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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 27. maj 1863

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Dato: 27. maj 1863
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 27.Mai 1863

Theurer,verehrter Freund!

Wenn ich lange nicht schrieb, wenn ich undankbar für Ihre freundliche Erinnerung an meinen Geburtstag schien - so richten Sie nicht streng-zürnen mir nicht. Sie kennen mein treues Herz und seine unwandelbaren Gesinnungen! Sie wissen auch, welch schwere Lasten jetzt auf meinen Schultern ruhen, und welche geistige Kraft ich zusammennehmen muß, um verständig und würdig das neu begonnene Leben mit seinem ernsten Bereich durchzuführen!

Ich wohne seit 3 Wochen wieder in Maxen, wo ich seit 1½ Jahren keine Nacht zubrachte - wie viel gibt es da zu ordnen, zurecht zu legen - in ein gutes Gleis zu bringen. Sie begreifen, daß das Versenken in die schwere Arbeit, welche die Lotterie erforderte, meinen Mann von Maxen abziehen mußte - welche Mißbräuche haben sich eingeschlichen, Betrügereien aller Art - Verluste! Ich könnte nicht allein durchkommen - aber Carl, welcher sich in jeder Art achtenswert beweist, kenntnisreich, in dem ökonomischen Fache, ihm habe ich unter meiner Autorität eine Vollmacht ausgestellt, zur Administration von Maxen. So will ich es ein Jahr versuchen - gibt Gott Gedeihen und Segen - so trenne ich mich nicht von dem geliebten Maxen, wo tausend liebe Erinnerungen, die schönsten meines Lebens, daran hängen, und der Schmerz um dessen Verlust: nicht die Sorge und die Lust aufwiegen, die ich freilich die 1ste Zeit darum trage.Ich bleibe darum ruhig hier, Carl wohnt noch 1-2 Monate mit seiner lieben Frau und Kindern bei mir - um mir beim Abschluß der Jahresberechnung zu helfen, so fühle ich mich nicht einsam, obgleich mich so oft nach meines Mannes Rat und Antlitz verlangt! -

Hofrat Ziegler, der mit Serre zugleich, den Typhus hatte, und elend und krank blieb - da er an gänzlicher Schlaflosigkeit litt - war 14 Tage hier, und hat sich wunderbar auf meinen Bergen - durch meine einfache Kost und Häuslichkeit erholt. Er reist morgen nach Thüringen, später in die Pyrenäen.

Wie würde mich diesen Sommer ein Besuch für einige Wochen von Ihnen erfreuen! Da mein Pflegesohn hier - und auch Jemand von Serres treuen Freunden, so würden Sie männlichen Umgang auch nicht entbehren, und wie gönnte ich der armen Clara dieses Glück! Denken Sie, sie bekam vor einiger Zeit wieder einen Anfall von gänzlicher Contraktion! Da liegt sie denn wochenlang fast: regungslos - es soll ein Erbübel sein! Nun ist sie soweit hergestellt, daß sie auf dem Stuhl sitzen kann und will, wenn sie wieder gehen kann, bei mir eine Milchkur versuchen! Wie wünschte ich auch ihr - Ihre Nähe.

Noch habe ich Ihnen nicht gedankt für die Fotographie, die mir eigentlich weniger genügt, wie einige der Früheren. - Gewiß sind Sie sehr fleißig und erfreuen die Welt bald wieder mit den Früchten Ihrer Reise! - Denken Sie, der Apfelbaum, welcher alle Pfropfreiser emporträgt, viele Ellen hoch -hat zwar nicht geblüht - aber ein junges Bäumchen, von diesem wieder gepfropft -trägt die ersten Früchte dieses Jahr! - Die Eiche ist ein hoher Baum geworden - der Strauch (aus dem Reis der Japonica} ist umfangreich und stand in voller Blüte - nur der Efeu aus der Schweiz kam nicht fort! Ja,überlegen Sie, und kommen und erfreuen mich mit Ihrem Hiersein, jetzt habe ich wieder die Kraft und den Sinn, Geistiges und Poetisches zu genießen!

Sigwald Dahl ist wieder nach Paris und schreibt mir, die Gräfin würde bald nach Glorup reisen, mit ihm, und Mitte Juli würden sich alle Moltkes in Dresden zusammenfinden, weil auf Graf von Seebachs Gut bei Bautzen die Hochzeit Leons mit Fräulein von Seebach stattfinden sollte!

Ein neues Unglück hat die arme Hofrätin Falkenstein betroffen. Ihr Sohn Oskar, in österreichischen Diensten, hat sich beim Pistolenschließen - erschossen, bei Venedig stand er in Garnison. Ob mit Absicht - ob aus Unvorsichtigkeit, oder unglücklicher Zufall - darüber schwebt ein Dunkel. Sie ist eine sehr geprüfte Kreuzträgerin! -

Gestern kam Davison und seine Frau herausgefahren, sehr liebenswürdig - und fragte viel nach Ihnen. Er hat vorigen Winter ungeheure Geschäfte in Petersburg gemacht. Emil Devrient spielt den Sigismund im &Leben ein Traum' in Dresden, und hat nun auch den meisten fremden Bühnen bereits Abschied genom¬men! -

Ich sehne mich nach Nachricht: von Ihnen und grüße in alter, treuer Ergebenheit und Verehrung

Fr.Serre

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