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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 2. oktober 1866

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Dato: 2. oktober 1866
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 2. Oktober 1866

Theuerster verehrter Freund!

Mit wahrer Freude erfüllte mich Ihr herzlicher Brief aus Bordeaux! Ich weiß Sie nun erreichbar in Briefen, weiß Sie wieder geborgen im Vaterland - mit den alten lieben Gesinnungen!

Es wäre mir wohl ein Trost gewesen, wenn Sie über Dresden gereist wären und wir hätten uns nach allem schweren Er lebten wieder gesehen!- Denn Gott weiß, ob es nächstes Jahr möglich ist. Ich fühle mich innerlich so krank, daß ich manchmal denke, schnell macht ein Herzschlag meinem Leben ein Ende, denn zu meinem Halsübel hat sich ein Herzleiden gesellt. - Stockungen in den Schlägen und das nennen die Arzte meinen größten Feind. Ems hat mir diesmal mehr geschadet als genützt, Gewiß waren auch die politischen Aufregungen vernichtend! Der Einzug der Preußen, die unaufhörliche Einquartierung, alle die dabei verknüpften Sorgen lasten schwer auf der Seele! Wohin ist es gekommen,daß nur die Macht und die Gewalt gewinnt, daß sie unsere geliebten Fürsten von ihren Thronen stürzen, Reichssstädte zu Provinzen macht - die Cassen sich aneignet und Gesetze gibt? Wird auch hier Gottes Gerechtigkeit den Usurpator züchtigen? wie die Geschichte so oft aufweist! - Dresden, unser armes Dresden, so zufrieden mit seinem König und Regierung - blühend in Kunst und Wissenschaft - ist eine Fe¬stung welche 16 Schanzen umgibt - und dem die preußische Verwaltung im Lande täglich schon seit langer Zeit 63 000 Taler kostet, die Stadt selbst 10 000 Taler. Was wird aus dem Theater werden, wenn der König nicht mehr jährlich 100 000 Taler zu¬schießen kann. Keine Gesandten mehr Fremde herbeiziehen? Im glücklichsten Fall wird der König ein preußischer Statthalter, denn er verliert auch jede Gewalt über das Militär! Viel Kaufleute hohen Ranges machen Bankrott, viele Familien ziehen fort und verkaufen ihre Häuser! Von Frankfurt sind bereits 800 Familien fortgezogen. Wie wird das alles enden? - Sie begreifen, daß eine traurige Stimmung sich aller Gemüter bemächtigt! -

Wie verwundert wären Sie gewiß, Gräfin Yoldi in Kopenhagen zu finden, die den ganzen Winter dort verbringen wird! - Von Glorup erhielt ich Nachricht, die Gräfin ist mit Sigwald Dahl nach Paris gereist und den 2l. 0ktober wird er über Lübeck nach Christiania zu seiner Schwester bis Ostern bleiben. - Wie sehr ich Frau von Berge vermisse, können Sie begreifen, leer und öde ist es in Maxen seit mein Mann und sie fehlt. Alle die kleinen Sorgen der Wirtschaft, die sie mir abnahm, liegen jetzt auf meinen schwachen Schultern. Wäre ich noch jung und tatkräftig, dann wäre es noch anders! -

Zwar fehlt es nicht an Besuch,Konzertmeister Schubert und Frau und Tochter, Kammerherrn Badbergs waren einige Tage hier, und ich erwarte den Professor Schleiden, Verfasser des Lebens der Pflanzen, er trägt mir oft seine Manuskripte vor. Jetzt hat er das Meer und dessen Leben, illustriert in 12 Bänden oder Heften geschrieben. Einige bekannte Herren der geographischen Gesellschaft besuchen mich und tragen oft das Neueste, was auf diesem, Gebiet erschienen, mir vor. So bleibe ich wenigstens durch geistige Anregung nicht zurück, da ich im Winter fast niemals des Abends ausgehen darf!

Wie sehne ich mich nach einem Wiedersehen nach so langer Trennung mit Ihnen! - Leben Sie wohl und gedenken Sie freundlich Ihrer getreuen

Fr.Serre

Ich muß Ihnen doch noch mitteilen, daß ich in Korrespondenz mit dem Großherzog von Weimar geblieben, welcher mich einladete nach Weimar, da er mich wiederzusehen und zu sprechen wünschte. Ich war von Ems kommend 3 Tage dort, wo er mich im Erbprinz besuchte, auf das Schloß einlud, den Tee bei mir trank und überall Orders gegeben, mir alles Neue, alle Kunstschätze zu zeigen! Das neue Museum nahe der Eisenbahn ist ein solcher Musterbau, der sich den Besten der alten Zeit einreihen kann. Schon stehen die Mauern, 1868 soll es völlig eingerichtet sein. -

Was hätte ich Ihnen Alles mündlich zu erzählen! Der Bürgermeister hat meines Mannes Büste in dem Schillerhaus aufgestellt, den Großherzog in seiner Bibliothek, was mich freute. Es traf sich zufällig, daß gerade mit mir Frau von Goethe in Weimar anlangte, von Wien kommend, nach Schleswig zu ihrer Schwester Ulrike reisend, die Priorin dort des Johannisklosters ist. - Der Großherzog holte mich im Wagen ab und wir fuhren zu ihm und tranken den Tee. Oben in Walters Zimmern, da wurde viel von Wien politisiert. - Der Großherzog fragte viel nach Ihnen und er sei verwundert, daß Sie ihm so lange nicht geschrieben noch besucht und das sollte ich Ihnen schreiben!¬ Wie gönnte ich Ihnen die himmlische Ruhe, welche reiche Früchte der Literatur wird sie wieder bringen. Lange, lange habe ich nichts Neues von Ihnen gelesen! -

Die arme Clara war den Sommer über contract, ich weiß nicht, wie es jetzt mit ihr geht - sie ist fanatische Preußin, und da vermeide ich jede Aussprache mit ihr! - Margaret ist jetzt meine einzige Stütze. Carls sind zu sehr auf ihrem Gute und mit sich selbst beschäftigt - als daß er mir, wie ich hoffte, beistehen könnte. Aber zu lange habe ich Ihre Zeit in Anspruch genommen, leben Sie wohl, und gedenken freundlich

Ihrer treuergebenen Fr.Serre

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