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Brev fra H.C. Andersen til Carl Alexander 2. april 1846

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Dato: 2. april 1846
Fra: H.C. Andersen   Til: Carl Alexander
Sprog: tysk.

20 Andersen an Carl Alexander

Rom 2ter April 1846.

Mein edler, lieber Erbgroßherzog! Heute ist mein Geburtstag, und darum muß ich an Sie schreiben; Eurer K. Hoheit ist mir so fest im Herzen ich muß bei Ihnen sein, mit Ihnen sprechen! Vorgestern kam ich hieher, und auf der Post erwartete mich zwei Briefe, einer aus Kopenhagen, einer aus Weimar, der Brief E: Konigl: Hoheit. O, wie edel und gut sind Sie! ich liebe Sie darum aus meinem vollem Herzen! das liegt Ihnen offen, es klopft für Sie. Ich habe er gelesen und gelesen, und es ist mir dabei, als sehe ich Ihnen in die milden, liebevollen Augen hinein. Mein letzter Brief an E. K. H, war aus Prag; der Erzherzog Stephan hat mich so gut und freundlich empfangen, das verdanke ich Ihnen. Auch bei Graf Thun habe ich einigen interessante Stunden zugebragt. Der 5 Märtz ging ich aus Prag; eben da fuhren auf der Eisenbahn, mehrere Regimenter nach Gallizien; es war so ein Gedränge, so eine Menschenmasse, daß ich schon zwei Stunden vor der Abfart, im Bahnhoff sein mußte. Alle die Gebirge herum waren voll von Menschen um Lebewohl zu sagen; es war ein Anblick den ich nie vergesse! Wie ein Körper standen meilen weit Menschen: Männer, Frauen und Kinder; die Tücher wehten, die Lippen ruften. Das Großartige lag in den Massen. So was [gestr.: habe]) kan nicht auf der Bühne arangirt werden. In der dunklen Nacht fuhr ich durch Böhmerland; aber den Anblick! diese Menschen-Massen, Bauern in Lumpen beleuchtet von Faklen, die fremde Sprache, unsre Flug wie die Wolchen! es war geisterhaft, und ich war selbst ein von die Geister der flogen einem unbekanten Menschengeschlecht vorbei.

In Wien traf ich Li(s)zt, der geistreiche, eigenthümliche Genius! Wir waren etliche Stunden mit einander, und ich hörte ihm bluten auf dem Pjano-Folter.- Die Königinn von Sachsen / hatte mir einen Empfielungs Brief an ihre Schwester, Erzherzoginn Sophie gegeben, ich war sehr gnädig empfangen und angesagt, ja sogar ein Hofwagen, für mich, nach meinem Hotel geschicht. Ich bin ein Abend bei Thee, und die Erzherzoginn sowie die Kaiserinn-Witwe, haben mich sehr angesprochen; beide sind milde liebenswürdige Damen; auch den Herzog von Darmstadt, den Prinds Wasa und die Prindssessinn von Schweden sah ich da erste Mahl. (Die Erzherzoginn Sophie hat mir so gar ein[e] sehr gesmackvolle Brustnadel geschenkt.) In Theater bekam ich meinen frei Platz, und in mehreren Familien wurde ich freundlich aufgenommen, zum Beispiel bei Graf Creenville [soll heißen: Creneville], Grav Szechényi [soll heißen: Széchenyi], Baron Boul [soll heißen: Boulles-Russig] & - Der dänische Gesandte Löwenstern, ist ein sehr brawer Mand, die Frau sehr gescheit, da habe ich mehre interessante Leute kennen gelernt; auch die Poeten und Künstlern nahmen mich freundlich auf; aber das Dampschif ging schon der 24 von Triest nach Ankona, ich mußte darum fort; noch in der leste Stunde fragte ich auf den Posthaus, nach Briefe, aber da waren keine für mich. Der 18 Märtz ging ich auf der Eisenbahn nach Grätz [soll heißen: Graz] . Der ganze Bau ist großartig! die Schienen machen Krümmungen wie der Fluß; man schlingt sich die Gebirge herum, wie eine Schlange, ich erwartete jeden Augenblich, daß wir in die Fluß hinausgeworfen werden sollte, aber es ging gut, und ueber Grätz kam ich den dritten Morgen nach Triest. Auch hier fand ich deutsche Freunde, Freunde meiner Mährchen und Romane; es war mir bald ganz heimisch! - Der Graf v. Waldstein, eben ein Descendent von Eleonore Ulfeldt,der oldenburgsche und der dänische Konsul & nahmen mich so herzlich auf; auch von Gouverneur in Triest war ich eingeladen. - Das ist doch schön und glücklich, ueberall freundliche Augen zu erblichen, herzliche Händdrüche zu empfangen, und dabei die Gefühl: du bist Ihnen nicht ganz fremd! eben des Dichters Inneres ist das Bekannte für Sie.

Dem Capitain auf dem Dampschiff empfohlen, bekam ich eine sehr gute Koie, und in eine sternenhellen Nacht fuhren wir ueber das Adriater-Meer! Da dachte ich an Sie, an Weimar! Könnte ich doch etwas für Sie thun!! - ach ja, daß klingt komisch, ich für E: K: Hoheit! aber es wäre schön, wenn ich auf Erden recht etwas Großes wäre, / daß ich recht segnen könnte Alles was ich liebe. -

In Geselschaft mit eine gutmüthiger Edelmann, aus Ungarn, und ein sehr gebildeter, liebenswürdiger Wiener, Graf Paar, nahm ich in Ancona Weturin; wir drei allein im innern Wagen, und dann ging es ueber die Appeninen. Im Thale blühte der Frühling, daroben lag der Winter; die Gasthäuser waren am meisten malerischen wo sie waren am schlechtesten; ein polnischen Fürstinn mit ein sehr schmutziger Kock [soll heißen: Koch] begleitet uns, und endlich, der letzte Martz - 10 Uhr Vormittags kamen wir nach Rom. Mein erster Besuch war, wie gesagt, nach dem Posthause, und der erste Brief da, war von E. K. Hoheit. O, danke, dancke! Das war ein Brief! -

Italien hat kein bessere Sonne, als die ich habe in Ihrer Herzen! Wenn die ganse Welt, so wie ich Eure Herz kannte, die wollte Sie lieben! - Ich las der Brief, und las er wieder! es liegt ein Zauber in dem Schreiben! Alles was blüht und duftet im Herzen, spries wieder hervor und schlingt sich um diese schwarze Espalie auf die Brief-Wand. - Ach, ich kann mich nicht recht in Deutschen, wie in Dänischen aussprechen. -

Heute, mein Geburtstag, bekam ich früh einen grosen ächt römische Blumenstrauß von Frau von Göthe; sie ist mir so gut; leider ist der Sohn so kräncklich, daß ich ihm noch nicht gesehen habe. Heute Abend war ikke [soll heißen: ich] von meinen Landsleute und mehreren Schweden, auch Norweger, ein ganze schandinawischer Geselschaft, eingeladen; die haben meine Gesundheit ausgebracht und mir einen Krands und ein Hoch gegeben. Auch in Rom wurde ich verehrt, die Menschen können mir verderben, doch nein, ich fürchte nicht! ich weiß daß ist das Gute, das Göttlich, das mich nicht gehört, das man schätzt und verehrt. Wenn ich doch heute Abend etliche Minutten bei Sie, mein lieber, edler Erbgroßherzog, sein konnte! Haben Sie wohl meiner gedacht? Doch es ist spät in der Nacht! Leben Sie wohl! leben Sie glücklich! bringen Sie mich gnädigst in Erinnerung bei der edle Erbgroßherzoginn, die hohen Eltern, und Alle am Hofe, der sind mir freundlich und gut; die Gräfinn Redern, Frau von Groß, Beaullieu, Kansler Muller, Schöll, & -

Hier in Rom bleibe ich bis den letzten April, dann gehe / ich nach Neapel -, und da finde ich Brief post restante [dreifach unterstr.].

Der lieben kleinen Prinz Carl August tausend Hoch und Sprung! Sagen Sie ihm: mein Gruß reitet ein schnelles Pferd, Hyp! Hyp! und ich bin bei ihm.

Gottes beste Freude ueber Sie und das liebe Weimarsche Haus, da ist ja auch meiner Heimath. E: Königl: Hoheit innig ergebener H.C. Andersen

N.S.

Rom 6 April 1846. Erst heute geht der Brief ab. Gestern war es Palme-Sontag. Ich habe den Pabst gesehen in St: Peter; die Palmen wehten, ueber und ueber war es voll von Menschen. Die Frau und Hr. Baron von Göthe senden tausend Grüßen an Weimar, ich flechte die meinigen hinein, und auf den Gedanken bin ich bei Sie, mein innig geliebter hoher Erbgroßherzog!

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen