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Brev fra H.C. Andersen til Conrad Rantzau-Breitenburg 6. maj 1843

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Dato: 6. maj 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Conrad Rantzau-Breitenburg
Sprog: tysk.

Euer Exzellenz

Paris, den 6, Mai 1843

empfange zunachst meinen herzlichsten Dank fur Ihrengesegneten lieben Brief, der genau an meinem Geburtstag eintraf und der einzige war, den ich an diesem erhielt; es war edel und schön von Ihnen, daß Sie mich so haben erfreuen wollen. - Ich, habe Ihnen dafür bisher noch, nicht gedankt, noch nicht geschrieben, weil es mir hier jeden Tag war, als müsse ich etwas von den interessanten Bekanntschaften erziihlen, die mich am nächsten erwarteten; in det Tat hat mich ein Tag nach dem andern mit neuen und interessanten Personen in Verbindung gebracht. Niemals hätte ich geglaubt, solche Liebe und Aufmerksamkeit hier in Paris zu finden; ich glaubte immer, es sei fur einen Fremden sehr schwer, in die Salons zu kommen, und dabei ist es für mich ganz leicht gewesen; ich hatte nicht ein einziges Empfehlungsschreiben mit, und doch bin ich von Haus zu Haus wie getragen worden, in jedem habe ich eine neue Bekanntschaft gemacht, die die folgende hervorgebracht hat. Euer Exzellenz wissen, daß Marmier in der Revue des deux mondes meine Biographie geschrieben hat, die haben die meisten Autoren gelesen, und man hatte deshalb Interesse an mir; von aU en am meisten muß ich Alexandre Dumas loben, er hat sich meiner recht angenommen. An einem der ersten Tage, an dem wir uns sahen, fragte er mich, ob ich Lust hatte, Rachels Bekanntschaft zu machen; ich äußerte meine große Lust dazu, und als sie danach zum ersten Mal wieder spielte (es war in Phädra), gingen wir hinter die Kulissen im Théatre Français, wo die große Künstlerin mich auf das herzlichste empfing! Ich habe später jedesmal, wenn sie spielte, das Theater besucht und gehöre nun zu ihren größten Bewunderern; neulich erhielt ich von ihr eine Einladung zu einer ihrer vielbesprochenen Soireen, bei denen die Gesellschaft immer sehr erlesen ist, und mich ehrte sie, indem sie mir den Platz an ihrer Seite gab, Victor Hugo hatte mir gesagt, sie spreche deutsch, zumindest hatte er sie einige deutsche Worte zu Baron Rothschild sagen hören; ich fragte sie, ob sie deutsch mit mir sprechen wolle, und sie antwortete mit der vortrefflichsten deutschen Aussprache: Ich spreche, gar keine Deutsch, aber lesen kann ich wohl!" und so wurde französisch gesprochen. Ich und mehrere deutsche Bücher auf ihrem Tisch, darunter Grillparzers' Sappho, außerdem Schiller und Goethe; sie wohnt prächtig, als wäre sie eine Königin, aber das ist sie ja auch im ewigen Reich der Kunst. Sie hat einige freundliche Zeilen in mein Album geschrieben, ich freue mich darauf, Euer Exzellenz diese zu zeigen; ja, mein Buch hat einen reichen Strauß empfangen, seit Sie es zuletzt gesehen haben, doch ist darin wohl ein kleines Gedicht von Lamartine die bemerkenswerteste Blume. Lamartine selbst hat mir im höchsten Maße gefallen; er scheint von allen Französen derjenige, der die klarste Vorstellung von unserem Norden und den Verhältnissen dort hat; er sprach sehr hübsch von unserem König und unserer Königin, die er aus Castelamare kennt. - Victor Hugo, Balzac, Alfred de Vigny - ja, ich konnte eine ganze Schar aufschreiben, alle haben sie gesucht, mir den Aufenthalt hier angenehm zu machen, und ich habe so viele Bücher von ihnen bekommen, daß ich sie mit dem Dampfschiff nach Hause schicken mußte. Noch eine liebenswürdige Personlichkeit mag ich erwähnen, den berühmten Bildhauer David (d'Angers), ich darf beinahe sagen, ich habe in ihm einen bestandigen Freund gewonnen, seine Natürlichkeit, sein schlichter gerader Sinn versichern mich dessen. - An großen Soireen habe ich zwei höchst angenehm gefunden, die eine war bei Gräfin Bocarmé, die andere bei Baronin Pfaffis. Und wie bin ich dahingekommen? Auch durch Zufall! Im Haus bei Grafin Bocarmé war eine junge deutsche Kostgängerin, eine Baronesse Bornstedt aus Luzern, die ein bißchen fur meinen Roman Nur ein Geiger schwärmt; sie hörte, daß ich in Paris sei, schrieb mir und - obgleich ich am Anfang glaubte, diese Einladung sei doch ein bißchen verrückt, ging ich hin, - aber es war nicht verrückt, es war eines der ersten und besten Häuser, wo ich mehrere interessante Bekanntschaften, Zum Beispiel die von Madame Rebaud, machte. - Bei einer der Soireen der Dichterin Madame Ancelot unterhielt sich ein höchst interessanter Herr lange mit mir, und wer war es - Martinez de la Rosa. Ich begreife selbst nicht, wie ich mit der Sprache durchkomme, denn ich spreche noch schlechter französisch als deutsch, aber sie verstehen mich, trotzdem alle, sie haben Interesse an mir, ja selbst Rachel sagte neulich wirklich höflich: "Ich höre lieber Ihr munteres, gutes französisch als das von hunden anderen Fremden, ich verstehe Sie gut, denn Sie sprechen es von innen heraus aus, und das ist das Richtige!" - Die Französen sind außerordentlich nachsichtig. Montag verlasse ich Paris und gehe nach Straßburg; von don aus wahrscheinlich nach Amsterdam und dann über Hamburg nach - Breitenburg; ich freue mich so sehr darauf; von Hamburg aus werde ich mir erlauben, Euer Exzellenz zu melden, an welchem Tage ich eintreffe, und so 8 bis 10 Tage werden Sie mir wohl eine Heimstatt gönnen!

Allerunrettanigst Ihr von Herzen

ergebener und dankbarer

H. C. Andersen

N. S. Meine ergebenen Grüße an Euer Exzellenz Schwester, Bruder und die übrige liebe Umgebung.

Tekst fra: Se tilknyttede bibliografiposter