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Brev fra Albert Einstein til Eduard Einstein 23. december 1932

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Dato: 23. december 1932
Fra: Albert Einstein   Til: Eduard Einstein

[fortrykt brevpapir: Hamburg-Amerika Linie]

Oakland in der Nähe von Porto Rico 27.XII.32

Lieber Tetel [Kælenavn for Eduard]

Oft sind meine Gedanken bei Dir und ich grüble umsonst darüber nach, wie es in Deiner Haut aussieht. Schon 17 Tage fahre ich auf dem atlantischen Ocean, nach Westen und langsam dem Aeqator zu, ein Dasein wie das des Kindes im Mutterleib und wohl geeignet, die Erlebnisse an Menschen zu verschweigen und Wunden zu heilen. Auch grübelt es sich gut über die ewigen Probleme der Wissenschaft, und ich rechne auch Papier voll wie gewöhnlich. Andersen hab ich auch gelesen, mit viel Vergnügen. Am Schönsten fand ich die Geschichte von der chinesischen Nachtigall. Grösse und Tiefe fehlen ein wenig, aber Feinheit und leicht begschwingte / Phantasie können auch schon genug erbauen. Ich habe auch Kaysers Buch über Spinozas Leben gelesen, ein glühendes und lebendiges Buch über einen grossen und herrlichen Menschen: Ausserdem las ich ein buch (englisch) von Lewis Brown über die Religions-Entwicklungen aller Kultur-Völker, mehr interessant als erfreulich. Die Armseligkeit der menschlichen Natur und die unzähligen Versuche, sich am eigenen Zopf aus dem Morast zu ziehen, nehmen sich kläglich aus bei aller Tragik. Ein Buch von einem Ludwig Bauer (Luganer), "Welt am Sturtz" hab ich auch grösstenteils gelesen[.] Seine Psychologie des Bürgers von 1900 ist wahrhaft meisterhaft. Vielleicht kriegst du es auch einmal in die Hände.

Wenn es Dir besser geht, hoffe ich Dich auch einmal auf eine Reise mitzunehmen. Dies beruhigt wie kaum etwas anderes und schafft Distanz zu allem früheren Erleben./ Jegliche Krankheit thut aber das Gleiche. Ich glaube, wir haben schon einmal darüber gescprochen. Der gesunde Durchschnittsmensch lernt das Dasein eigentlich kaum anders kennen als der Fisch das Wasser. Übrigens bringt das Alter auch eine gewisse Lebens-Distanz mit sich, wenigstens, wenn man nicht mehr viel zu kämpfen hat. Ich würde es für ein frohes Zeichen betrachten, wnn ich einmal eine Zeile von Dir erhielte, aber nur, wenn es Dir von selbst kommt. Ich bin bis Anfang März in Pasadena (California) und fahre dann über New York nach Caputh zurück. In 10 Tagen wird die Reise vorbei sein, und ein anstrengendes Leben beginnt, bei dem ich nicht viel für mich sein kann. Gute Besserung und innere Ruhe wünscht Dir von Herzen

Dein Papa

Tekst fra: Solveig Brunholm