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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 14. februar 1846

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Dato: 14. februar 1846
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

16 Andersen an Carl Alexander

Leipzig 14 Februar 1846.

Mein lieber, lieber edler Erbgroßherzog! Jetzt bin ich in Leipzig! die Menschen sind mir freundlich und gut, ich habe Auerbach, Mendellsohn [soll heißen: Mendelssohn-Bartholdy] und meinen genialen Landsmann Gade, und doch ist Leipzig nicht Weimar, da ist mein Herz festgewachsen, da ist es mir heimlich geworden, da kannte ich alle Gesichter, die Augen sahen mich alle freundlich an, da füllte Liebe und Glück mein Herz. Ich gehe mit Wehmuth gegen Süden, mit Sehnsucht nach den Wiedersehen, den ich habe Euch lieb mein theurer, edler Freund! Eurer Königliche Hoheit ist mir fest im Herzen, ich kan Euch nicht entbehren! - O, ich will alle meine Kräfte aufbieten, daß ich diesen Platz, die ich glaube ich habe in Euren Herz, zu verdienen, daß kein Fremder da mich verdrängen soll. Doch Eurer Herz ist groß, da ist Platzt für Mehrere als für mich, und ich wünsche Euch Freunde, die Euch lieben wie ich, aber ich [doppelt unterstr.] darf nicht weggeworfen werden, doch so was kan nicht geschehen! wir bleiben einander treu für das Leben!

Ich erinnere mich an jedes Wort, was Sie mir gesagt haben, ich fühle, für das Leben, Eure Handdruch, Eure Kuß beim Wiedersehen und beim Scheiden. Die Fürsten haben mir Ehre und Ehreszeichen gegeben, und ich bin voll von Freude davon, aber Sie, Eurer K: Hoheit, haben mir ein Platz in Ihrem Herzen gegeben, das übertrifft Alles, das macht mich demüthig froh, das giebt mir ein edles Selbstbewußtsein, das beugt meine Gedanken an Gott, voll von Danckbarkeit. Ich weis nicht wie, aber ich bin gar zu glucklich! bis weilen glaube ich selbst, es ist Alles ein Traum. Mein Leben ist ein Mährchen in dieser wundervolle, schöne Welt. Warum bin ich saa [soll heißen: so] glücklich / statt tausend andere, die vieleicht weit besser sind als ich. -

Ich werde, leider, kein Göthe, aber in der Liebe für das weimarsche Haus, in dem Streben für das Wahre, Gute und Schönen, soll ich nicht zurückstehen. Wenn ich bisweilen Eurer konigl: Hoheit erzählt daß meine Schriften da in Deutschland, in Norden oder England mit Ehre und Liebe aufgenommen wurden, da wollen Sie nicht glauben, ich schreibe so was von leeren Eitelkeit, nein, ich erzähle es, nur darum, daß Sie Freude von mir haben sollen, ich erzähle mein Glück, denn ich will daß Sie Ehre von mir, dem angenommenen Freund, haben sollen. Ach wie gut, wie schön, das Sie kamen nach Jena, daß Euer Konigl Hoheit selbst den Brief brachte; - der ganze Abend nachher, wenn ich daran dachte, kamen mir die Thränen in die Augen. Ja, ja, Sie sind mir gut! und ich liebe Euch, wie ein Herz lieben kann.

In Jena ging es mir freundlich und gut; der Professor Hase hat mich sehr angesprochen, er schrieb ein Paar sehr schöne Zeilen für meine Album, hier sind sie:

"Was Schelling, nicht der jetzt in Berlin wohnt, sondern der ein unsterblichen Haus lebt im Reiche des Geistes, einst sagte: Die Natur ist die sichtbare Geist! - der Geist die unsichtbare Natur ist mir gestern Abend wieder anschaulich geworden über Ihren Mährchen.Wie die auf der einen Seite so tief hineinlauschen in die Heimlichkeit der Natur, die Sprache verstehn und wissen, wie’s einem Tannenbaum oder einem Gänseblümchen zu Muthe ist, so daß Alles um seiner selbst willen dazusein scheint, und wir sammt unseren Kindern in Freude und Sorge davon teilnehmen; so ist auf der andern Seite doch Alles nur des Geistes Bild, und das Menschenherz in seiner Unendlichkeit zittert und schlägt durch Alles hindurch. Mag dieser Quel aus dem Dichterherzen, das Gott Ihnen verliehn hat, noch eine Weile so erquicklich fortsprudeln, und diese Mährchen werden in die Erinnerung der germanischen Völker zu Volkssagen werden." - / Da ich mit der Lind war in der Fürstengruft in Weimar, und wir zwei Kinder aus Norden da standen neben Schillers und Göthes Särgen, kam ein junger Dichter aus Øesterreich: Rollet; später besuchte er mich in Jena und gab mir ein Gedicht, auch ein Abschrift für die Lind, daß er bei dem Begegnen in der Fürsten-Gruft gemacht hatte, es klingt so:

In die Fürstengruft zu Weimar

29 Jan: 1846

=

Mährchenrose, die Du oftmal

mich entzückt mit süßem Duft,

Sah dich ranken um die Särge

in der Dichter-Fürsten-Gruft.

=

Und mit dir an jedem Sarge

in der todtenstillen Hal,

Sah ich eine schmerzentzückte

träumerische Nachtigall.

=

Und ich freute mich im Stillen,

war in tiefster Brust entzückt,

Daß die dunklen Dichtersärge,

spät noch solcher Zauber smückt.

=

Und das Duften deiner Rose

wogte durch die Todtenhall,

Mit der Wehmut der in Trauer

stumgewordnen Nachtigall.

Ich habe vorgestern an die Lind Brief geschrieben, er war voll von Weimar, von Eurer Königl: Hoheit und Eure liebenswürdige, hohe Gemahlinn! bringen Sie die konigliche Hoheit meine innigste, tiefgefühlten Danck; bringen Sie mich in gnädigst Erinnerung an beide die koniglichen Eltern, deren Gnade und Milde ich nie vergessen will. Dieser Brief schreibe ich heute, daß er vor dem hohen Geburtstag eintreffen / konnte, und Eurer Königliche Hoheit meinen in tiefer Ehrfurcht von innigsten Herzens ausgesprochne Glücks-Wunsch darbringen können; ich habe die Kaiserliche Hoheit sehr lieb, ich konnt[e] ohne Furcht meine Sorgen und Freuden an Sie aussprech[en,] sie ist Herz und Geist, Gott schenke Ihr Glück und Freude, ich will stille im Herzen den 16 Februar feiern, und dencke(n) an Weimar! O, sagen Sie der kaiserliche Hoheit das Alle[s,] und ich sehe, in Gedanken, ihre mildes, kluges Auge, und das schöne mutterliche Lächeln um die Lippen.

Auch dem kleinen Carl August Gruß und Händdruck. Gott segne ihn. Gräfinn Redern, die Frau von Groß, Frau von Wohlzagen [soll heißen: Wolzogen] und Alle die mir gut und freundlich sind tausenden Grüßen. Sie, mein edler, lieber Erbgroßherzog mein volles Herz, mein innigste Liebe. Ihr innig ergebener treuer H.C. Andersen.

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen