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Brev fra Carl Alexander til H.C. Andersen 21. juli 1846

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Dato: 21. juli 1846
Fra: Carl Alexander   Til: H.C. Andersen
Sprog: tysk.

25 Carl Alexander an Andersen

Wilhelmsthal bei Eisenach den 21 July 1846.

Vor ein Paar Tagen, mein Bester, erhielt ich Ihren lieben Brief aus Vernet von dem 7 Juli. Meinen Dank, meinen herzlichen sende ich in die weite Welt, er treffe Sie wo Sie sein mögen, Sie sind seiner gewiß, denn Sie wißen daß ich aufrichtig Ihnen danke. Er hat mich in mancher Hinsicht betrübt, Ihr Brief, denn ich weiß Sie leidend und sehe Sie wie Moses auf dem Berge von welchem herab er in das gelobte Land blickte ohne es erreichen zu können. Ich fühle mit Ihnen den Stachel der Unentschlossenheit und die bittere Arznei des Entsagenmüssens. So ist ‘Kampf’ die devise des lebens. Der Friede besteht nicht in Vermeidung des Kampfes, in dem Sieg allein besteht er. So werden Sie jetzt hoffentlich den Frieden in der Seele dem Norden und der Kühlung sich zuwenden. Der Kühlung die Sie bedürfen. Sie sind wie die Blumen die ohne Sonne nicht leben können und mit zu viel Sonne umkommen. Mitteltemperatur ist Ihr Element. Wo aber sollen Sie dieselbe suchen: Im Norden nicht denn Sie sehnen sich nach Süden, im Süden nicht denn Sie fliehen ihn, in der Mitte also; wo aber ist die / Mitte? in [eingefügt: in] Deutschland; wo aber muß es im Besten am Besten sein?, in der Mitte des Besten; wo aber ist die Mitte Deutschlands? in Weimar. Dort werden Sie also am Besten sein, dort [aus: dorthin] gehören Sie also hin. Ich finde es also sehr vernünftig und recht daß Sie zu uns zurückkehren. Auch verspreche ich Ihnen ein (aus: eine) kühles Zimmer in Ettersburg wenn Sie Ende August dahin kommen, denn vor dieser Zeit werde ich schwerlich dort sein, da eine Reise durch Böhmen und durch einen Theil des Großherzogthums es mir unmöglich macht in meinem Schlosse herum zu spectakeln. Jetzt bin ich hier in tiefer Waldeinsamkeit vergraben. Aus meinem Fenster ruht mein Blick auf einer weiten, grünen SammetWiese und schweift an einer Wand gigantischer Tannen entlang hinauf in die blaue luft. Ein stiller See, ruhig und ernst wie ein frommes Auge, blickt aus all’ dem Grün, nicht weit von meiner Wohnung, hervor. Wie lieb ich dies Alles! wie lieb ich die Natur! Je älter ich werde fühle und verstehe ich sie. Ich kann nicht begreifen wie man sich einsam fühlen kann mitten in ihr, denn was spricht lauter als sie, was bedeutungsvoller, was deutlicher? Es sind herrliche Theile der Schöpfung die mich hier umgeben, Berge der schönsten Formen, Wälder der größten Pracht, Aussichten so wundervoll daß kein Maler etwas hinzuzufügen, noch hinwegzu/laßen hätte. Wie oft kommt es mir im Anschaun All’ dieses Herrlichen vor, als hätte ich nicht Sinne und Kräfte und Glieder genug das zu fassen, zu umschlingen! Ich wollte deren haben wie die indischen Gottheiten und dennoch verlangte ich mehr. Ihre Wanderungen rivalisiren mit denen des Ulysses. Haben Sie all das Schöne auch genossen was Sie sahen? Wenn man genießen will, so wird [über gestr.: genießt] man erst gewiß wie viel man [i]m täglichen Einerlei übersieht. Das Alltägliche ist überhaupt mein Feind, denn die Gewohnheit ist die mächtigste aller Fesseln. Ueberdieß fürchte ich mich vor nichts mehr als dem Einschläfern im leben, durch das leben. Man wird in einem unsichtbaren Spinnengeweb so fein und doch so fest gefangen daß man der Gefahr ausgesogen zu werden entgegenvegetirt, zerreißt man nicht die Gespensterhaften Bande durch die Energie des Willens. Vigilando ascendimus, die Devise meines Hauses, sie [aus: er] ist der Wahlspruch meines Lebens. Nur ein Geiger liegt neben mir; im nächsten Brief sage ich etwas von ihm. Er geigt mit auf meiner Reise. Ich habe Werther beendigt. Wie wahr und treu das menschliche Bild!, die Form nur ist alt aber in allen Zeiten bleibt der Mensch derselbe. Es ward mir grausig hinab zu blicken in diesen Seelensturm, denn wer ist [über gestr.: hat] nicht zeitweise, we/nigstens, herumgetrieben auf den wilden Wogen des inneren Meers!. Nun will ich die Wahlverwandschaften lesen, die kenne ich noch nicht. Ich versichere Ihnen ich bin sehr fleißig und lese und schreibe den ganzen Tag. Oft schlag ich meine Bibliothek unter den hohen Bäumen auf, oder auf irgendeinen Felsen in der blauen luft. Doch rasch muß ich schließen, denn es kommen Gäste die wir erwarten, , addio addio, auf Wiedersehen so Gott will, wie will ich mich freuen wenn ich Sie neben mir sehe! Ihr getreuer Freund CA Meine Eltern und meine Frau grüßen Sie, meine Schwester ist abgereist.

Tekst fra: Ivy York Möller-Christensen (329)