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Brev fra Theodor von Wedderkop til H.C. Andersen 12. september 1843

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Dato: 12. september 1843
Fra: Theodor von Wedderkop   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Oldenburg 1843. Sept. 12.

Lieber Herr Andersen!

Was soll ich zur Entschuldigung dafür sagen, daß drei Briefe von Ihnen unbeantwortet auf meinem Tische liegen! Da ich etwas Vernünftiges, einigermaßen Rechtfertigendes nicht anzuführen weiß, so will ich mich Ihnen lieber auf Gnade und Ungnade ergeben, mit einem: seien Sie nicht böse! Und da habe ich denn viele Hoffnung, denn ich glaube, böse können Sie nicht werden. Zuvörderst sage ich Ihnen nun meinen besten Dank für Ihre lieben Briefe, und für den mir übersandten Theil Ihrer »Eventyr«, insbesondere aber dafür, daß Sie mein unfreundliches Stillschweigen so mit Freundlichkeit vergolten haben. Sie haben mich dadurch ganz erobert; Freundlichkeit ist ein Sturm, den abzuschlagen ich durchaus keine Mittel besitze.

Doch ohne weitere Worte zur Sache. Daß Sie mir die Uebersetzung Ihrer Kindermährchen anvertrauen wollen, ist für mich ehrenvoll und schmeichelhaft, und ich würde keinen Augenblick Anstand genommen haben, einen solchen Auftrag anzunehmen und sofort auszuführen, wenn nicht die Menge meiner Geschäfte mich bisher daran verhindert hätte: deshalb habe ich auch geschwiegen, denn ich schämte mich, und hoffte von Tage zu Tage, davon kommen zu können. /

Die Sache ist auch in der That so leicht nicht; eine U ebersetzung ist kein Original, der Verfasser hat ein Recht darauf, auch in der Uebersetzung in seiner Eigenthümlichkeit, ja selbst in seiner sprachlichen Eigenthümlichkeit zu erscheinen, und dennoch müssen alle Danesmen vermieden werden, das um so schwerer ist, je ähnlicher sich beide Sprachen sind; der ganze Character des Originals, der eigenthümliche Geist, der darin weht, die darin sich verrathende Individualität des Verfassers, alles das muß in einer selbständigen, deutschen Form wiedergegeben werden; dazu gehört in der That ein Studium, dazu gehört, daß man durch das Werk hindurch sich in die Seele des Verfassers hinein denke und fühle. Ein fabrikmäßiges Uebersetzen, wie es gewöhnlich geschieht, ist gar leicht; habe ich doch Ihre Mährchen, ohne sie vorher durchgelesen zu haben, sofort aus dem Buche selbst meinen Kindern ohne Anstoß deutsch erzählt; allein damit ist natürlich weder Ihnen noch mir gedient. /

Dann bieten Ihre Mährchen noch eine besondere Schwierigkeit dar: sie sind von vorn herein auf dänische Kinder berechnet, denen die nationallen Eigenthümlichkeiten, wenn auch nur im Keime, schon innewohnen; eine Eigenthümlichkeit der Dänen ist aber ein gewisses gemüthliches Schnacken, eine gewisse Schwatzhaftigkeit - die Franzosen nennen es bezeichnender jaser - die durch ihre ungeheure Lebendigkeit eine eigne Färbung erhält; eine Menge von kurzen Sätzen, deren fehlende strenge Verbindung der Däne mit seiner leben digen Phantasie selbst ausfüllt, jagen einander; die Sprache erhält dadurch eine Komik, die wir gar nicht wiedergeben können; auch verstehen wir in unsrer schwerfälligen Gründlichkeit das jasergar nicht. Daher werden auch unsre Kinder an manche Ihrer Mährchen keinen Geschmack finden; sie wollen neben Anregung ihrer Phantasie gewissermaßen schon was zu denken, jedenfalls zu fühlen haben; so haben z. B. »Storkene« und »Swinedrengen«, die mich in ihrer ächt dänischen Form, und besonders dieser wegen, sehr amüsirt haben, auf meine Kinder nicht den leisesten Eindruck gemacht, wogegen »den lille Havfrue«, »Gaaseurten«, »De vilde Svaner«sie ungemein angezogen haben. /

Wie schwer eine Uebersetzung ist, die das Original treu wiedergiebt, und dennoch die dänischen Kinder außer acht läßt, und nur die deutschen berücksichtigt, wird sich sofort ergeben, wenn man nur - mir fällt im Moment nicht anderes ein - versucht den ersten Satz im »Den Flyvende Kuffert« und in »Storkene« zu übersetzen; versuchen Sie es einmal (vide das NB. Am Ende des Buches). - Doch es läßt sich gewiß darüber weg kommen; ich wollte nur andeuten, daß es nicht leicht ist, und Zeit erfordert. /

So, mein lieber geehrter Freund, will ich mit Vergnügen die Uebesetzung übernehmen, wenn - Sie mich damit nicht drängen wollen, wenn es damit nicht eilt; ich bin Geschäftsmann, und habe der Mußestunden nur wenige; dazu kömmt noch Eines: es wird nächstens ein Buch über Dänemark und Schweden unter dem Titel »Bilder aus dem Norden« von mir erscheinen; ich bin gerade bei dem 2ten Bande beschäftigt, und da der Druck desselben gleich nach beendigtem Drucke des ersten Bandes beginnen muß, so habe ich damit für den Augenblick vollauf zu thun. /

Können Sie aber bis gegen Ende dieses Jahres mit dem ersten Hefte Ihrer Eventyr warten, so werde ich es dann an Speckter schicken; oder wohin Sie es wollen, worüber ich Nachricht erwarte, schicken; ist es mir irgend möglich, so soll es früher geschehen; eine erste flüchtige Uebesetzung des Mährchens »Den lille Havfrue« liegt übrigens beinahe fertig vor mir. Dann möchte ich Ihnen unmaßgeblich vorschlagen, im I sten Hefte »Gaaseurten «, »Den lille Havfrue«, und »Storkene« erscheinen zu lassen. - Von Honoraren, lieber Herr Andersen, kann keine Rede sein; Ihr ehrenvolles Vertrauen und das Uebersetzen selbst sind mir Ehre genug; wollen Sie mir demnächst ein Exemplar mit den Bildern schenken, so wird mir das ein liebes Andenken von Ihnen sein.

Von Eisendechers habe ich 1000 herzliche Grüße an Sie; sie denken Ihrer mit Liebe. Die Eisendecher ist nach Bremen für einige Tage gereist, sonst würde sie einige Zeilen eingelegt haben. Ihr Brief hat Ihnen viele Freude gemacht. Auch Jerndorff grüßt Sie bestens; ich werde ihn - was ich bisher vergessen habe - an die versprochene Zeichnung erinnern. - Daß Sie 01denburg in freundlichem Andenken haben, freut uns sehr, um so mehr, als wir damit hoffen dürfen, Sie in nicht gar zu langer Zeit bei uns wieder zu sehen; hoffentlich werde ich dann mehr gut von Ihnen haben, wie dies Mal.

Nun noch eine Bitte: können Sie ein nicht zu weitläufiges und nicht kostspieliges, aber dennoch vollständiges Werkchen über die nordische Mythologie mir empfehlen? und möchten Sie wohl die Güte haben, falls es dort ein solches giebt, es für mich anzuschaffen und mir zuzusenden? Am besten würden Sie es wohl mit dem Dampfboote nach Kiel schicken, wo es der Kapitain auf die Post geben könnte; Ihre Auslagen, die ich anzugeben bitte, würde Ihnen der General Quaade erstatten. Und noch Eines: ich möchte so gerne über den jetzigen Zustand der dänischen Litteratur, den Journalismus, die Presse und deren etwaigen Beschränkungen, die Verlagsverhältniße (Anzahl der Verlagshandlungen in Kopenhagen, und der von ihnen im vorigen Jahre, oder durchschnittlich in den letzten Jahren verlegten Werke) einige nähere Auskünfte haben; kön nenund wollen Sie mir die wohl geben? versteht sich, wenn es Ihnen Ihre Zeit erlaubt.

Ich schicke diese flüchtigen Zeilen mit der Bitte, mir bald die Freude einer Antwort zu geben. Denken Sie meiner so freundlich, wie ich Ihrer. Von ganzem Herzen der Ihrige

v Wedderkop

NB. 2. Band 2t Heft: Eventyr, »... saaden en Kjøbmand var han - og saa døde han«. Das ist so gar nicht wieder zu geben. Das Wort »saa« ist unter andern gar nicht zu übersetzen; es enthält eine Mischung von »so« und »darauf« wofür wir weder ein Wort, noch eine Wendung haben.

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