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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 3. december 1845

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Dato: 3. december 1845
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

Oldenburg 3 December 1845

Mein edler Erbgroß-Herzog!

Erst Sonabend kam ich hieher! erst Sonabend habe ich Eurer K: Hoheit lieben Brief empfangen, den Brief vom 9 November; O wie herzlich, wie schön, ein ganzes Bild vom Jagdschloß mit den Gobelins, verborgenen Thüren, Spiegeln und Spiegelbildern rollte auf; ja, ich schreibe einmahl ein Märchen, wie Euer Hoheit es wollen, ein Mährchen von den Spiegelbildern; aber erst wenn ich nach Weimar komme, dann glaube ich , singe ich ein Lied, wie lieb ich die Stadt habe von welcher Kraft und Poesie weit aus ueber Deutschland und ueber Europa ausgegangen ist, und wo Sie, mein edler, hoher Herr leben und wirken.

Ende October ging ich aus Kopenhagen, aber der Herzog und die Herzoginn von Schleswig-Holstein-Augustenburg hatten mich wieder eingeladen, die sind mir beide so gut, ich fühle mich in ihre(m) Kreiß heimisch, und darum konnte ich nicht fortkommen; ich bin ein Paar Wochen auf dem Jagdschloß Gravenstein geblieben; da ist es wundervoll; obschon spät Herbst giebt die Lage ein schönes Bild mit Wäldern, Hügeln, ofnem Meer und Binnenseen. Die Herzoginn hat mir den Auftrag gegeben daß ich sie bei Ihnen empfelen sollte, wenn Euer Hoheit sich ihrer noch erinnern, ich glaube aus Berlin. /

Sonabend, wie gesagt, kam ich nach Oldenburg, und wohne bei der liebenswürdigen Familie Hofrath von Eisendecher; ich fühle mich in Deutschland wie zu hause, ich bin gar zu glücklich, ein Glückskind in der Welt.

Gestern bin ich dem Groß-Herzog von Oldenburg vorgestellt, und des Abends angesagt zum Hoffconcert. Wie ich da saß, wie die Thüren aufgingen und der Herzog mit der Herzoginn und dem jungen Erbgroß-Herzog hereintrat, dachte ich an Sie, dachte ich an Weimar und mein Herz klopfte; ach wären Sie es doch gewesen! ich dencke bisweilen mit wahrer Sehnsuch an Sie.

Aber Anfang Januar komme ich, und mit neuen Mährchen, vieleich die besten die ich geschrieben habe; sie sind auch sehr gut uebertragen und Otto Speckter hat wundervollen Bilder da zu gemacht; - Man sagt in Oldenburg daß ich Fortschritte in Vorlesen gemacht habe.

Die gute Frau von Groß hat ein sehr wohlwollende, hübsche Kritik ueber die Mährchen geschrieben, ich weiß es durch die dänischen Zeitungen, aber wie ich sehe, kennt die Frau von Groß nur die Uebersetzung von Le Petit, und die ist schrecklich! ich könnte dabei weinen oder wüthend werden. Kaum steht [eingefügt: steht] die Geschichte da, und die Erzählungs Art, die Form ist ganz und gar verdorben.

Aus Berlin, ich darf es wohl, schicke ich für Euer [aus: Euch] Hoheit, auch für die Frau von Groß, ein Exempler von / den neuesten, am besten uebersetzten Mährchen.

In tiefster Ehrfurcht bringe ich meinen Gruß an Euer Hoheit liebenswürdige, milde Frau Gemalinn; auch bitte ich, da meine Nahme, meine innige Ergebenheit für die hohen Eltern erwähnt werde. Der alte Kanzler Möller, der liebe, liebe von Beaullieu, Eckermann,- ! O da sind so Viele, die ich mich [aus: mir] freue wiederzusehen. Weimar d.h. das Dichter-Herz in Deutschland, wo Krone und Leyer ein Sternbild bilden, soll ich: wie Euer Hoheit ausgesprochen habe, als meine zweiten Heimat betrachten, ich thue es, und freue mich auf den Besuch wie ein Kind.

In Berlin, hoffe ich, daß ich dem König vorgestellt werden soll, und auch den Prinzessinnen aus Weimar. Sind die beiden hohen Damen Ihrem Bruder ähnlich? Der preusische Minister in Kopenhagen hat mir gesagt, daß der König mir sehr gnädigt gesinnt ist, ich habe einen Empfielungs Brief an Humboldt, er will mich zum König führen.

Der König von Dänemark ist jetz, Gott sei gelobt, wieder ganz hergestellt, die Koniginn schrieb es der Frau Herzoginn; ich war vorher sehr besorgt, denn ich liebe den König, er ist so herzensgut, ein edler, gebilteder Mann.

Der kleine Prinds von Weimar, lebt und blüht, ich freue mich Ihn [aus: ihn] zu sehen; jetz spricht er vielleicht etwas, ja versteht was die Lämmer, die Kühen und die Sperlinge sagen.

Im Januar bin ich beinahe zwei / Monathe in Deutschland gewesen, dann hoffe ich, geht es weit besser mit der Deutsch wenn ich nach Weimar komme.

Leben Sie froh und glücklich, mein edler, lieber hoher Herr!

mit treuen, innigen Herz dencke ich immer an Sie E: Hoheit,

ihr innig ergebener H.C. Andersen.

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen