitze, Minister von Wietersheim-derselben Serre-Namen für ewige Zeiten beigelegt - die Serres ehe Zweigstiftung. Wie wir gedacht, so ist es gekommen. Geisenheimer hat das Verhältnis mit Minna abgebrochen, weil Serre nicht gestorben, und sie etwas geerbt, wie er gehofft - so schreibt er - jetzt sucht sie trostlos ein Unterkommen und einer anderen Familie. Sie war ganz wahnsinnig in ihrer Leidenschaft für ihn! Täglich fast entdecken wir von ihm neue Betrügereien und Unterschlagung von Geldern.

Margaret si tzt desto ruhiger an ihrem Teetisch und grüßt herzlichst - Ich habe einen alten Engländer, Bekannter aus früherer Zeit hier und treibe mit ihm englisch, was ich bei Margaret nicht erreichen konnte! Der arme Lüttichau ist ganz geistesschwach - ebenso Baron Sternberg. Beide vom Schlag gerührt! - - Was könnte ich Ihnen Neues erzählen. Alles geht im alten Gleise ruhig fort.

Die Mad.Helmke begreift nicht - daß Sie Spanien schön finden - ein unkultiviertes Land, wo Fortkommen und Kost so schlecht und mangelhaft sind. Wir beneiden Sie, schon um den warmen Sommer, wir frieren entsetzlich - täglich 7-8 Grad Kälte,das Wasser der Fenster früh hart gefroren!- Den 3ten Dezember reist Sigwald von Paris fort, hierher endlich. Die Gräfin hat für 6 Jahre eine Wohnung genommen. Grafen Harald hat man aus seinem Nachtstück, in Frankfurt, nebenbei stand seine Frau, 6 500 Francs gestohlen, wie nachlässig von ihm.

Wie unangenehm,daß Sie Ihre 0rden verloren, sollten Sie sie nicht wiederbekommen können! Nehme Sie Gott in seinen besonderen Schutz und führe Sie glücklich wieder zu uns Fr.Serre

[Randnotiz:] Serre grüßt tausendfach Viel Schönes an Herrn Collin

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