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Brev fra Carl Alexander til H.C. Andersen 16. marts 1846

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Dato: 16. marts 1846
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

19 Carl Alexander an Andersen

W.(eimar) den 16 März 1846

Dienstag Morgen

So eben habe ich Ihren Brief gelesen lieber, guter Freund. Sie haben mich so innig erfreut, so bewegt, daß ich nicht anders kann als gleich die Feder ergreifen und Ihnen sagen weß mein Herz voll ist. Und mein Herz ist voll liebe und Freundschaft für Sie und voll Dank aus mehr als einem Grund, denn ich danke Ihnen für allen Genuß den Sie mir durch Ihre schönen Gaben spenden, besonders aber für Ihre innige Freundschaft, für Ihre treuen, biederen Gesinnungen. Daß Sie aber ein treuer Freund sind und bleiben weiß ich weil ich in Ihr Herz blicke und es kenne. Deshalb liebe ich Sie auch aufrichtig und innig. - Soll ich Ihnen sagen daß Ihr Heimweh nach Weimar mich freut? Sie werden es mir glauben auch ohne meine Versicherung, ich sage Ihnen aber noch (eingefügt: noch) daß (gestr.: ich) es mir lieb ist, daß Sie Ihre Bande, die an Weimar Sie binden, fühlen und daß Sie Sich angezogen, fest gehalten fühlen durch Ihr zweites Vaterland. Ich gestehe daß meine Freude nicht ohne Egoismus ist, doch werden Sie mir gewiß dies Gefühl verzeihen, denn ich kann ja nicht anders als mich freuen Sie bei mir zu sehen. - Wie lieb und werth sind mir die Aeußerungen unserer Freundinn. Die edele, reine Seele fühlt daß man / sie hier erkannt, hier verstanden habe und das verwandte Herz wendet dem verwandten sich zu. Das freut mich, das beglückt mich für sie selbst wie für uns, denn der ziehenden Wanderer soll unter dem gastlichen Dach sich nicht nur wohnlich fühlen, er soll sich auch zu Hause fühlen, empfunden, erkannt, verstanden wissen. Grüßen Sie die Edele tausendmal von mir und meiner Frau und sagen Sie ihr daß sie uns durch die Rückerinnerung an ihren wahren Seelenadel, an ihren hohen, reinen Geist, an ihr edeles Herz einen Besitz verschafft hat der uns hoch und innig erfreut und den uns nichts entreißen kann. Auch möge sie stets hierherzurückdenken und auf hier bauen. - Den glücklichen Beginn Ihrer Reis[e] nehme ich als eine gute Vorbedeutung an für Ihre weiteren Wege; schon sind Sie weit hinweg, noch über die blaue Ferne hin. - Eine (aus: Es ist das eine) der herrlichsten Gaben Gottes ist die Möglichkeit des Geistes Verkehrs welcher durch keine Weite, durch keine Entfernung gestört werden kann. Deshalb bleiben wir auch vereint wären wir auch Antipoden. - Der Frühling hat Sie gewiß mit seinen tausend Armen umfangen als sey er eine indische Gottheit. Hierher hat er seine Boten schon vorausgesendet: die Schnepfe und die Gänseblümchen und die grünen Blätter am [aus: im] Hagedorn. Sehen Sie ich fange auch an Mährchen zu schreiben nur kann ich nicht viel weiter kommen. Ich / bin nur eine häßliche kleine Ente und, was das Schlimmste ist, bleibe es und werde kein Schwan. - Lassen Sie mich von hier Ihnen reden, die Bilder aus dem Vaterlande mögen Sie umgaukeln wie die Träume des Schlafes. Ich war wieder auf Wartburg wo man viel ausgegraben und die alte Zeit wieder gefunden hat die viele hundert Jahre unter Bergen von Schutt und Steinen lag. Ich sage die alte Zeit denn tausend Dinge sind der Tiefe entstiegen, Treppen und Gemächer und Schmuck und Waffen und Geld. Im Ganzen mag die Welt immer doch dieselbe sein und gewesen sein, bleibt doch der Mensch, diese Welt im Kleinen, immer sich gleich. In Gotha war, als ich in der Nacht hindurch fuhr, öffentlicher Maskenball; ich hüllte mich in einen Domino und schlüpfte unter die Menge wurde aber gleich erkannt. Es ging mir wieder wie der kleinen Ente. - Liszt ist fort was mir leid thut denn seine Conversation ist mir ein hoher Genuß mehr noch als sein Spiel, wie man einen nakten Dämon wohl weniger bewundert als einen der einen wohlgefälligen Rock anzieht und so durch das Aeußere schon besticht. Bloser Dämon aber erscheint er mir auf dem Klavier, in der Welt der Töne, in der es mir graut wenn er hinein mich führt. - Fleißig studieren wir an Rieleilate, so heißt das Mährchen was, so Gott will, bald zur Aufführung / kommen soll. Schöll hat es bearbeitet, im Prolog erzählt das Mährchen, was sehr glücklich personificirt worden ist, daß es sich unlängst auf eines Dänen Stirn gewiegt und ihn [gestr.: erkennen] die Sprache der Bäume, den Geist der Blumen und die Seele der Thiere erkennen gelernt habe. Schreiben Sie mir oft! - Schreiben Sie mir von dem Eindruck den Menschen und land und Thiere auf Sie machen. Der Spiegel Ihrer Seele ist so wunderbar, so eigenthümlich, daß ich ganz neugierig bin die Welt in demselben zu sehen. - Morgen oder heute schon schreibe ich an Monsignor Dihudiczi-Spada (?), den Kriegsminister S. Heiligkeit und nenne Sie ihm. Sie werden einen geistvollen und liebenswürdigen Mann an ihn finden. Kommen Sie nach der ewigen, göttlichen Roma so suchen Sie Frau von Goethe auf und Ihren merkwürdigen Sohn Wolf - grüßen Sie beide von mir. Merkwürdig ist er denn er hat Talent und vielen Geist, doch kommt er mir vor wie ein unabsehbar tiefer Brunnen in dem das Wasser tiefer noch als die tiefte Tiefe liegt. Tief muß man steigen ehe man es schöpft.

Adieu mein Lieber und Bester. Vergessen Sie mich nicht und schreiben Sie mir oft und lang. Eine Freundschaft ist bisweilen erigeant. Verzeihen Sie das Zweite dem Ersten wegen und gedenken Sie meiner. CA

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen