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Brev fra Theodor von Wedderkop til H.C. Andersen 15. februar 1845

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Dato: 15. februar 1845
Fra: Theodor von Wedderkop   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

[0ldenburg,15.2.1845

Lieber Herr Andersen!

»Sünden gut machen.« - - - ach das geht nun einmal nicht, so wenig den Menschen, wie dem lieben Gott gegenüber; das Vergangene steht da ehern, fest, unvertilgbar, unverwischbar - vor der Gerechtigkeit; nur Gnade kann das Schuldbuch til(gen, doch diese ist bedingt durch rechte Reue. Sehen Siej mein verehrter Freund - erlauben Sie mir diese Benennung - ich habe mich recht, recht sehr an Ihnen versündigt; an ein Gutmachen ist nicht zu denken; darf ich mit Reue zu Ihnen kommen, und von liebevoller Nachsicht hoffen, was die Gerechtigkeit mir weigern muß, Verzeihung? Das sind keine Redensarten, keine leeren Worte, sondern mein voller Ernst; ich halte wirklich eine Versündigung gegen Menschen, sei sie noch so klein, für nicht geringer'als eine Versündigung gegen Gott selbst; denn sie sind eines und dasselbe. »Was Ihr nicht gethan habt einem unter diesen Geringsten, das habt Ihr mir nicht gethan!« hat der Herr gesprochen, und jede V ersündigung ist etwas Negatives, Lieblosigkeit. /

Lieber Freund, ich habe gar keine Entschuldigung Ihnen gegenüber, keine gültige wenigstens; was ich auch anführen könnte, es würde doch nur ein Nebel sein, den sofort die einfache Antwort zerstreuen müßte: »Du hattest versprochen!« Ich will daher nicht kommen mit Mangel an Zeit, mir der Nothwendigkeit mein eignes Buch zu beendigen, mit... nein, nichts davon: um Verzeihung will ich Sie bitten, recht von ganzem Herzen, und Ihrer Liebe es anheimstellen die Schuld zu tilgen. Daß sie keine geringe ist, das fühle ich gewiß; das Lieblingskind Ihres Gemüths, diese allerliebsten, anmuthigen Kindermährchen, wollten Sie neu ausgestattet aus der Heimath in die Fremde hinaussenden; von mir erwarteten Sie das unentbehrlichste, das Kleid - und es blieb aus! Sie waren mir gewiß recht böse! Lassen Sie nach Empfange dieser Zeilen die Sonne über Ihrem Zorne nicht untergehen - ich bitte Sie dringend darum! Und schreiben Sie mir bald einige Zeilen - schelten Sie mich erst recht tüchtig aus, es kann nicht zu arg werden; aber das Schlußwort sei: ich vergebe Dir!

Ich schicke Ihnen, mein verehrter Freund, als ein kleines Andenken - eine Bestechung soll es nicht sein; dazu halte ich die Gabe zu gering - ein Exemplar meiner »Bilder aus dem Norden«. Der General Quaade hat mir geschrieben, daß sein Sohn bereits mit Ihnen von dem Büchlein gesprochen, und Sie gebeten, sich darüber in einem »öffentlichen Blatte« zu äußern, und daß Sie sich dazu bereit erklärt. Das ist mir ganz außerordentlich erfreulich; denn ich weiß gewiß, daß Sie mit Liebe und ohne die Krallen eines gewöhnlichen Rezensenten daran gehen werden; daß Sie durch alle Nebel hindurch meine warme Liebe für den Norden werden hindurch scheinen -wenn nicht sehen, so doch - fühlen. Ich habe das Glück mehrerer sehr günstiger Beurtheilungen in deutschen Blättern gehabt; namentlich hat Stahr sich in der Köllner Zeitung sehr warm darüber ausgesprochen. Seine Freundschaft für mich hat ihm indeß wohl nicht volle Unpartheilichkeit gelassen. Eine Anzeige in Marbach's »Wöchentlichem Literatur- und Kunstbericht« von einem mir ganz Fremden, die mir kürzlich zu Händen kam, hat mir große Freude gemacht; ich erlaube mir sie Ihnen mitzutheilen; lesen Sie das Blatt vom rothen Striche an. -

Ich habe das Buch an zwei Freunde in Schweden gesandt: den Professor Afzelius in Upsala und Frederika Bremer; da ich darin auch über das, was ich - besonders im 2ten Bande - gewollt habe, ausgesprochen, so lege ich hier einen Auszug für Sie bei - zur Verständigung; Quaade meint, ich hätte mit zu großer Begeisterung über Schweden geschrieben; ich muß den Vorwurf abI ehen, denn ich habe nicht begeistert schreiben wollen. Ich war es dort in dem Lande meiner Väter - hätte ich Eis um mein Herz legen sollen? legen können? Hätte ich die Zaubergestalten verscheuchen sollen, die mich umschwebten, die mich noch umschweben, wenn der Gedanke mich nach Norden hinträgt? Dann hätte ich das Schreiben ganz unterlassen sollen. Ich kann nicht anders - mich trägt über die Berge und Thäler Sleipner mit seinen acht Füßen; og Sleipner »ar aanders gangen« - der begeisternde Ord, svangaa aanden farer over Land og Vand og gynnem 0resund til alle Sjol-Lands Havne ...«

Wahr ist es, ich war begeisterter in Schweden, als in Dänemark; aber in Dänemark war ich froher, heiterer, seliger gestimmt; wahr ist es, die Natur in Schweden, diese Natur, die - an sich so schön - tausend sichtbare und unsichtbare (aber im (Munde des Volks lebende) Erinnerungen aus grauer, großer und poetischer Vorzeit trägt, hat mich mehr und höher gehoben, als in Dänemark; aber die lieblichen Fluren Seelands haben einen Frieden in mein Gemüth gesenkt, der mir jene nimmer geben kann. Und ich denke, Dänemark und die Dänen stehen in meinen Bildern nicht zurück. Ich wenigstens sollte ich wählen, wo ich leben, bleiben möchte, ich wählte Dänemark; und sollte das nicht aus meinem Buche hervorgehen? Steht nicht der Geist über der Natur? Geht nicht Friede über die Begeisterung, die doch zu ihm nur führen soll.

Diesen Sommer - wenn Gott will - hoffe ich mit meiner Frau abermals eine Reise nach dem Norden zu machen. Dann sehe ich Sie .in Kopenhagen, und freue mich sehr darauf. Sie" , sind Dichter, mein verehrter Freund; ich bin es nicht, aber ich I fühle mit dem Dichter, meine Seele ist ihm verwandt, und die! Heimath der Skalden ist mir unendlich theuer. Wir wollen hoffentlich einige schöne Stunden mit einander verleben.

Und so leben Sie wohl; bis auf Wiedersehen! Der Ihrige

v Wedderkop

Oldenburg 1845. Febr. 15.

Hierbei auch ein Brief von der Eisendecher. Brev

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