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Brev fra Friederike Serre, f. Hammerdörfer til H.C. Andersen 5. december 1844

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Dato: 5. december 1844
Fra: Friederike Serre, f. Hammerdörfer   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

Maxen am 5.Decbr. 1844

Mein bester, lieber Herr Andersen!

Welch eine reiche Entschädigung für mein langes Harren und Hoffen: Ihr herrlicher Brief! - Welch ein treues Bild gibt er mir von Ihren freundlichen Gesinnungen, und von dem was Sie in der jüngsten Zeit erlebten! - Jedes liebe Wort ist eine Perle in der Reihe meiner Erinnerungsfreuden,die mir als schöner Gewinn, einer lieben Vergangenheit verbleibt. - Das Verweilen eines edlen Menschen weihet jeden Baum in meiner Flur, mein Haus - jeden Platz, den Sie betreten, ist mir lieber und theurer geworden! Ich freue mich, daß der schwache Baum, an der Felsenkante, den Sie nach sich genannt, den Stürmen trotzt; und ein Rosengesträuch vor meinen Fenstern blühet unter Laub und Schnee noch immer die Blume der Freundschaft und Liebe, die Ihre zierlichen Sträußer schmückten, dem fußtiefen warmen Boden gedeihe so fort und fort, auch unter kalter Hülle, und Sie würden nichts verändert finden, erscheinen Sie uns eimmal unerwartet und plötzlich.-

Wie schön und poetisch war Ihr Aufenthalt mit den Fürsten Häuptern, auf den Inseln. Fremder liegt uns der Norden und mit unendlichem Interesse wird der neue Roman empfangen werden, zu welchen, wie Sie schreiben, Sie sich manchen Stoff gesammelt! Machen Sie es wie Kohl, und ziehen Sie sich eine Zeitlang aufs Land zurück, denn er wohnt noch immer in Kreischa, schriftstellert dort ungestört, und seine Erhohlungs Wanderung bei jedem freundlichen Sonnenschein geht nach Maxen! Hier finden Sie stets ein offenes Asyl und das wärmste Willkommen, bedürfen Sie des Stilllebens zur Muse - so kommen Sie zu uns! -

Kohl ist dankbar für Ihre Erinnerung! Er beschäftigt sich fleißig mit Erlernung der dänischen Sprache, weil er vielleicht nächstes Jahr Dänemark, Schweden, Norwegen und Lapplamd zu bereisen denkt. Sie möchten ihm nur im Dänischen schreiben! Den Weynachtsabend will er mit uns zubringen, und wünscht sehr, daß wir dies Fest hier verleben. Doch gehen die Soireen in der Stadt schon an, oft kommen Einladungen,die bey dem bösen Weg und Wetter oft zu beschwerlich sind, anzunehmen, und ihnen zu folgen. Nur einen glänzenden Rout wohnten wir bey dem österreichischen Gesandten, Grafen Kuffstein, bey, wo der König und die Königin und der ganze Hof versammelt waren. Dort fand ich Baron Büstram, welcher mir erzählte, daß die Gräfin Hahn, ihren neuen Roman, die beiden Frauen, vollendet, und bis zum Frühjahr in Greifswalde bleibt. Auch Herr von Ramberg trug mir Grüße an Sie auf. Er hat Ihr Portrait nach Ihrem Brief, aus Berlin, zu Viehweg geschickt, aber keine Antwort erhalten und wünscht sehr zu wissen, ob es auch in die rechten Hände gekommen. Ramberg arbeitet auf dem Attelier von Hübner und hat Bestellung auf 2 Altarbilder bekommen! - Auch fragt ich Hrn. von Lüttichau nach Ihrem Mulatten, der mich an den Hofrath Winkler verwiese. Zu diesem ging ich nun, und erfuhr von ihm, daß leider die Übersetzung in Versen ganz unbrauchbar für die deutsche Bühne sey. Er rieth Ihnen, das Buch in Prosa umarbeiten zu lassen, aber vorsichtig in der Wahl zu sein. Ich dachte dabey an Baron Brunow, an Boilieu oder Winkler selbst. Winkler hat es nach Hamburg zurückgeschickt. So gerne möchte ich es lesen, können Sie mir es wohl schicken? - Es ist in keiner Buchhandlung zu haben! Von Ihren Märchen ist bis jetzt noch nichts mir zugeschickt worden, die Verleger sind sehr nachlässig damit. - Ohlenschlägers Tina soll im März zur Aufführung kommen, doch hält man sie hier für eine seiner schwachen Leistungen, und will sich mit den Charakteren besonders der Tina nicht befreunden! - Spontini ist in Dresden und dirigierte 2 Mal seine Vestalin. Auch Willmers, welcher eine junge schöne Frau hat, gibt Conzerte. Man rühmt die große Mechanik seines Spieles. Weniger sprechend seine Kompositionen an.

Unbeschreiblich betrübt es uns, daß Graf Adam Moltkens über Hamburg, und nicht über Dresden, zurück gereiset sind. Jahrelang hatten wir uns auf dies Wiedersehen gefreut; vergebens. Wie muß es dem Grafen mit seinem schlimmen kranken Arme gehen, sollten Sie ihn sehen, so grüßen Sie ihn von uns und er möchte uns bald schreiben! - Auch Fürst Wittgenstein und seiner kleinen Frau, sende ich einen Gruß, wenn Sie sie kennen! - Ich machte kürzl. die Bekanntschaft des jungen Maler Gärtner, er zeigte mir auch Ihr Bild, was ähnlich, aber weniger edel aufgefaßt ist, wie das von Ramberg! - Jetzt ist er in Berlin, Tiek zu malen! Falkensteins und alle Bekannte entgegnen tausend Mahl Ihre Grüße! Mein Mann sagt Ihnen das Herzlichste!

[Randnotizen:] Winkler läßt fragen, ob Sie seine "Penelope" erhalten? wie an Ihnen zurückgeschickt? Er hofft auf einen Aufsatz von Ihnen zu nächsten Jahr! Wie hat mich darin Ihr und der Fr. Bremer Brief interessiert.

Zürnen Sie nicht wenn ich, nur Ihnen zuweilen Dresden in Ihr Gedächtnis zuruckzurufen, eine Ansicht davon beilege? - Ich denke, wir werden im März unsere Reise nach Paris antreten, für 3 Monate! Was haben Sie für Pläne?

Die arme Baronin Lepel hat ihren schönen heranwachsenen Stiefsohn verloren, und ist noch melancholischer dadurch geworden! -

Meine Knaben haben von Ostern an, Freistellen im Leipziger Konservatorium, ich habe nur noch für ihre materiellen Bedürfnisse zu sorgen. Lernen sie und werden ausgezeichnete Künstler, so schicke ich sie einmal nach Copenhagen, sich hören zu lassen. Sie werden ihr Protector sein.

Möchte es Ihnen zu Muthe sein, als müßten Sie sich bald wieder schriftlich mir wieder nahen! - Wie kann ich im Theater sein, ohne Sie im Geist in der Lüttichauschen Loge aufzusuchen!-

Alles Glück über Sie!

Ihre innig ergebene

Fr. Serre

[An dem Dichter, Herrn H. C. Andersen

Copenhagen

Hotel du Nord

franco über Hamburg

Tekst fra: Niels Oxenvad