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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 16. marts 1868

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Dato: 16. marts 1868
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Sonntag den 16.März 1868

Theurer,verehrter Freund!

Wie sehr haben Sie mich durch Ihren lieben ausführ lichen Brief erfreut .Es wehte darin wieder der Hauch alter lieber Gesinnungen.Sie machten mich mit Ihren Arbeiten bekannt, für welches das Interesse nie erlöschen wird und erweckten die Sehnsucht eines Wiedersehens und doch fürchte ich Letzteres! Sie werden auch eine Andere finden, eine alte Frau, die nicht mehr die einstige Elastizität hat - aber geistig an allem Schönen teilnimmt und bis zum letzten Hauche immer Neues hören und Wissenschaftliches lernen möchte. Leider ist mein Befinden fortwährend nicht gut. Ein chronischer Husten quält mich Tag und Nacht und raubt mir meine Kräfte. Dazu hat sich ein Herz-Übel ausgebildet, was mich bei jeder raschen Bewegung atemlos macht.

Sie begreifen, wie ich so alle schönen Pläne für den Sommer tief im Hintergrund stellen muß. Erlaubte es aber mein Gesundheitszustand, so reiste ich im Mai über Weimar, wohin mich der Großherzog freundlich aufgefordert, nach Schleswig, besuchte dort die Priesterin Ulrike und ihre Schwester Ilona von Goethe, die bei ihr jetzt lebt - reiste von dort nach Glorup, wohin mich der Graf alljährlich in alter Freundschaft einlädt, ginge nach Kopenhagen, wohin meine Sehnsucht mich führt - und schaute endlich diese großartige, herrliche Stadt mit seinem Thorvaldsenmuseum. Auch möchte ich meine alte Freundin Gräfin Yoldi besuchen, die durch einen unglückseligen Zufall beinahe ihre Augen verloren und noch beinahe blind ist. Was aber sind des Menschen Pläne und Wünsche, alles hängt von seinem höchsten Gut,der Gesundheit ab! Obgleich ich nicht den ganzen Winter ausgehen konnte, so habe ich oft kleine interessante Abendunterhaltungen bei mir. Die Spitzen der Musikfreunde, Künstler lassen sich bei mir hören. Professoren lesen Aufsätze vor, die sie in ihren Gesellschaften gehalten, und dies erhebt und zerstreut mich, wenn meine Stimmung trübe ist. Maxen ist mir eine schwere Last, die Verwaltung alles übrigen, außer der ökonomie, die verpachtet und einen tüchtigen Geschäftsführer zwar anvertraut - aber doch meiner 1sten Stimme bedarf, macht mir Sorgen in jetziger Zeit, wo die Steuern erhöht - größere Prozente den Interessen festgestellt - überall Geldmangel herrscht. Zwar ist mein Haus nie leer von lieben Besuch - aber es ist doch groß und öde - seitdem sein Haupt fehlt. Daher will ich Maxen verkaufen, findet sich Gelegenheit, es auch vorteilhaft zu verkaufen! -

Die arme Julie Burrow starb eines ganz ähnlichen Todes wie Thorvaldsen. Der Schlag rührte sie im Theater. Leider lebte sie die letzte Zeit in großer Dürftigkeit. -

Sigwald Dahl hat nun den Aufsatz der dänischen Zeitung, in welchem so schön Ihre Biographie geschildert, ins Deutsche schriftlich übersetzt und das dänische Blatt behalten. Ich teilte es Gräfin Hohenthal mit, welche, wie immer, mir eine treue und teilnehmende Freundin ist! -

Die Hofrätin Falkenstein liegt seit Wochen an einer Nervenauszehrung krank, unheilbar, wie die Ärzte sagen. Carus hat seine Tochter Marianne an Nervenfieber im Januar verloren. Sein noch immer tätiger Geist richtet ihn über diesen großen Verlust auf. Er sieht Abend wieder einige Freunde bei sich, hört Musik und schreibt den 5ten Teil seiner Lebenserinnerungen.

Wie unaussprechlich erfreut auch der Bericht Ihrer Geistes- und Körperfrische! Gott erhalte Ihnen Beides.

Herr von Beaulieu hat sich hier angesiedelt. Er besucht mich oft wie alle Weimaraner Künstler und hat jetzt sein 8tes oder 9tes Kind bekommen. Wir sprechen oft von Ihnen, ebenso stehe ich fort und fort im Briefwechsel mit dem Großherzog von Weimar. Er ist in einer ernsten Stimmung - sein liebes Militär ist ihm genommen wie die Uniform Carl Augusts und in die preußischen Staaten versetzt, Polizisten bewachen ihn und seine Hofgesellschaft. Die Abgaben seines Landes und Residenz so groß, daß auf lange Zeit sie kaum zu bestreiten sind ganz wie in Dresden - und Alles löst sich - jede Selbstständigkeit nach und nach, durch die Not auf. Wahren Gesinnungen, die sich aussprechen, begegnet man selten, doch hat das kürzliche vollbrachte Attentat an dem Kronprinz durchaus keine politische Tendenz. Es geschah von einem dummen persönlich gekränkten Menschen.

Sie würden Dresden verändert finden und sich gern nach Maxen zu treuen Herzen flüchten! Warum erscheint keins Ihrer letzten Werke mehr in deutscher Übersetzung? Welcher Verlust für unsere Literatur! -

Wenn Clara und Ottilie den Verlust der sehr alten und kranken Mutter überwunden, werden sie die Annehmlichkeit der Freiheit empfinden. -

Wie geht das Herz auf bei dem Frühlingssonnenschein-dem Morgengesang der Vögel! Brauchte ich nicht die Nähe eines Arztes, fürchtete ich nicht das kalte Haus, ich zöge bald hinaus! -

Noch einen Gruß zum Lebewohl und die Bitte, beikommende Briefe gütigst in Kopenhagen abzugeben.

Lesen Sie das kleine Kaleidoskop von Dresden, was ich an Herrn Bunk sende, da er alle die Menschen kennt, die darinnen aufgezeichnet - auch unseren Namen werden Sie finden!

Wollen Sie ein gutes Wort bei der Stampe einlegen, daß sie mir eine kleine Zeichnung von Thorvaldsens Hand schickt? - Das Blatt aus meinem Tagebuch, Sie gaben mir Ihr Wort - ist nur für Sie zum Durchlesen! - Reisen Sie glücklich und denken zuweilen unser freundlich. Fr.Serre

[Randnotiz:] Solange ich allhier, wird meine Seele in Dank und Freundschaft Ihrer denken. So sehen Sie hier ein Bild meines Denkens und Lebens. Erquicken Sie mich von zeit zu Zeit mit einem lieben Briefe, stets und immer dieselbe

Fr.Serre

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