H.C. Andersen-centret ved Syddansk Universitet. Hjemmesiden er en base for forskning, tekster og information om og af H.C. Andersen. Man kan finde materialer om (nøgleordene) eventyr, forfatter, litteratur, børnelitteratur, børnebøger, undervisning, studie, Victor Borge, HC Andersen, H. C. Andersen, liv, værk, tidstavle og biografi, citater, drømme, FAQ, oversættelse, bibliografi, anmeldelser, quiz, børnetegninger, 2005 og manuskripter
The Hans Christian Andersen Center

Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 24. juni 1845

Hop forbi menu og nyheder

Dato: 24. juni 1845
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

Bregentved d: 24 Juni 1845.

Mein edler Erbgroß-Herzog! Heute ist Euer Geburtstag! mein erster Gedancke beim Erwachen diesen Morgen ist mit Gruß und Liebe bei Ihnen. Gott segne Sie und Eure liebe Heimath! Heute ist es grade ein Jahr, da ich zum erstenmal nach Weimar kam, das mir jetzt immer als das Herz Deutschlands vorkommt; heute Abend vor einem Jahre sah ich Eure Hoheit zum erstenmal; es war im Theater, eine nordische Oper mit Karl dem XII sollte gegeben werden; Sie, mein Herzog kamen in die Loge herein, und das Volk jubelte für Euch, ich schauete Euch fremd und still an, aber angesprochen war ich von Eurer fürstlichen Milde, und jetzt heute klopft mein Herz für Euch, meine Gedanken wallen Euch mit Sehnsucht und Freude entgegen; - doch Sie wissen es, Sie wissen wie lieb Sie, der Fürst dem dänischen Dichter-Herzen sind. Wo soll ich Euch heute suchen? Meine Gedanken schweifen herum! sind Eure Hoheit noch in Frankreich - Ich habe Euch durch das Journal des debats geleitet, mich gefreut; ich sahe und wußte, wie viel Neues und Schönes für Euch aufgegangen war! sind Eure Hoheit vielleicht in Holland bei der liebenswürdigen Gemahlinn und dem kleinen Sohn, dem hübschen kleinen, denn hübsch muß er sein, ich glaube daran. Wo Sie auch sind, [gestr.: ich] meine Gedanken suchen Sie, und Wenige können mit größerer Innigkeit und Theilnahme die Glückswünschen bringen als ich, Gott segne und erfreue Euch mein edler, lieber Erbgroßherzog! Ich bin auf dem Lande, in Besuch bei unserm Finanzminister, dem Grafen Moltke auf dem wundervollen Bregentved; der Garten hier erinnert an Belvedere / bei Weimar, [gestr.: aber] doch die Buchenwälder herum sind ganz und gar dänisch, die bregentvedschen Wälder sind Musterbilder für die seeländische Wald-Natur; Hirsch und Reh springen auf den schönen Gras-Wiesen, mitten im Walde; die Eichen sind so alt, die Aeste mit Moos und Epheu, die Buchen wie blühende Kuppelen; so eine Größe und Fülle von Laub kenne ich nur auf unsern Inseln. Auf dem Sloße hier ist Alles heiter und heimisch; das Leben hier senckt sich wie ein Thau über das Märchen Flor in meinem Busen. Morgen siehe ich aber fort nach den Inseln Falster und [über gestr.: og] Fühnen, und bald, man weiß es kaum, ist der Sommer verschwunden, da gehen der [eingefügt: der] Storch und die Schwalbe nach Süden, und obschon als Nachzugler, komme ich auch; wenn hier im Norden die weißen Winter-Bienen schwärmen fliege ich auf Eisenbanen-Flügeln nach dem Land, wo Luther und Göthe eine Heimath fanden, wo ein edles jugendliches Fürsten-Herz klopft.

Der König von Preussen ist jetzt in Kopenhagen, heute, wie ich glaube, reist er davon; leider bin [aus: habe] ich ihm nicht vorgestellt, ich bin auf dem Lande, habe ihn nie gesehen. Vor 6 Wochen sprach ich mit dem preusischen Gesandten Baron Schoultz, er kam aus Berlin, und erzählte mir, daß der König von Preusen sehr gnädig von mir mit ihm gesprochen habe, und der Gesandte sagte, daß, wenn der König nach Kopenhagen käme, wollte er mich dem König vorstellen, und ich beschloß, ich wollte es abwarten; nachher heißt es, daß der König gar nicht kam ich nahm darum Platz auf dem Dampschiffe, und grade in der nämlichen Stunde war das Besuch des Königs angemeldet wurden. Ich sagte, dem / Menister daß ich nach Kopenhagen kommen wollte, wenn ich sicher sey, daß ich dem König vorgestellt werden konnte, aber der Baron meinte es wäre unbestimmt, da der König nur etliche Tage in Kopenhagen bleibe, ob er Alle die sehen könne, die er gnädigst wollte; ich hatte eine weite Weg, und da ich im Winter über Berlin gehe, versprach er mir, daß er mich einen Brief an Humboldt geben wollte, und er könnte mich dan vor dem König führen. Darum bin ich hier auf dem Lande geblieben, habe nicht den Konig, nicht die Feste und Freuden in der Hauptstadt gesehen.

Auf dem Lande, im grünen Walde gehe ich herum, von hier ab fliegt dieser Brief zu Euch mein hoher, innig geliebter Erbgroßherzog! Im Geiste darf der Dichter [gestr.: woh] den Fürsten an seine Busen drücken, im Geiste fliege ich Euch entgegen!

Viele innige ehrfurchtsvollen Gruße an Eure lieben Frau Gemahlinn, die Erbgroßherzoginn und den kleinen Prinzen; darf ich hoffen daß ich bei dem Großherzog und der Großherzoginn in gnädigster Erinnerung gerufen wurde?

Ewig und immer Eurer Hoheits

treu ergebener

H.C. Andersen

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen