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Brev fra H.C. Andersen til Conrad Rantzau-Breitenburg 30. september 1843

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Dato: 30. september 1843
Fra: H.C. Andersen   Til: Conrad Rantzau-Breitenburg
Sprog: tysk.

Kopenhagen, den 30. September 1843

Euer Exzellenz,

da ich vermute, daß Sie bald nach Wiesbaden reisen, beeile ich mich, diesen kleinen Brief abzuschicken. Kammerherr Levetzau, den ich danach fragte, sagte mir, der Aufenthalt auf Föhr sei Ihnen gut bekommen. Ich hatte das Gegenteil befürchtet! Nun, gottlob! Ein ruhiges und behagliches Winterquartier wird es noch besser machen. Konnte ich es mir nur leisten, dann wollte ich gern im Winter mit Ihnen an den Rhein fliegen und Ihr Vorleser sein, Ihr Aufmunterer, das heißt: wenn ich dazu imstande ware. Lassen Sie doch noch von sich hören, ehe Sie das liebe Breitenburg verlassen. Ich wünschte auch gern zu wissen, wie es mit einem Paket Bücher von Verleger Vieweg in Braunschweig gegangen ist; ich vermute, es enthielt eine Prachtausgabe meines Bazar, den Vieweg dem König gewidmet hat. Es hätte schon ehe ich hier nach Kopenhagen kam, lange gelegen, und ich wußte nichts Besseres, als es unter Euer Exzellenz Adresse nach Föhr zu schicken. Ich legte einen Brief an Euer Exzellenz bei mit der Bitte um Vergebung wegen dieser Dreistigkeit. Später habe ich dann überhaupt nichts mehr davon gehört und weiß auch nicht, ob Vieweg etwas gehört hat! Euer Exzellenz gebe mir doch bitte Bescheid, so gut Sie es konnen!

Zu Neujahr kommt auf deutsch meine Biographie mit Porträt und Handschrift heraus. In den Notizen, die ich meinem Biographie-Schreiber gegeben habe, habe ich von Euer Exzellenz großer Güte gegen mich gesprochen, wie viel ich Ihnen schulde, wie sehr Sie derjenige sind, dem man zu danken hat, wenn ich letzthin Arbeiten geliefert habe, die mir das Ausland gewonnen haben! Noch einmal an dieser Stelle: Gott erfreue und segne Sie für alles Gute, das Sie mir erwiesen haben!

In den letzten Tagen war, wie Euer Exzellenz aus den Zeitungen gesehen haben, die schwedische Sängerin Jenny Lind hier in Kopenhagen. Die Grisi und die Malibran haben beide größere Stimmen, doch gehört Jenny Lind mit ihnen in eine Reihe, aber sie übertrifft sie im Spiel. Sie ist eine der besten Schauspielerinnen, die ich gesehen habe, denn sie ist Natur. Als Romanzen-Sängerin war sie hinreißend. Niemals habe ich beim Publikum größere Begeisterung gesehen. Sie bekam Blumenstrauße und Gedichte; ich schenkte ihr auch eins, das aber nicht gedruckt werden soll. ... Jenny Lind ist nicht hübsch, aber ihre Seele gibt ihrem Antlitz eine eigene Schönheit. Sie hat schöne Augen, ein anmutiges Lächeln und ist so anmutig, wie irgend eine Frau es sein kann. Am Abend vor ihrer Abreise brachten ihr uber 300 Studenten eine Serenade mit Fackelschein.

Leben Sie nun wohl! Gott weiß, wann ich so glücklich bin, Euer Exzellenz wiederzusehen!

Untertanigst Euer Exzellenz ergebener

H. C. Andersen

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