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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 2. maj 1871

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Dato: 2. maj 1871
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Dresden am .2 Mai 1871

Theuerster Freund!

Ihre lieben Zeilen kamen gerade an meinem Geburtstag! Sie waren mir wie Lerchengesang! Einige Tage vorher hatte ich vom Buchhändler &Glückspeter' zugeschickt bekommen. - und Frau von Zabel las ich was vor - welch reizender Humor, welche rührende Momente darin. - Wie hört man in jedem Wort die Stimme des teuren Freundes dabei. Die beiden Gedichte sind auch reizend, wie wahr die 4 Zeilen. A1les schwindet - die Jugend dahin, auch die Hoffnung, Dein Liebstes wird schwinden. Wie der Wind flattert Alles dahin. Und kein Sieg an Dein Herz läßt sich binden. Ja, alt werden ist schwer, schwer, wenn man fühlt, daß die Kräfte mehr und mehr schwinden, schwer, wenn körperliches Befinden Lieblingspläne scheitern macht - schwer, wenn man den Freunden mit ergrauten Haar entgegentreten muß - und allerhand Schmerzen und Leiden sich unabwendbar melden und doch wird das Herz nicht Wünsche leer, wenn auch hoffnungslos arm! - Ich habe den ganzen Winter sehr still gelebt. Die aufreibend große Kälte hatte meinem Halsübel sehr geschadet - ich konnte nicht sprechen ohne sofort heiser zu werden und mußte selbst im Hause jede Geselligkeit aufgeben. Die Anwesenheit von Gräfin Moltke aber entschädigte mich für Alles. Fast täglich besuchte sie mich und schüttete ihr angstvolles Herz in meinem Saale aus.- Leon in Paris - Harald öfter Blutspuckend, quälte sie, daß er immer in die Armee eintreten wollte - macht große Schulden im Spiel und Luxus und ihre Schwiegertochter geb.Seebach war mit den Kindern in der Nähe auf dem Gute ihrer Eltern. Natürlich daher, daß sie keine Gesellschaft besuchen wollte, noch Bekanntschaften machen, noch fremde Gesichter sehen.

Zum wahren Unglück kam am 7ten März Gräfin Yoldi, welche in Versailles geblieben, während die deutschen Fürsten dort ihr Hauptquartier aufgeschlagen und die preußische Einquartierung selbst verpflegte. Als aber wieder 30 000 Nationalarmee dort einrückten, mußte sie fliehen und kam nach Dresden, um sich hier zu etablieren, einstweilen. Sie können mir glauben, wie verschieden beide Gräfinnen und wie es mich in Verlegenheit setzt, wenn sie sich bei mir treffen! An meinem Geburtstag brachte mir nach Mittag Krägen eine Musik, ein Kammerspiel mit 8 Händen auf. 2 Pianos von seinen Schülerinnen. Dazu hatte ich zum Kaffee nämlich heute alle Bekannte eingeladen, die mir gratulieren kamen. Es waren gegen 80 Personen hier, und dennoch habe ich 57 Gratulationsbriefe und Telegramme erhalten, 18 Buketts, 4 Blumenkörbchen, 4 große Vasen mit Blumen. Es duftete wie in einem Treibhaus. Leider finde ich die Drahtbuketts - eine große Verschwendung. Sie dauern ja nur 2 Tage. Der kleinste Blumenstock aber treibt nächstes Jahr neue Blüten.

Carl Riccius hat eine sehr junge, schöne Frau - leider mehr zum Staat als fürs Haus. Hauptmann Dielitz war nach Versailles kommandiert zur unterirdischen Rekogniszierung der Katakomben. Er und Constanze Hopfe und Magaret tragen mir Grüße auf.

Mir blutet das Herz, denke ich an das schöne, arme Paris - Wer konnte mit Vertrauen in den Friedensjubel einstimmen? So Gott will, Mitte Mai denke ich nach Maxen zu übersiedeln. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, Sie wenigstens im Spätsommer zu sehen/Dankbar und in Treue grüßt Sie

Ihre alte Freundin Fr.Serre

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