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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 3. maj 1865

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Dato: 3. maj 1865
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 3.May 1865

Verehrter Herr Professor!

Sie ermutigen mich wieder die Feder zu ergreifen Ihnen Nachricht von mir zu geben - Sie gedenken meiner freundlich - und die bittere Kränkung sei vergessen!

Tausend Dank für Ihre herzlichen Wünsche zu meinem Geburtstag - für die interessante Photografie unter deren Dichtersternen auch Sie leuchten! Sie gehen nach dem so ursprünglichen Norwegen und eine neue Schilderung als Mügge sie so phantasiereich uns gegeben - und unter Ihrer poetischen Feder entstehen - Der Bühne wendet sich jetzt Ihr Talent zu - auch Sie folgen dieser verlockenden Syrene, gewiß mit immer größerem Glück! -

Von den 2 schweren Jahren, die ich nach meines Mannes Tod durchlebt, lassen Sie mich schweigen. Ernste Geschäfte gab es zu ordnen ein Chaos-Sorgen von verschiedenen Seiten - Verluste und Erfahrungen aller Art! - Jetzt ebnet sich mein Weg!

Meine Kinder haben ihr Gut verkauft und hier ein einfaches Bauerngut angekauft, doch groß genug um ihnen gehörig Beschäftigung und einen häuslichen Herd zu geben. Kostete es uns Beiden auch Opfer, so gewinne ich ihre Nähe in Maxen, hier eine Autorität, welche auf das Rechte sieht, wenn ich für eine längere Zeit abwesend bin. Denn leider war mein Befinden diesen Winter sehr schlecht. Fortwährendes Husten, Entzündlichkeit der Luftröhre, Atemlosigkeit - fesselten mich an mein Zimmer 5 Mona¬te, ich konnte nicht sprechen, ohne heißer zu werden, und mußte jede Geselligkeit meiden. Nur Prof. Schleiden - Andre - Kühne erquickten mich, und jeder von den Herren hielt in meinem kleinen Kreise mir einen interessanten Vortrag all wöchentlich - so bin ich geistig nicht zurückgekommen. Der Tod meiner guten Albertine von Wolfendorf - Frau von Hanns - Therese v.Nostitz sind mir schmerzliche Verluste, unheilbare Wunden! - 3 Wochen mit Clara in Wien werden mir unvergeßlich bleiben, so schön, so genußvoll waren sie, und Frau von Goethes Liebe und Fürsorge unvergleichlich. Mitte Mai gehe ich nach Ems. Ich bin vom Gr.Herzog eigenhändig eingeladen dorthin nach Weimar, aber ich bin ja zu unwohl, heißer, und muß meinen Besuch bis zur Rückkehr von Ems verschieben! - Nächsten Winter soll ich in ein südliches Klima, vielleicht mit Kammerherr v.Badbergs nach Rom! Doch mache ich keine Pläne. Und da ich als Patronin die all einige Verfügung darüber habe, erhielt ich bis jetzt einige 50 schriftliche Gesuche - und wenigstens 20 persönliche Vorstellungen. Eine richtige, tadellose Wahl zu treffen, ist aber eine schwere Verantwortung gegenüber der Gemeinde und macht mir große Sorge. 0 wie schwer ist das Alleinstehen! -

Sigwald Dahl ist mit Gräfin Einsiedel in Berlin zum Wettrennen, holt dann Gräfin Moltke von Marienbad ab, und Margaret hat die Freude, eine Cousine mit ihr Tochter, die gegenwärtig in Teplitz sind, in Dresden zu haben. Graf von Beaulieu hofft baldigst auf neue Vaterfreuden, was ich glaube, ihm sehr unangenehm ist, da er nicht mehr jung und nur beschränkte Reverenz hat. Er hält interessante Vorträge im geografischen Verein und zeichnet sich durch Geist und Liebenswürdigkeit aus - ebenso ist unser neuer Gesandter, Graf von Kotzebue, ein Gewinn für Dresden. Er hat über die Moldau interessant geschrieben und einige seiner Lustspiele sind mit Glanz aufgeführt, dabei ist er populair. An den Wiederaufbau eines neuen Theaters ist noch nicht zu denken, obgleich Prof.Sempers Plan angenommen, fehlen noch die Mittel, so wird die alte Bretterbude wohl noch eine Zeitlang stehen müssen. Ich wünschte man wählte Beaulieu anstatt Plotinn zum Theaterintendanten. Es ziehen sich viele reiche Juden, Russen meist nach Dresden und lassen sich prachtvolle Häuser bauen, und verteuern alles hier. - Da Prinz Oldenburg, Henselts Protektor sich eine Villa in der Nähe von Dresden gemietet, wird auch Henselt eine längere Zeit hier zubringen, ich erwarte ihn täglich. Gräfin Moltke will aber erst, wenn sie von Marienbad kommt, und nach Glorup geht, Dresden und mich aufsuchen. Wie die Rosen blühen, man möchte sich einwühlen in diese himmliche Blüten, und in ihrem Duft vergehen. Auch der Hofdiaconus Hase aus Weimar bewirbt sich um meine Pfarrstelle, aber eine Gräfin Kalkreuth, seine Braut, scheint mir nicht auf das Dorf zu passen. Herr von Schober, der zum Geburtstag in Weimar ist, schrieb mir gestern, er bäte um Erlaubnis, nächste Woche, bevor er nach Gastein reise, in Maxen zubringen zu dürfen. Heute erwarte ich den Oberleutnant Preußker mit seinen 10 Zöglingen, worunter auch mein ältester Enkel - sie wollen hier bivakieren und hier übernachten, und morgen bis Teplitz marschieren. So fehlt es mir eigentlich an Zerstreuungen nicht, hätte ich nur mehr Kräfte dazu! Meine treuen Gedanken eilen zu Ihnen und neue Wünsche entstammen dem alten Herzen voll Freundschaft für Ihr Wohl!

Stets dieselbe Fr.Serre

[Wahrscheinlich gehört der folgende Briefteil ohne Anrede in diese Zeit:]

Graf und Gräfin bleiben mir trotz aller unglücklichen Politik stets dieselben. Sigwald geht im Sommer nach Glorup, vorher nach Paris die Gräfin zu holen. Graf Leon wird zum 2ten Male Papa. - Hier ist alles unverändert, die Eiche wächst, der Lärchenbaum grünt und ungeachtet man mir sehr zuredet Maxen zu verkaufen, (oder was ich wenigsten zu verpachten), kann ich mich nicht entschließen, mich für meine letzte Lebenszeit davon zu trennen! - Frau von Berge ist munterer als ich - Margaret die Alte. Im Juli erwarte ich Frau von Goethe und ihre Söhne hier. So haben Sie ein kleines, altbekanntes Lebensbild von mir. Ich bin äußerlich und innerlich alt geworden, an Wünschen arm, resigniert. Aber die unendlichen Beweise von Nah und Fern, des Wohlwollens und der Achtung meiner Freunde und Bekannten, von der Maxener Gemeinde, haben mich gerührt und wohlgetan an meinem Gepurtstag! Ich sehe mich oft mit Gräfin Hohenthal, das Schicksal ihrer Nichte Dagmar hat mich tief erschüttert - der arme Großfürst Thronfolger.

Nun leben Sie froh und wohl und gedenken freundlich Ihrer treu ergebenen

Fr.Serre

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