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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 26. marts 1867

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Dato: 26. marts 1867
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden am 26. März 1867.

Theurer, verehrter Freund!

Lange, lange habe ich auf eine Antwort meines letzten Briefes, den ich Ende Januar Ihnen sendete vergebens gewartet, länger zögere ich nun nicht - abermals mich schriftlich Ihnen zu nahen, da in ganz Kurzem Ihr Geburtstag, der 2te April erscheint - und ich Ihren jetzigen Aufenthalt nicht kenne, nicht einmal weiß, wohin Ihnen ein Telegraf adressieren. Ich fühle ungeachtet Ihres Stillschweigens verwehrtten Sie mir dennoch, Ihr freund1ich Andenken - so wie die Gefühle wahrer Freundschaft, nie in meinem Herzen für Sie erkalten. Es bedarf nur einer Veranlassung - eines Wiedersehens, und Jahre der Trennung liegen spurlos hinter uns.

Des Früh1ings Anfang ist da, nach den letzten 4 eiska1ten Wochen mit tiefem Schnee, scheint seit einigen Tagen die Sonne wieder, die Stare ziehen in ihre Nester und hin und wieder sprossen Schneeglöckchen und Veilchen! - Auch für mein böses Halsübel und Husten ist die wärmere Luft heilsam, ich habe viel gelitten diesen Winter und mußte jeder Geselligkeit entsagen; auch einer Einladung der Frau von Goethe die diesen Winter in Weimar zugebracht und selbst des gütigen Großherzogs - der fortwährend mit mir korrespondiert, mußte ich entsagen. Es war das Ziel meiner Sehnsucht den ganzen Winter einige Wochen in Weimar zuzubringen.

Doch oft habe ich in meinem Hause interessante Abende, wo teils musiziert wird oder einer von den Herrn Professoren kleine Vorträge halten, so gehe ich geistig vorwärts, selbst in meinen späteren Lebensjahren, und a1 tert auch das Außere, Gott lob - das Innere ist noch immer jung, und empfänglich für Alles Schöne! Mir sind teure Freunde geblieben, welche mir ratend zur Seite stehen, sobald ich sie bedarf. Auf unser armes Dresden und dem ganzen Lande herrscht ein schwerer Druck, Besiegte können unmöglich aufrichtig herzlich besiegt sein - gegen die Sieger werden sie so wahr zusammenstehen, und Preußen und Sachsen, zweierlei Militär in unserer kleinen Residenz. Daher war auch alle Geselligkeit gestaut; Beide Elemente stärker; Unser armer König, welcher vor kurzem seine jüngste Tochter verloren - ist ja eigentlich nur preußischer Statthalter, steht unter dem preußischen Gouvernement. Weder Post, Telegrafen noch Diplomatie, noch Bestimmung über das Militär ist ihm geblieben - in Kurzem wird es auch mit allen kleinern Fürsten dasselbe sein! Dann wird man erst empfinden, was die kleineren Höfe für Kunst und Wissenschaft getan, und wie alles in den Großstaaten verschwinden wird. Und welche Opfer - muß das arme Sachsen bringen! Um die Summe für Preußen zu erbringen, gibt der Staat - 6 Prozent und allen Guts- und Häuserbesitzern wird gekündigt, oder auch ihre Prozente so hoch heraufgeschraubt, natürlich kommen Konkurse, Falliments, pp.pp.

Nachdem der Bau der Schanzen der Stadt 7 Monate lang täglich 10 000 Taler gekostet, stehen sie jetzt wieder zum Zerstören bereit, so manche Waldung wurde durch sie gelichtet! Die Fremden haben sich von Dresden weggewendet - weil sie keine Gesandten mehr hier finden!- Warten - warten - sagt Andersen, alle Geschichten haben ein Ende!

Ich sah in diesen Tagen öfters Gräfin Hohenthal, die mir stets eine liebe Freundin geblieben, sie konnte dem Begräbnis ihrer Mutter der Herzogin nicht beiwohnen, da sie krank lag - aber ich las die Briefe und es ergriff mich, daß 6 Söhne worunter voran der König von Dänemark, ihren Sarg auf ihren Schultern zu Grabe trugen. Der König verletzte sich noch dabei die Hand, daß sie blutete. Nächstens erwartet die Gräfin ihren Bruder in Ballenstedt nach seiner Rückkehr von England.

[Weiteres Brieffragment:]

Haben sie schon gehört, welch Unglück die arme Heinikefami1ie betroffen? Sie haben den größten Teil ihres Vermögens durch den Bankrott ihres Bankiers verloren! Das Nähere weiß ich noch nicht, doch sollen Alle tief gebeugt sein! Clara hat die unglückliche Idee, eine Stiftung gründen zu wollen bestehend in sogenanntes Heimathaus für Künstlerinnen, es soll ein Kapital dazu aufgetrieben werden, um es erbauen zu können, darinnen kleine Wohnungen,allerdings jede Pensionärin soll 20 Taler monatlich zahlen und dafür dies alles, selbst den Unterricht frei haben, doch ist alles nur auf Berlin berechnet. Sie haben gewiß auch die Statuten von ihr erhalten, hier findet es durchaus keinen Anklang! -

Ich vermisse sehr Sigwald Dahl diesen Winter welcher in Christiania bei seiner Schwester zubringt! - Ende April nach Paris reist und Ende Mai mit Gräfin Moltke nach Dresden kommt, Erstere geht dann nach Karlsbad.

Sahen Sie denn Gräfin Yoldi nicht, die ganz in Kopenhagen eingesiedelt ist? Sie schreibt mir nie von Ihnen. Hätten Sie die Güte per Stadtpost diesen Brief ihr zuzusenden! - Wie mag es Graf Moltke ergehen, wo sind Sie jetzt? Welche Pläne haben Sie für den Sommer? - Der Zweck dieser Zeilen ist vor Allem, Ihnen meines Herzens wärmsten Glückwunsch zu Ihrem nahen Geburtstag den 2 ten April - auszusprechen. Gott schenke Ihnen ein glückliches, gesegnetes Jahr, für mich wünsche ich ein frohes Wiedersehen! In Treue und Ergebenheit Ihre Fr. Serre

[Randnotizen:] Die Eiche wächst hoch in die Höhe, das Schwanennest trägt unversehrt seine Tafel und am Lerchenbaum spricht die Tafel: Dem dänischen Dichter. Keine Politik rückt daran. Margaret grüßt, meine Kinder leben auf ihrem Gute. Die arme Clara geht noch immer an Krücken. Carus ist eine Ruine geworden. Dresden würde Ihnen fremd erscheinen.

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