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Brev fra Carolina, Lina von Eisendecher til H.C. Andersen 25. marts 1844

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Dato: 25. marts 1844
Fra: Carolina, Lina von Eisendecher   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg den 25 März 1844

Auch ohne Ihre Erinnerung, lieber Freund, hätten Sie zum. 2ten Aprill einen Brief von mir bekommen, dieser Tag war ja für mich schon ein Festtag, ehe ich Sie kannte, wie viel mehr jetz wo alle meine Träume Wahrheit geworden sind. Tausend W.ünsche für Ihr Glück steigen zum Himmel empor, aber gewiß sind keine inniger wie die meinen. Möge Ihnen die Zukunft alles geben was Sie erhoffen, ersehen, Ehre für Ihren Geist, Liebe für Ihr Herz, Freundschaft für Ihr Gemüth. Das letzte hoffe ich haben Sie bei uns gefunden. Ich kann mir jetz die Zeit wo ich Sie nicht gekannt garnicht mehr denken, und eigentlich hat die persönliche Bekanntschaft doch auch nichts geändert, Sie waren mir dasselbe wie jetzt, aber freilig füllte ich noch kein Plätzchen in Ihren Gedanken aus, und durch Gegenseitigkeit erhält jedes Gefühl erst seine wahre Weihe.

Voriges Jahr waren Sie an Ihrem Geburtstag in Paris, und grade in dieser Zeit erhielten Sie auch den ersten Brief von mir, wie schön daß alle Hoffnungen die sich für mich daran knüpften so in Erfüllung gegangen sind, jeder Versuch der Art ist und bleibt ein Waagstück. Es ist aber doch gut daß Sie diesmal zum zweiten Aprill in der Heimath sind, grade an solchem Tage dächte ich, fühlte man sich in der Fremde einsam.

Doch nun auch zu Ihren Brief, der mir grade diesmal einen ganz überwältigenden Eindruck machte; Ihr kleines Märchen »Der Engel« traf .mich in einer Seelenstimmung, wo ich es nur zu gut verstand - am ersten Februar starb meine kleine Ida. Wie tief, wie namenlos der Schmerz ist wenn zum ersten mal des Todes kalte Lippen eines unserer Lieben küßt - - ach! Ich mag nicht davon sprechen, ich kann es auch nicht, es ist mir noch zu neu, zu frisch im Gedächtniß. Sie sagen im »Nur ein Geiger« »Tod, eine Welt voll Schmerz liegt in diesem Wort,. und nur ein anderes, kurz wie dieses vermag uns Trost ins wunde Herz zu träufeln, es heißt Gott«. Dieser Satz hat in dieser Zeit mehr wie je mir zu denken gegeben. Gott, der U rheber alles Erschaffnen, ist unser Trost, weil wir wissen, daßdurch ihn, jede Seele, sei sie noch so klein, erhalten wird, aber wo bleibt das Bewußtsein? das. Gerdächtnis? Ich kann kein Wieder Erkennnen in jener Welt glauben, und da ist dann doch jeder Trost nur ein Scheintrost, denn uns ist der Todte verloren, wir beweinen in ihm einen ewigen Verlust. Selbst der Gedanke der körperlichen Vernichtung isi dem lebenswarmen Menschen entsetzlich, hätten Sie meinen kleinen Engel gesehn, er war so hell und ihn mußte ich der Erde geben. - Doch nicht mehr, es paßt auch für Sie nicht, wenigstens nicht an dem Tage wo Sie uns alle gegeben wurden. Tausend Dank für Ihr Märchen, für mich war es mein Kind welches der Engel zum Vater trug.

Das andere kleine Märchen hatte ich grade wenige Tage vorher in einem deutschen Journal gefunden, es ist allerliebst, und nur Sie könnten der Verfaßer sein. Darf ich »den Engel« wohl in ein deutsches Journal schicken? es ist so lange nichts von Ihnen in Deutschland erschienen, und ich weiß daß man sich freut wenn man einmal wieder Ihren Namen sieht. Wie freue ich mich zu der Herausgabe Ihrer neuen Märchen, wie herrlich ist es daß Sie mir gleich schicken wollen. Aber die alle rbeste Nachricht in Ihrem Brief ist doch daß Sie wahrscheinlich zum Sommer kommen, das ist ganz himmlisch, und unter r4 Tagen lassen wir Sie garnicht wieder fort. Sie können ja auch hier schreiben, ich richte Ihnen eine Stube dafür ein. Nur dürfen Sie nicht gar zu spät kommen, denn im Juli denk ich ins Seebad zu gehn, und Zwar nach unserm romantischen Nordseefels Helgoland. Das müßten Sie eigent lich kennen, denn es ist gewiß das Interessanteste was sie in der Art sehen können. Wer weiß vielleicht machen Sie auch dorthin Ihren Weg, haben Sie keine ganz weiten Reisen vor ist dies immer schon belohnend genug. -

Endlich, endlich scheint hier der Frühling zu kommen, und . obgleich der Winter hier nicht so streng gewesen wie bei Ihnen, so ist doch diese ewige naßkalte Witterung unerträglich. Der Frühling ist etwas ganz eigenthümliches, dieses Auferstehen der Natur erfüllt uns mit wunderbarer Sehnsucht, man möchte hinaus, in die Weite, selbst die glücklichste Häuslichkeit genügt uns nicht. Wie glücklich sind Sie daß Sie einer solchen Sehnsucht genügen können, unser beschränktes Frauendasein ist mit tausend Fädchen an seine Häuslichkeit gebunden.

Von Ihren hiesigen Freunden kann ich nur Gutes sagen, Kobbe kränkelt viel, und lebt sehr einsam, literarisch ist er thätig. Mayer hat Gedichte herausgegeben, die recht hübsch sind. Stahr macht Reisepläne nach Griechenland. Das arme Griechenland, dem leuchten nicht viel freundliche Sterne in der dunklen Zukunft. Wer weiß ob die Königin dort bleibt.

Doch es ist Zeit zum Schluß, soll mein Brief noch heute in Ihre Nähe seinen Weg nehmen, hoffentlich kommt er zur rechten Zeit, Ihr letzter Brief war nur 6 Tage unterwegs. Von meinem Mann hätte ich gewiß die allerbesten Glückwünsche; aber er ist auf einer kleinen Reise und weiß nicht daß ich Ihnen schreibe. Lassen Sie auch bald wieder von sich hören. Ihr Deutsch kann ich recht gut lesen! Adieu lieber, lieber Freund. Mit treuer Freundschaft

Lina von Eisendecher.

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