Dato: 10. juli 1865
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 10. Juli 1865

Theurer und unvergeßlicher Freund!

Ihr lieber Brief aus Trysburg in Jütland, wurde mir nach Ems zugeschickt, wo ich 6 Wochen verweilte, um meine sehr heruntergekommene Gesundheit etwas wieder herzustellen. Seit 8 Tagen bin ich zurück und Gott lob, viel besser und der böse Husten quält mich weniger. Also 5 Monate im Winter durfte ich mein Zimmer nicht verlassen, und glaubte oft, es ginge zu Ende. Zurückgekommen warteten wieder ernste Geschäfte Sie glauben nicht; wie schwer es für eine Frau ist, zu entscheiden, zu bestimmen, einen männlichen Entschluß zu fassen und sich mit eben solchen Arbeiten zu beschäftigen! Ich bitte oft, er möchte mich erleuchten, das Rechte zu finden. - Wie freue ich mich, daß Ihre Phantasie und Schöpfungskraft wieder erwacht ist, wem der Himmel mit solchen Gaben gesegnet hat - muß sich auch zum Nutzen der Welt benutzen und zu seinem eigenen Ruhme, und möchten die neuen Märchen mit welchen Sie eine neue Bahn eröffneten recht bald übersetzt erscheinen. Clara Heinke ist in Berlin, wie ich hörte, sie malt viel - und immer mehr sich als Künstlerin ausbildet. Wie ich höre, auch ihre Mutter und Familie zum Winter ganz übersiedeln nach Berlin. Ich erwarte sie hier in nächster Zeit. Den 22-23-24-Juli wird ein großes Sängerfest in Dresden stattfinden, wozu 35 000 Männer angemeldet sind. Wie bei Einquartierungen wird jedes Haus verpflichtet; welche bei sich in Wohnung zu nehmen oder Geld zu geben verpflichtet werden. Es ist ein großartiges sommerliches Volksfest und macht man großartige Vorbereitungen dazu! Die Geburt eines Prinzen hat das ganze Land mit Jubel erfüllt, denn man liebt unsern König allgemein, freilich des Großherzogs von Weimar Hoffnungen sind dadurch zerstört. Mit ihm bin ich in steter Korrespondenz, er ist ein wahrhafter und treuer Freund. Jetzt hat er meines Mannes Büste ins Schillerhaus, die Einzige außer Schillers dort befindliche, plazieren lassen und in seine Bibliothek eine aufgenommen. Das der Vorstand der Schillerstiftung von Weimar fortgenommen und nach Wien unter der Patronatschaft des Bawaricum Münch kamen/Halm/gekommen, haben Sie wohl gelesen. Es hat ihn gekränkt. Wo wäre nicht Neid und Kampf!

Gräfin Moltke schreibt mir aus Petersburg, wo sie ihre sterbende Tante pflegt, einen herzlichen Brief! Trotz ihrer wahrhaft großen Vaterlandsliebe sind diese Freunde mir immer treu und liebreich geblieben, und haben nie Unschuldigen und Harmlosen die Politik nie fühlen lassen!- Sigwald leidet sehr an Kopfgicht und ist in einem kleinen Badeort zur Kur. Für den Winter habe ich einen kleinen Plan, Kammerherr Badbergs reden mir zu, unter ihrer Ägide nach Rom zu reisen, was sehr verlockend ist. (Kein Schluß)

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Maxen am 10. July [18]65.

Theurer, und unvergeßlicher Freund!

Ihr lieber Brief aus Frijsburg in Jütland, wurde mir nach Ems zugeschickt, wo ich 6 Wochen verweilte um meine sehr herunter gekommene Gesundheit, etwas wieder herzustellen. Seit 8 Tagen bin ich zurück und Gott lob, viel besser, und der böse Husten quält mich weniger! Aber 5 Monate im Winter durfte ich mein Zimmer nicht verlaßen, und glaubte oft es ginge zu Ende. Zurück gekommen, warteten wieder ernste Geschäfte. Sie glauben nicht, wie schwer es für eine Frau ist, zu entscheiden, zu bestimmen, einen männlichen Entschluß zu faßen und sich mit eben solchen Arbeiten zu beschäftigen! Ich bitte oft ./. [5355] er möchte mich erleuchten, das Rechte zu finden!

Wie freue ich mich, daß Ihre Phantasie und Schöpfungskraft wieder erwacht ist – wem der Himmel mit solchen Gaben gesegnet hat – muß sie auch zum Nutzen der Welt, benutzen und zu seinem eignen Ruhme; möchten die neuen Märchen, mit welchen Sie eine neue Bahn eröffneten recht bald übersetzt erscheinen.

Clara Heinke ist in Berlin, wo wie ich höre, sie viel malt – und immer mehr sich als Künstlerin aus bildet. Wie ich höre, will ihre Mutter und Familie zum Winter ganz übersiedeln nach Berlin. Ich erwarte sie hier in nächster Zeit, den 22-23-24 July wird ein großes ./. Sängerfest in Dresden Statt finden wozu 35,000 Männer angemeldet sind. Wie bey Einquartirung, wird jedes Haus verpflichtet – welche bey sich in Wohnung zu nehmen oder Geld zu geben [overstreget: verpflichtet werden]. Es ist ein großartiges, sommerliches Volksfest; und macht man großartige Vorbereitungen dazu! –

Die Geburt eines Prinzen hat das ganze Land mit Jubel erfüllt, denn man liebt unsern König allgemein, freilich des Großherzogs von Weimar Hoffnungen sind dadurch zerstört; Mit ihm bin ich in steter Correspondence er ist mir ein wahrhafter und treuer Freund. Jetzt hat er meines Mannes Büste, ins Schillerhaus, die Einzige außer Schiller, dort befindliche placiren laßen, und in seine Bibliothek Eine aufgenommen! Das[s] der Vorrat der Schillerstiftung von ./. Weimar fortgenommen und nach Wien unter der Präsidentschaft des Baron von Münchhausen (Halm) gekommen, haben Sie wohl gelesen. Es hat ihn gekränkt; Wo wäre nicht Neid und Kampf! –

Gräfin Moltke schreibt mir aus Petersburg wo sie ihre sterbende Tante pflegt, einen herzlichen Brief! Troz ihrer wahrhaft großen Vaterlandsliebe sind diese Freunde mir immer treu und liebreich geblieben, und haben mir Unschuldigen und Harmlosen, die Politik nie fühlen laßen!–

Sigwald leidet sehr an Kopfgicht und ist in einem kleinen Badeort zur Cur. Für den Winter habe ich einen kleinen Plan, Kammerherr Badbergs reden mir zu, unter ihrer Aegide nach Rom zu reisen, was sehr verlockend ist ./. Da Frau von Badberg, nach Albertinens Tode, meine intimste Freundin ist – und mir unendliche Proben ihrer Anhänglichkeit gegeben; doch da meine Kinder dies Jahr noch auf ihrem Gute in Gersdorf bleiben müssen, und nicht nach Maxen kommen, bin ich noch nicht frei. - Recht oft, seh ich Gräfin Hohenthal Ihres Königs Schwester, die eben so herzlich und lieb geblieben, auch für mich, als Königl. Hoheit, als wie sonst. Sie hat eine sehr fromme Richtung genommen; mit ihr habe ich teilnehmend das Geschick des jetzigen dänischen Konigs hauses verfolgt! –

In Lissabon denken Sie den Winter zu verleben? wie herrlich – welcher Contrast aber mit Ihrem nordischen Aufenthalt – Poetisch werden ./. Sie ihn verbinden in Wort und Schrift. Ihren eingelegten Brief habe ich an Clara Heinke nach Berlin geschickt, ich denke, sie kommt zum Sängerfest zu mir, oder zu Dresdner Freunden. Frau v. Berge und Margaret tragen mir herzliche Grüße auf.

Sehr erfreuen würden Sie mich, von Ihrer Reise einmal, mir eine liebe Nachricht zu ertheilen! Wann werden wir uns einmal wieder sehen?

Niemal[s]! auch bey längster Trennung werden die Gefühle wärmster Freundschaft und der Erinnerung an Alles Schöne, was ich Ihnen in meinem Leben verdanke – aus meinem Herzen entschwinden.

Möge Gott Sie beschützen!

Fr. Serre

[tilføjelse f.n., p.6:] Sollten Sie in Glorup sein, so grüßen Sie den Grafen und Gräfin viel herzlich von mir.

Tekst fra: Niels Oxenvad (KB affoto 5354-57, 5434-35)