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Brev fra Carl Alexander til H.C. Andersen 22. april 1846

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Dato: 22. april 1846
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

21 Carl Alexander an Andersen

W.(eimar) den 22 April 1846.

Wo sollen meine Gedanken Sie aufsuchen, mein Lieber und Bester? Wo soll ich Sie finden, wo in meiner Phantasie Sie sehen? Das ist das Traurige der Trennung daß wenn auch das Herz mit dem befreundeten entfernten vereint bleibt, kein geistiges noch körperliches Auge den Fernen erblickt. Ich glaube Sie noch immer in Neapel. Ihr Brief aus Rom (den 2 April) kündigte mir Ihre Abreise dahin wenigstens an.

Deshalb adressire ich meinen Brief auf gut Glück dahin, denn auf gut Glück muß man alle Briefe, nach Italien besonders, reisen lassen. Wie danke ich Ihnen für Ihren letzten. Ich kenne fast Niemanden dessen Persönlichkeit so in das was er schreibt übergeht als Sie. Auch kommt mir jeder Ihrer Briefe vor wie ein Stück von Ihnen selbst. Deshalb sind sie mir auch doppelt werth und doppelt innig ist auch mein Dank. Aber im Besondern danke ich Ihnen für die Reiseskizzen die Sie mir liefern, für die poetische Beschreibung Ihrer nächtlichen Eisenbahnfahrt von Prag hinweg umgeben vom Abschied / so vieler Tausende, unter denen Sie einsam dahin flogen wie der weit her kommende Vogel hinwegschwebt über das Glück und den Schmerz der Menschen. Ich habe mich erfreut an Ihrem Glück, an Ihrer Zufriedenheit. Erhalten Sie Sich Letztere, damit Ersteres Ihnen nicht entschlüpfe, namentlich erhalten Sie Sich Ihren kindlichen Sinn, Sie werden durch ihn die blinde Göttinn am Meisten umfangen. Und endlich erhalten Sie Sich die Bescheidenheit welche Ihnen so schön zu sagen lehrt: "daß man nicht Sie Selbst, sondern das Göttliche in Ihnen schätzt." Nun, ich gestehe, ich liebe Sie und das Göttliche. - Herzlichst lassen Sie mich Ihnen gratuliren zu Ihrem Geburtstag; daß mein Brief gerade an diesem Tage zu Ihnen gelangen mußte, hat mich hoch erfreut. Möge das neue lebensjahr das Band zwischen dem Reisenden und dem Zuhausebleibenden nur noch fester knüpfen, möge es die beiden fernen Freunde bald wieder vereinen. - Bin ich Ihnen etwas, sind Sie mir gut, so seyn Sie versichert daß ich froh bin Sie zu kennen, Sie zu schätzen, Sie gefunden zu haben - Doch was sage ich da - Sie wissen längst Alles in und auswendig was ich Ihnen sagen könnte. - O schreiben Sie mir bald, schreiben Sie mir oft. Beleuchten Sie mit dem wunderbaren lichte Ihres Geistes die Dinge welche Sie schauen, schildern Sie mir die Eindrücke welche Sie empfangen, malen Sie mir die Bilder vor Ihren geistigen / und körperlichen Augen, characterisiren Sie mir das was Sie fühlen. - Sie können es so gut. - Ich danke Ihnen für Ihre liebe, für Ihre Freundschaft, Sie haben mich gerührt durch Alles was Sie mir schreiben und rühren mich wieder jetzt wo ich Ihnen danke. - Alle Ihre Freunde grüßen Sie, meine Eltern, die Erbgroßherzoginn nicht wenig. - Sagen Sie mir doch ob Sie von Weimar etwas Gutes, etwas Schönes hören. Wenn man wie ich ein Herz voll Patriotismus hat, man möchte des Vaterlandesname - überall hin getragen sehen auf den Flügeln der Morgenröthe. - Seit ich Ihnen schrieb war ich wieder auf meinem Felsenschloß, auf der Wartburg. Ihren Brief hatte ich mit, ich hatte aber die Zeit ihn zu beantworten zu Hause gelassen und mußte ihn deshalb wieder hierher zurückbringen. Es war herrlich auf dem Bergesgipfel. Ich glaubte zu ruhen auf dem Frühjahr; rings umgab es mich wie ein blühender Gürtel. - Ich zog Tag und Nacht in dem Paradiese umher und sog wie eine Biene das Frühjahr überall ein und projectirte herrliche Bauten auf dem alten Schloße.-

Illmenau den 28 April Ich habe meinen Brief wieder unterbrechen müßen, er ist mir hierher in die Bergstadt Illmenau gefolgt wo ich mitten der großartigsten Natur ihn vollenden will. Ich sehe mich hier umgeben von mächtigen Bergen auf denen [una]bsehbare Föhrenwälder kräftig wachsen. Einen balsamischen Duft verbreiten sie über das ganze Land. [Hier] / und da öffnet sich der Wald und läßt einen Blick thun in die tiefe Stille der Waldeinsamkeit. Ich finde, daß sich das was man Waldeinsamkeit nennt so gut fühlt, daß es so laut zu unserm Innern spricht, daß, wär ich ein Heide ich ganz bestimmt einen Gott der Einsamkeit an solch einem Punkte verehren würde. Zwischen den hohen Bergen winden sich die herrlichsten Thäler durch deren grüne Wiesen Bäche des klarsten Wassers rauschen. Sie sind zugleich die Quellen unendlichen Gewerbfleißes, wovon die vielen Kunstwerke, Schneidemühlen u.s.w. zeugen können. Diese Beschreibung sende ich Ihnen damit Sie über den Herrlichkeiten des Südens nicht die des Nordens vergessen.

Und nun leben Sie wohl, ich will und muß ruhen denn seit 2 Uhr der Nacht habe ich in den Wäldern gejagt. Adieu, mein Lieber und Guter vergessen Sie mich nicht und schreiben Sie bald

Ihrem

herzlich ergebenen CA Was sagen Sie wohl über den jungen Goethe den Sie in Rom gesehen haben?

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen