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Brev fra H.C. Andersen til Conrad Rantzau-Breitenburg 27. juli 1843

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Dato: 27. juli 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Conrad Rantzau-Breitenburg
Sprog: tysk.

Glorup, den 27. Juli 1843

Euer Exzellenz

empfange meinen herzlichsten Dank fur Ihren lieben, gesegneten Brief, den ich vor einer Woche erhielt, als ich nach einem kurzen Ausflug wieder nach Holstenshus zuruckkehrte. Ich danke Ihnen erst jetzt, nachdem ich einen bestimmten Ort weiß, an dem mein Brief Sie erreichen kann. Alles war wohlauf im Holstenschen Familierikreis, wo es mich recht gefreut hat, mit Eurer Exzellenz Schwester zusammen zu sein; sie ist so sanft und gut, von so natürlicher Klugheit, daß ich sie recht schätze. Letzten Sonntag fuhr ich in ihrem Wagen mit ihr und Frau von Qualen nach Hvidkilde, wo aus Anlaß des Geburtstags der Baronin ein großer Festtag war. Wir waren viele Fremde. Der Kronprinz hatte sich zum Mittagessen angemeldet; er lag mit seinem Schiff gerade im Svendborg Fjord, aber es kam eine Absage von ihm, weil der Wind günstig war und er am selben Abend bei seiner Gemahlin [in Frederiksgave bei Assens] eintreffen wollte. Am Montag sagte ich auf Holstenshus Lebwohl und verbringe nun diese Woche beim alten Grafen Gebhard Moltke, der mir auftragt, Euer Exzellenz besonders viele Grüße auszurichten und seinen Wunsch zum Ausdruck zu bringen, daß kommen Sie einmal uber Fünen, Sie nicht an seinem Gut vorbeifahren. Bei ihm ist zur Zeit [sein Bruder] Graf Otto Moltke mit Frau; ich denke, sie bleiben längere Zeit hier. Ich verlasse Fünen schon am Montag, um auf Bregentved am 1. August, dem Geburtstag der Gräfin, einzutreffen. Ich wäre während des Aufenthalts des Königspaars [Mitte Juli] so gern dort gewesen, um Gelegenheit zu haben, mich dem König und der Königin persönlich vorzustellen. In den wenigen Tagen, an denen ich nach meiner Ruckkehr in Kopenhagen war, gab es nur einen Audienztag, imd da war ich nicht so glücklich, mit hineinzuschlupfen. Nach [der Sommerresidenz] Sorgenfri hinauszufahren hatte ich, ehrlich gesagt, keinen Mut, obgleich die Majestäten jederzeit sehr gnädig gegen mich sind und Ihre Majestät im vorigen Jahr sogar sagte: "Wenn wir in Sorgenfri sind, kommen Sie doch hinaus", ja sogar hinzufUgte: "Wir werden Ihnen einen Wagen geben lassen!" So vieler Gnade ungeachtet, bin ich in diesem Punkte von einer eigenen Verlegenheit, habe ein Gefühl, als könnte ich zudringlich erscheinen, als wollte ich den Augenblick ausnützen! - Darf ich hoffen, daß Euer Exzellenz mich beim König und der Königin in Erinnerung bringen? Ich weiß, daß niemand das besser kann als Sie und daß niemand mir wohlgesonnener ist als gerade Sie! - ich weiß nicht, ob der König von Vieweg das ihm gewidmete Exemplar meiner Sämtlichen Werke bekommen hat, Yieweg hat mir davon nichts geschrieben. Von dem Exemplar, das selbst empfangen zu haben Euer Exzellenz mir melden und dessentwegen Sie mich fragen, ob es von mir oder vom Verleger kommt, muß ich sagen, daß der Verleger es schickt; es ist Vieweg selbst, dem es zur Ehre und Freude gereicht, dem Manne, dem ich mich verbunden fühle, ein Exemplar der deutschen Gesamtausgabe zu schicken.

Von Fritz Moltke bekam ich gestern abend einen Brief. Er ist so freundlich, mich zu drängen, nach Bregentved zu kommen, und ich eile daher weg und bin dort, wie gesagt, am 1. August: Nach einem Besuch von acht oder zehn Tagen gehe ich nach Kopenhagen, und dann ist das Sommer-Drama vorbei, dann soll dort recht ans Werk gegangen werden. Doch bin ich hier auf dem Lande recht fleißig gewesen; gerade gestern abend habe ich die vierte Abteilung des Ahasverus beendet; die fünfte wird indessen der schwierigste Teil, da sie sich in meiner eigenen Zeit bewegt und ich daher manche Rücksichten zu bedenken, so manche Klippen zu umschiffen habe. Ich muß meine ganze Zeit darauf verwenden und kann keine andere Arbeit anpacken, die Geld einbringt. Auch wenn der Ahasverus glückt, wird er niemais einträglich sein; die Ehre muß hier mein Goldfisch sein, und den möchte ich am liebsten auch fangen. Gerade bei meinen größeren und besten Arbeiten muß ich an Euer Exzellenz Güte mir gegenüber denken. Ohne Ihre große Herzlichkeit und Fürsorge hätte sich niemand meiner Sache bei dem guten König Friedrich VI. angenommen, ohne die mir damals bewilligten 200 Speziestaler hätte ich schreiben müssen, allein um leben zu können, vielleicht für die Zeitungen schreiben müssen, was mir ganz fürchterlich ist! Nun kann ich mich mit Sparsamkeit durchschlagen und mit dem kleinen Überschuß, den einmal eine dramatische Arbeit abwirft, einen kleinen Ausflug wagen und dabei Jugendfrische und Ideen einsaugen! - Jetzt sehe ich freilich auf lange Zeit keine Aussichten, herumzuschwirren, aber das Glück kann ja an die Tür klopfen, wenn man es am wenigsten erwartet.

Als Euer Exzellenz einmal im Winter auf Breitenburg mit mir über mein Auskommen, über die Notwendigkeiten des Alltagslebens sprachen, rieten Sie mir, ich könne mich ja einmal dem König gegenüber äußern, um eine kleine Erhöhung der mir jährlich bewilligten Summe zuerhalten. Wahrscheinlich würde eine solche mich ganzlich unabhängig machen, aber ich glaube doch, daß ich niemais einen solchen Versuch machen darf; ich muß dankbar sein und zusehen, wie ich mir helfe; sonst könnte es mir vielleicht ergehen, wie es dem Fischer und seiner Frau in dem alten Märchen ergeht; sie wünschten sich solange etwas, bis sie am Ende wieder im Schlammgraben saßen. - Ich bin dankbar und froh für das, was ich habe, und werde immer daran denken, daB es Euer Exzellenz sind, der dabei wirksam war, immer werde ich mich daran erinnern, daß Sie und mein vaterlich gütiger, lieber Collin meine beiden großen Wohltäter sind, die nach dem Willen der Vorsehung liebevoll in mein Leben eingegriffen haben. Mache ich mir irgend einen bleibenden Namen in der Literatur, danm werden diese beiden Namen als die Namen meiner beiden guten Genien dastehen. Nur das peinigt mich ofr, daß ich meinen Dank, meine Ergebenheit nicht recht ausdrücken kann.

Aus Kopenhagen schreibt man mir als Neuigkeiten daB [der liberale Politiker] Orla Lehmann mit der Tochter von Kaufmann Puggaard verlobt sein soll. Man sagt, daß Tivoli in den ersten Augusttagen eröffnet werden wird, daß der alte Studentenverein sein Stiftungsfest begangen hat, daß aber nur elf Mitglieder anwesend waren. Ein schwedischer Dichter Sätterström ist in Kopenhagen bei Kopenhagens Literaten zu Besuch; sein Besuch bei [dem Dichter] Christian Winther hat zu Gerede Anlaß gegeben. Oberlehrer Olsen (er war lange der Herausgeber des Folkeblad) begleitete den Schweden zu Winther. Dieser lag zu Bett und ließ sagen, er stehe erst am Nachmittag auf (Winther war wohl krank). Darüber war Olsen beleidigt und schrieb Winther einen Brief, in dem er erklärte, er habe die dänische Nation befleckt und es sei seine Pflicht, dem Schweden so schnell wie möglich seine Aufwartung zu machen. Winther antwortete bloB, daß er Ersteres nicht verstehe und auch Letzteres nicht tun werde, was zur Folge hatte, daß Olsen ihm einen noch unhöflicheren Brief schickte, in dem er erklärte, er werde diese Geschichte überall verbreiten! - Christian Winther hat, scheint mir, völlig rechr, und der andere prostituiert sich! - Das ganze ist Gewäsch, wovon man im lieben Kopenhagen eine ganze Menge hat. Ich kann wirklich nicht behaupten, daß ich mich freue, dorthin zu kommen. Das ganze Parteiwesen ist mir wirklich schrecklich peinlich; ich wünschte mir, mit Euer Exzellenz nach Wiesbaden fliegen zu können oder an einen anderen deutschen Ort. Ja, Euer Exzellenz reisen also ins Ausland. Ich glaube und hoffe, daß es Ihnen wohltun wird! Ich habe gar keine Freude an Ihrem Aufenthalt auf Föhr; das viele Getümmel, die ständige Bewegung tun Ihnen kaum gut! Eine Rast in Wiesbaden, wohin Sie, wie man mir gesagt hat, gehen werden, wird Ihnen helfen. Ehe Sie indessen Föhr verlassen und nach Süden gehen, hoffe ich auf einen Brief. Ich fühle mich ermuntert und geschmeichelt, daß Euer Exzellenz an mich denken. Treffen Sie in Deutschland Freunde meiner Muse, sende ich ihnen meinen Gruß.

Im Augenblick bitte ich mich bei den Majestäten in Erinnerung zu bringen, und von der übrigen Umgebung erlaube ich mir den Herrn Kammerherrn Levetzau zu nennen. Leben Sie nun wohl! Gott erfreue und erhalte Sie lange uns allen, die wir recht von Herzen an Ihnen festhalten.

Untertänigst Ihr dankbarer, ergebener

H.C.Andersen

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