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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 24. juni 1867

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Dato: 24. juni 1867
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 24 sten Juni 1867

Theurer,verehrter Freund!

Gestern erhielt ich Ihren lieben Brief aus Kopenhagen und schon sitze ich an meinem Schreibtisch, um Ihnen zu gratulieren, zu den Auszeichnungen des Etatsratstitel. Können äußere Ehren genügen, oder wenigstens das Leben verschönern, so wurden sie Ihnen in vollem Maße! Welch reiches Leben liegt hinter Ihnen und haben Sie gewiß noch vor sich! - Mein ganzes Herz gönnt es Ihnen. Ihren Brief aus Paris habe ich erhalten, hätte ihn gern beantwortet, doch Sie gaben mir keine Adresse, noch bestimmten die Zeit Ihren Aufenthalts dort!

Seitdem ist nun Gräfin Moltke, Sigwald Dahl von Paris zurückgekehrt, und erzählte mündlich so viel Interessantes, daß Einem dort der Kopf ganz schwirren muß! - Meine Kräfte reichen nicht mehr aus zu solchen Unternehmungen und Strapazen der Besichtigung der Weltausstellung.

Ich war 5 Wochen in Ems, was mir diesmal mehr geschadet als genützt - denn mein Herzübel hat sich sehr verschlimmert, die Herzklappen schließeN nicht mehr vollständig und machen mir Herzbeklemmungen, hindern die Zirkulation des Blutes, was sich überall fühlbar macht, ich fühle mich sehr elend, und habe keine Hoffnung, daß wir uns noch im Leben wiedersehen! - Gräfin Yoldi schrieb wie erzürnt Sie auf die Deutschen, ich hoffe Sie sagen, auf die Preußen sind, die uns arme Sachsen ja auch Alles, Alles geraubt, jede Selbständigkeit - und den armen König nun zum preußischen Statthalter verwandelt. Keine Gesandten mehr, bleiben besonders von Fremden die Engländer weg, dazu die fürchterlichen Steuern, um eine Armee herzustellen und preußischer zu uniformieren die alle schwer drücken. Die Schanzen um Dresden, kosteten täglich der Stadt 10 000 Taler zu bauen, Wälder werden niedergerissen, Villen, die in der Linie lagen, zerstört, jetzt stehen sie leer, und bald werden sie wieder abgenommen werden mit vielen Unkosten. Wenn aber der Haß gegen das Prinzip sich auf einzelne Unschuldige erstreckt - dann nenne ich das Blödsinn. - Auf meiner Reise nach Ems war ich 6 Tage in Weimar, wo ich Frau von Goethe und ihre Söhne hauptsächlich besuchen wollte. Täglich besuchte mich im Hotel der gütige Großherzog, und kam oft des Abends dahin wo ich eingeladen war, als bei der Goethe, Maltitz und Graf Kalkreuth, und arrangierte selbst, daß ich eines Abends die Frau Großherzogin kennen lernte, und bei ihr einige sehr angenehme Stunden verlebte! Auch dies Land ist arg heimgesucht, muß eine übergroße Menge Militär nach preußischem Stil aufstellen - und langsam gehen in Preußen alle kleinern Fürstentümer auf. Der Gewalt muß das Recht weichen.

Von Ihren poetischen Arbeiten gelangt nichts mehr zu uns - wahrscheinlich lassen Sie nichts mehr ins Deutsche übersetzen - Alles, Alles entweicht der Zeit, selbst das Beste - Schönste. Herr von Beaulieu lebt in Dresden - aber ganz zurückgezogen, niemand sieht ihn!-

Den 28 sten August ist das 800 jährige Wartburgfest, wo Liszt hinkommt und sein Oratorium, die heilige Elisabeth aufführt, es wird ein ungeheures Zuströmen von Künstlern und Menschen dort sein. Im Oktober ist das 25. Ehejubiläum des Großherzogs. Doch genug für heute, nur noch den treuesten Gruß

Ihrer ergebenen Fr.Serre

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