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Brev fra H.C. Andersen til Conrad Rantzau-Breitenburg 6. juni 1841

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Dato: 6. juni 1841
Fra: H.C. Andersen   Til: Conrad Rantzau-Breitenburg
Sprog: tysk.

Wien, den 6. Mai [Juni] 1841

Euer Exzellenz

können mir glauben, daß ich während meines ganzen Reiselebens recht oft an Sie gedacht habe; so oft habe ich die Absicht gehabt zu schreiben,um Ihnen meine Dankbarkeit, meine innige Ergebung zu bezeugen, aber Tage und Stunden sind vrgngen wie ich es noch nicht erlebt habe. Wie viel Interessantes habe ich kennengelernt! - In ganz Deutschland fand ich auf meiner Hinreise eine Gastfreiheit, einer Anerkennung, ja, ich muß sagen, Überschätzung meines Dichterwerts, die mir wirklich gut taten. Ich sehe, daß ich in Deutschland ein viel größeres Publikum habe, als ich zu glauben gewagt hätte. Durch Tirol kam ich nach Italien, mein Auftenthält dort war mir interessant, aber es fehlte der Duft des neuen; ich war nicht so hingerissen wie bei meinem ersten Besuch. Alles war mir so bekannt, und ich sah es in einem ungemütlichen Winter. Die meiste Zeit habe ich in Rom verbracht, aber hier herrschte Fieber, es regnete und war kalt, ich litt, fast ganze zwei Monat lang, an den schrecklichsten Zahnschmerzen. Der Karneval in diesem Jahr war jedoch viel schöner als der, den ich früher hier erlebt Habe! Anstelle von Konfetti regnete es Blumen. Bei Ende des Karnevals reiste ich nach Neapel, und weil der Ertrag meiner Tragödie Raphaellea höchst gering war, mußte ich bereits an die Heimreise denken; das wäre sehr schwer gewesen, da ich kaum glaube, daß mir die ganze Reise irgend ein großes geistiges Ergebnis gebracht hätte. Seine Majestät der König von Dänemark schickte mir indessen einen Geldbetrag, der mich instand setzte, meinen Reiseplan auszudehnen, und von dem Augenblick an, als ich Neapel verließ, habe ich so viel Neues und Interessantes gesehen. Der Ätna lag unter dem Schnee bis weit herunter ins Dal, auch hier stand noch der nordische Winter mit seiner weißen Siegesfahne, aber auf Malta war Sommer, afrikanischer Sommer, und hier trieb ich mich recht herum, bis das französische Kriegs-Dampschiff seine Anker lichtete und ich weg musste. Ich habe das Mitelmeer so still wie den Himmel gesehen und mit seinen phosphorezierenden Blitzen; große Delphine wältzten sich im Wasser, und die Venus ließ das Tauwerk Schatten über das Deck werfen. In Griechenland bind ich einen Monat lang gewesen, und ich werde nie das Eigenartige, Grosse in dieser Natur vergeßen. Form und Farbe der Berge sind von einer Schönheit, wie man sie nicht kennt, wenn man Italien gesehen hat. (Der Archäologe) Dr. Roß aus Holstein war mir ein vorzüglicher Führer, und ich glaube, ich habe ein ganz klares Bild von Land und Leuten in mich aufgenommen. Bei dem durch siene Reisen in den Orient bekannten österreichischen Gesandten Prokesch-Osten habe ich eine Gastfreiheit angetroffen, eine Aufmerksamkeit, ja ich habe mich wie zu Hause gefühlt. Ich hatte die Ehre, dem König und der Königin von Griechenland vorgestellt zu werden, udn durch die verschiedenen höchst interesaanten Bekanntschaften, die ich gemacht habe, bekam ich Gelegenheit, mehr zu hören und zu sehen, als mir unter anderen Umständen vergönnt gewesen wäre. Nachdem ich das interessante Osterfest der Griechen in Athen verlebet hatte, furh ich mit dem Schiff nach Syros und ging von dort aus mit einem französischen Dampfschiff nach Kleinasien hinüber, doch habe ich auf dieser Reise nur Smyrna geshen; von dort aus durch die Dardanellen nach Konstantinopel, das von allen Städten, die ich bisher gesehen habe, die schönste ist; das heißt: der Anblick ist der schönste, denn in der Stadt selbst gibt es nur Schmutz und Not. Indessen ist es bemerkenswert, welche große Ähnlichkeit zwischen Konstantinopel und Stockholm besteht; es ist beinahe dieselbe Lage, derselbe ANblick, nur istg Konstaninopel reicher, weitaus phantastischer und liegt unter einem durchsichtigen Himmel. Ich habe den wahnwitzigen Tanz der Derwische gesehen, (den türkischen Außenminister) Ali Effendi besucht und den jungen Sultan. gesehen. Während meines Aufenthalts hier war Mohammeds Geburtstag; alle Minarette wurden mit Lampen behängt; das war ein so eigenartigere Anblick, daß er mir noch vorschwebt wie ein Märchen aus Tausendundeiner nacht. Der griechische Gesandte Christides und der österreichische Internuntius Stürumer waren äußerst liebenswürdig zu mir, und im Hause des Letzten habe ich die gesamte diplomatische Welt kennengelernt. Die Unruhen in Bulgarien halten mehrere Fremde davon ab, auf dem Wege über die Donau heimzureisen, aber da ein russischer Kurier gut durch die Tartarei (d.h. die Dobrudscha) durchgeschlüpft war und man nur zwischen Konstanza am Schwarzen Meer und Cernavoda (an der Donau) über Land muss, wagte ich es auf Stürmers Ermuntern hin, diese Route zu nehmen, zumal ich in die Gesellschaft eines österreichischen Obersten kam, der das Recht hatte, eine Eskorte anzufordern, weil er alle Depeschen und Gelder mit nach Wien nahm. Der Bosporus ist das schönste, was ich bislang gesehen habe; es sind lauter Städte und Lustgärten, asiatische Üppigkeit in Natur und Kunst. Am 5. Mai, Napoleons Todestag, war ich auf dem Schwarzen Meer; am 7. fuhr ich durch die Tartarei zur Donau und bin nun 30 age lang, die Quarantäne eingerechnet, auf der Donau unterwegs gewesen, aber das ist zu lang, es wird zuletzt zu einer äußerst ermüdenden Fahrt, vor allem in den letzten Tagen, als das Schiff mit Menschen überfüllt wurde; wir waren vier in der ersten Klasse und wurden etwa zweihundert. Die Quarantänestation an der (österreichischen) MIlitärgrenze bei Orsova liegt in einem Sumpf; es ist da äußerst ungesund und das Essen schlecht; wir wurden dort fast alle Krank. Die zehn Tage dort sind wirklich eine Gefangenschaft. Ich bin glücklich und zufrieden über die Reise, die ich gemacht habe, aber die meisten Reiseberichtschreiber geben zu übertriebene Schilderungen vom Orient. Ich habe etwas ganz anderes gefunden, als ich erwartete; große Entbehrungen, viele Unbequemlichkeiten verursacht eine solche Reise, aber der Ertrag ist lehrreich und unvergeßlich. Ich sehne mich wirklich danach, mich Euer Exzellenz mündlich mitzuteilen, und da ich nun mit schnellen Schritten nach Hause eile, will ich, wenn Euer Exzellenz mich sehen wollen, den Weg über Breitenburg nehmen. Wolen Sie mich dort 3 bis höchstens 4 Tage haben, so komme ich mit dem Dampsschiff nach Itzehoe. Darf ich aber in Dresden postlagernd bis spätestens zum 4. Juli oder in Leipzig postlagernd bis zum 6. Juli eineige Zeilen vom Sekretär Eurer Exellenz vorzufinden hoffen, ob ich die Ehre habe, Sie auf Breitenburg anzutreffen und ob ich - willkommen bin. Sollte dieser Brief nicht so rechtzeitig in die Hände Eurer Exzellenz gelangen, dass ich bis zu dem Zeitpunkt eine Antwort haben kann, so bekomme ich sie in Hamburg bei Graf Holcks, doch wage ich es, sie mir lieber nach Dresden auszubitten, weil ich je nach der Nachricht, die ich bekomme, meinen Aufenthalt in Dresden einschränke oder ausdehne. Und nun leben Sie wohl! Gott segne und erfreue Euer Exzellenz, wie Sie mich erfreut haben.

Ihr dankbarer, ergebenster

H. C. Andersen.

Tekst fra: Se tilknyttede bibliografiposter